Wikipedia.de ist wieder online
Bis zur Abschaltung am Samstag interessierten sich täglich rund 30 Nutzer für den Wikipedia-Artikel über Lutz Heilmann, am Wochenende wurde der Artikel mehr als 500.000-mal abgerufen(öffnet im neuen Fenster). Damit hat Lutz Heilmann eher das Gegenteil von dem erreicht, worauf er mit seiner einstweiligen Verfügung abzielte. Zwar sind die von ihm kritisierten Passagen mittlerweile zu weiten Teilen aus der Wikipedia entfernt worden, doch erst durch die Abschaltung bekam das Thema eine große Öffentlichkeit.
Heilmann sorgte so für eine Demonstration des sogenannten Streisand-Effekts(öffnet im neuen Fenster), der das Phänomen beschreibt, dass der Versuch, bestimmte Informationen aus dem Internet zu entfernen, dazu führen kann, dass diese noch stärker verbreitet werden.
Dem Verein brachte der Trubel hingegen einen Spendenrekord ein. Statt der rund 3.000 Euro täglich, die in den Tagen zuvor gespendet wurden, waren es am Wochenende zusammen rund 32.000 Euro.
Heilmann hatte seinen Fehler noch am Wochenende eingesehen und den Verzicht auf weitere rechtliche Schritte gegen den Verein Wikimedia Deutschland angekündigt. Am heutigen Montag wurde die einstweilige Verfügung aufgehoben und mittlerweile ist Wikipedia.de wieder online.
Der Verein Wikimedia Deutschland, gegen den Heilmann die einstweilige Verfügung erwirkt hatte, ist nicht Anbieter der unter de.wikipedia.org(öffnet im neuen Fenster) zugänglich gemachten "Wikipedia" und hat auch keinen Einfluss auf die in der freien Onlineenzyklopädie abrufbaren Inhalte. Der Verein ist vielmehr ein gemeinnütziger Verein zur Förderung freien Wissens, der lediglich über die Anwendung der Wikipedia aufklärt und unter Wikipedia.de eine Suchmaschine für die Inhalte der Wikipedia betreibt. Betreiber der Enzyklopädie ist die in der Anbieterkennzeichnung der Enzyklopädie genannte Wikimedia Foundation, eine Stiftung in den USA.
Die Linke geht derweil vorsichtig auf Distanz zu Heilmann. "Wir kämpfen seit Jahren gegen immer wieder mal geäußerte Bestrebungen, das Internet zu zensieren, egal aus welcher Ecke sie auch kommen", erklärt Petra Pau, Mitglied des Vorstandes der Bundestagsfraktion Die Linke und Bundestags-Vizepräsidentin. Sie nennt das Wikipedia-Prinzip einen großen und demokratischen Fortschritt, da es "dort keinen Oberzensor gibt und keine Chefredaktion, die eine politische Linie vorgeben kann".
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