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Das PC Magazine erscheint nur noch online

US-Zeitschrift stellt Printausgabe nach 27 Jahren ein. Das renommierte "PC Magazine" erscheint mit der Ausgabe vom Januar 2009 zum letzten Mal in gedruckter Form und wird online weitergeführt. Damit verschwindet eine der renommiertesten Computerzeitschriften von den US-Kiosken. Das PC Magazine hat auch den Stil europäischer Publikationen mitgeprägt.
/ Nico Ernst
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Inmitten des PC- und Heimcomputerbooms der 1980er Jahre gründete der Verleger Bill Ziff Jr. 1982 die Zeitschrift "PC Magazine". Da Ziff zuvor schon andere erfolgreiche US-Zeitschriften wie das Automagazin "Car and Driver" und "Popular Electronics" verlegt hatte, konnte er von Anfang an stark investieren. Ein Schwerpunkt des Blattes waren stets Produkttests, die sich in den ersten Jahren sehr auf den Einsatz von PCs in Unternehmen konzentrierten.

So verfügte das PC Magazine über räumlich von der Redaktion getrennte Testlabors, ein eigenes Unternehmen namens "ZDBOp" kümmerte sich um die Entwicklung von Benchmarks. Programme wie PCBench und später WinBench wurden auch von anderen Redaktionen weltweit genutzt.

Bereits 1983 schwoll die Zeitschrift durch den Erfolg am Anzeigenmarkt auf über 800 Seiten an, wurde auf zweiwöchentliche Erscheinungsweise umgestellt und blieb erfolgreich. Mit dem Logo "PC Magazine – Editors Choice" wurde auch der Prototyp eines Gütesiegels eingeführt, wie es Hersteller von IT-Produkten nur zu gerne auf ihre Verpackungen kleben.

Neben technischer Kompetenz und wirtschaftsorientierter Beobachtung des Marktes sparte das Blatt auch nie mit Kritik. Dazu gehörten von Anfang an Kolumnen wie die des IT-Veteranen John Dvorak(öffnet im neuen Fenster) , der sich mehr als einmal den Mund verbrannte. Der noch heute für PC Magazine tätige Autor nannte beispielsweise 1999 Apples iBook "zu mädchenhaft" , was ihm viel Schelte einbrachte.

1994 wollte Bill Ziff im Alter von 64 Jahren das Medienunternehmen an seine drei Söhne übergeben. Diese hatten jedoch kein Interesse, da sie längst mit einem eigenen Investmentunternehmen an der Wall Street erfolgreich waren. Ziff verkaufte den Verlag an eine andere Investmentfirma. Diese filetierte das Unternehmen, und die Zeitschriften sowie lokale Ableger wie die deutsche – inzwischen eingestellte – "PC Professionell" wurden von anderen Firmen weitergeführt. Die deutsche Zeitschrift "PC Magazin" gehörte im übrigen stets einem anderen Verlag, der mit Ziff nichts zu tun hatte.

Die US-amerikanische Ziff-Davis Inc. musste ab dem Jahr 2000 mit der Verlagerung des Leserinteresses zu Onlinemedien kämpfen. Dort war das Unternehmen aber schon seit 1989 aktiv, erfolgreiche Seiten wie ZDnet gehörten jedoch nicht mehr zu Ziff-Davis. Im März 2008 beantragte der Verlag Gläubigerschutz nach der US-Regelung "Chapter 11". Die Gläubiger stimmten einer Rettung zu, als Ergebnis wird jetzt die Printausgabe des PC Magazine eingestellt.

Laut einem Bericht von Mediaweek(öffnet im neuen Fenster) sollen dadurch sieben Mitarbeiter ihren Job verlieren. Ziff-Davis will das PC Magazine online über die Seite pcmag.com(öffnet im neuen Fenster) weiterführen. PCMag-Chefredakteur Lance Ulanoff schreibt in einem offenen Brief(öffnet im neuen Fenster) an die Abonnenten der Printausgabe: "Unsere Berichterstattung wird sich nicht verändern, nur das Format" . Dazu sollen die Abonnenten die schon seit 2002 existierende PDF-Ausgabe des PC Magazine per E-Mail erhalten.

Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, erklärt Ulanoff weiter. Aber: "Die Wahrheit ist, dass die ständig steigenden Kosten für den Druck und die Auslieferung die Erstellung eines physischen Produktes zu einer untragbaren Geschäftsgrundlage gemacht haben."

Das PC Magazine folgt damit einem Trend, dem vor kurzem auch der "Christian Science Monitor" die erste renommierte US-Tageszeitung gefolgt war .


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