Zoetrope - eine Suchmaschine für das Internet von gestern

Die Datenbasis, die die Nutzer durchsuchen können, legen die Forscher derzeit an: Zoetrope archiviert stündlich ausgewählte Websites. Dieses Intervall reiche bei manchen Seiten jedoch nicht aus, hat Adar festgestellt. So müssten beispielsweise Börsenkurse deutlich öfter als stündlich gespeichert werden. Andere Seiten hingegen sind weniger dynamisch, so dass sie seltener gespeichert werden könnten. Die Idee der Forscher ist deshalb, Zoetrope dazu zu bringen, selbst herauszufinden, wie oft sich eine Seite ändert und wie oft sie gespeichert werden muss.

Sehr umfangreich ist das Archiv jedoch nicht, gibt Adar zu: Das System arbeitet erst seit Juli 2008 und erfasst nur etwa 1.000 Websites. Er würde deshalb gern mit einem umfangreicheren, weiter zurückreichenden Archiv zusammenarbeiten: dem von Brewster Kahle gegründeten Internetarchiv Archive.org, das seit 1996 das Web archiviert. Von einer solchen Kooperation könnte auch das Internetarchiv profitieren, glaubt Informatiker Dan Weld, der auch an Zoetrope mitgearbeitet hat. Dessen Daten seien nämlich nicht immer konsistent, und es sei schwer, das Archiv zu durchsuchen.

Wie Kahle will auch das Team um Adar der Flüchtigkeit von Websites entgegenwirken, indem sie sie archivieren. "Der Browser ist nur ein Fenster ins Internet, wie es heute ist", erklärt Adan. "Wenn man etwas sucht, bekommt man nur Resultate von heute." Mit Hilfe von Zoetrope wollen sie vergangene Daten retten und Nutzern einfach zugänglich machen.

Ein Konzept, das nicht jeder gutheißt: Viktor Mayer-Schönberger, Politologe an der Harvard-Universität, setzt sich vehement gegen eine dauerhafte Speicherung von Daten ein. Er fordert, digitale Daten standardmäßig mit einem Verfallsdatum zu versehen, so dass sie nach einer bestimmten Zeit automatisch gelöscht werden. Nur im Ausnahmefall sollten Daten dauerhaft gespeichert werden, so Mayer-Schönberger.

Bis die Nutzer in den Genuss des Systems kommen, müssen sie sich noch gedulden. Die Forscher schätzen, dass sie es im Sommer 2009 der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen werden, wahrscheinlich als Erweiterung für den Browser und wenn möglich kostenlos.

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