Telekom-Schnüffeleien ohne Grenzen
Noch kann sich die Staatsanwaltschaft keinen Reim darauf machen, nach welchen Kriterien die "Verdächtigen" ausgespäht wurden. Einige wurden offenbar gezielt ausgewählt. Andere erregten über vermeintliche Kontakte mit dem Capital-Redakteur Reinhard Kowalewsky offenbar den Argwohn der Telekom. Der Redakteur hatte 2005 die vertrauliche Mittelfristplanung der Telekom veröffentlicht und für Unmut in der Firmenspitze gesorgt.
Unter den prominenten Spähopfern finden sich neben Aufsichtsräten auch konzernfremde Gewerkschafter. Einige Namen werfen zudem die Frage auf, ob Telekom-Mitarbeiter womöglich sogar auch Daten erhoben haben, um anderen Konzernen Informationen über die Kontakte ihrer Aufseher zukommen zu lassen.
Manches spricht derzeit dafür, dass der damalige Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel der Drahtzieher der Spitzelei war. Das könnte etwa erklären, wieso etwa Rolf Büttner ausgespäht wurde. Der damalige Verdi-Vorstand saß zwar nicht im Telekom-Aufsichtsrat, dafür aber im Kontrollgremium der Post, deren Chef Zumwinkel war. Verdi-Chef Frank Bsirske wiederum kontrollierte die Lufthansa für die Arbeitnehmerseite, Zumwinkel saß für die Arbeitgeber im Aufsichtsrat des Kranich-Konzerns. Die Lufthansa hat Anfang des Jahres eingeräumt, 2001 ermittelt zu haben, um Lecks in ihrem Aufsichtsrat zu finden. Sie hätte dazu aber nur Passagierdaten eines Journalisten ausgewertet und so ein Treffen mit einem Aufsichtsrat entdeckt.
Die Gewerkschaft Verdi sieht in der Spitzelaffäre einen Angriff auf die Mitbestimmung. Unter den 55 Betroffenen sind 22 Betriebsräte sowie ihre Mitarbeiter. Verdi-Vorstand Lothar Schröder, der auch stellvertretender Telekom-Aufsichtsratschef ist, geht sogar davon aus, dass die Telekom die Anschlüsse auch abgehört hat, weil sie mit den Daten allein nicht viel habe anfangen können.
Drei der sieben aktuellen Telekom-Vorstände arbeiteten damals für T-Mobile. Telekom-Chef René Obermann war Chef der Mobilfunktochter, sein Nachfolger Hamid Akhavan Technikchef, und der heutige Festnetzvorstand Timotheus Höttges war Obermanns Deutschland-Chef. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden vor allem T-Mobile-Daten ausgewertet.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt in der Affäre gegen acht Beschuldigte. Darunter sind Ricke und Zumwinkel, drei Mitarbeiter der Konzernsicherheit, zwei T-Mobile-Beschäftigte sowie ein externer Dienstleister, der die Daten ausgewertet haben soll. [von Sandra Louven, Handelsblatt]
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Viele im Aufsichtsrat wissen noch nichtmal das es Telefone ohne Wählscheibe gibt.Jedes...
o.T. = ohne Text
Die Stasi war nicht böse, die DDR ein Paradies und der böse Westen lügt und verzerrt...
Die Telekom ist doch noch viel zu lasch vorgegangen, die hätten preväntiv viel mehr...