Test: Nintendo DSi - spielen, Musik hören und sicher surfen

Gegenüber dem Vorgänger, dem Nintendo DS lite , ändert sich für Spieler zunächst nicht viel. Der Nintendo DSi spielt, wie die anderen Geräte der Nintendo-DS-Familie, DS-Module ab. DS-Spiele laufen auf dem DSi problemlos. Bei spezieller DSi-Software hingegen soll es einen Regionalcode geben, der das Abspielen von Spielen aus anderen Ländern verhindert.
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| Video: Nintendo DSi - Test (4:58) |
Unser Importgerät war in der Lage, deutsche DS-Module zu starten. Nintendos neues Gerät erlaubt im Unterschied zu den Vorgängern das Wechseln von Modulen im laufenden Betrieb, ein Neustart ist nicht mehr nötig. Nur zwei sehr spezielle Module liefen nicht: Ein Homebrew-Modul (Cyclo-DS) und der alte Opera-Browser für Nintendos DS . Das Homebrew-Modul wurde vom System nicht erkannt, das Opera-Modul verweigerte nach dem Start die Mitarbeit, da die Speichererweiterung fehlte.
Alte Nintendo-DS-Handhelds haben einen Gameboy-Advance-Schacht, in den die Speichererweiterung gesteckt wird, dem DSi fehlt er. Das stört aber nicht, denn für den DSi gibt es einen neuen Opera-Browser, der zudem kostenlos herunterladbar ist.
Hardware
Der fehlende Gameboy-Advance-Schacht wird wohl auch durch den DSi-Shop ausgeglichen werden, über den sich weitere Software herunterladen und installieren lässt. Wer noch eine Sammlung alter Spiele für den Gameboy Advance besitzt, hat allerdings das Nachsehen und muss beim DS lite oder einem der Vorgängermodelle bleiben.
Die Gesamtmaße des DSi wurden ebenfalls verändert. Der Nintendo DSi ist mit 19 mm etwas flacher als die Vorgänger - der Nintendo DS lite misst 21,5 mm. Dagegen wirkt die erste Version des Nintendo DS mit einer Höhe von 29,5 mm wie ein Gerät aus grauer Vorzeit. In der Breite hat der DSi mit 137,5 mm etwas zugelegt (DS lite: 132 mm, DS: 148,5 mm), was sich positiv auf die Ergonomie auswirkt. Der DSi ist minimal tiefer geworden (DSi: 75 mm, DS lite: 74 mm, DS: 85 mm). Das Gewicht hat sich kaum verändert: Der DSi wiegt vollbestückt 217 Gramm, beim DS lite sind es mit Opera-Speichermodul und DS-Modul 219 Gramm.
Die neuen Knöpfe des DSi haben einen genaueren Druckpunkt als bei den Vorgängern, das Drücken wird von einem deutlich spürbaren Klick begleitet. So spielt es sich angenehmer. Der Schieberegler für die Lautstärke wurde abgeschafft, nun gibt es einen Plus- und einem Minus-Knopf.
Die Lautsprecher haben bei Lautstärke und Tonqualität übrigens deutlich zugelegt. Der DSi übertönt in maximaler Einstellung so manches Notebook. Bässe fehlen allerdings. Die Lautsprecher des DSi klingen weit besser als die von Sonys Playstation Portable (PSP).
Der DSi wirkt äußert hochwertig gefertigt. Das liegt an der Oberfläche der schwarzen Variante: Während der DS lite mit seiner weißen Oberfläche und der transparenten Plastikschale Apples alte G3-iBooks imitierte, erinnert der DSi mit seiner rauen Oberfläche an die Thinkpads von IBM/Lenovo.
Ein Problem hat das neues Gerät vom Nintendo DS lite geerbt. Das Netzteil kann immer nur mit einer Art von Spannung umgehen: das japanische Modell nur mit einer zwischen 100 und 120 Volt. Ein einfacher Adapter reicht also nicht. Ein kleines Umspannwerk ist nötig, was die Benutzung des Spielehandhelds erschwert. Aufgrund eines neuen Steckersystems und der von 5,2 V auf 4,6 V reduzierten Eingangsspannung lässt sich das alte europäische DS-lite-Netzteil zudem nicht mehr nutzen. Die deutsche Version des DSi wird voraussichtlich nur mit Spannungen von 220 bis 240 Volt umgehen können - und zum Beispiel in den USA oder Japan nicht funktionieren. Nintendo sollte zu Netzteilen mit Wahl bei der Eingangsspannung wechseln, die Konkurrenz bietet solche an.
Netzwerkfähigkeiten
Das ist jetzt anders, denn Nintendos DSi kann auch in WPA-geschützten Netzwerken funken. Allerdings gilt das nicht für alte Spiele , diese setzen weiterhin auf WEP. Um den DSi in WPA-geschützte WLANs einzubinden, sind jedoch einige Schritte notwendig, die aufgrund der japanischen Menüführung nicht einfach zu meistern sind. Das Spielehandheld beherrscht sowohl die TKIP- als auch die AES-Verschlüsselung. Angesichts erster Ansätze, die TKIP-Verschlüsselung zu knacken , dürfte der DSi mit der AES-Option eine Weile sicher nutzbar sein. Neben den manuellen WPA-Einstellungen beherrscht das Gerät auch WiFi Protected Setup.
Abkürzungen wie WPA, TKIP, AES und WPS waren beim japanischen Testgerät in bekannten lateinischen Buchstaben im Menü zu finden. Auch ein "OK" gibt es an einigen Stellen. Der Rest ist jedoch fast komplett in japanischer Sprache gehalten. Ein Umschalten auf die deutsche oder englische Sprache ist nicht möglich. Dank der durchdachten Menüstruktur findet sich der Anwender nach einigem Experimentieren durchaus zurecht. Neben der potenziellen Regionalcodesperre und der Netzteilproblematik wäre das der dritte Grund, der gegen einen Import spricht.
Der neue Browser von Opera bietet beim Funktionsumfang kaum Unterschiede zum alten Opera-Browser für Nintendo DS (lite). Die Darstellungsqualität ist sehr gut, wobei auch CSS-Profile unterstützt werden. Dank Touchscreen geht die Eingabe schnell vonstatten. Der Browser meldet sich als Opera 9.50 (Nintendo DSi; Opera/446; U; ja). Die Renderengine ist also deutlich fortgeschrittener, als dies noch beim Opera-Modul der Fall war. Wer Genaueres über den Browser erfahren möchte, liest am besten den Test von Opera für den Nintendo DS , der noch auf Opera 8.5 basierte.
Bei der Geschwindigkeit hat der neue Browser gegenüber dem getesteten Opera-Modul deutlich zugelegt. Die Darstellung ist schneller und auch das Navigieren innerhalb der Software geht schnell von der Hand. Aus dem ersten sehr trägen Opera-Browser ist ein gut bedienbarer Betrachter für Webseiten geworden.
Multimediasoftware
Die Fotosoftware ist in ihrer Menüführung sehr verspielt. Klar für eine jüngere Zielgruppe sind die Fotofähigkeiten und die Bildmanipulationssoftware. Dank Gesichtserkennung zaubert die Software auch auf ernste Gesichter ein Lächeln. Mit diversen Werkzeugen lassen sich Bilder verzerren und bemalen. Aufgenommene Fotos können als Hintergrundbild auf den oberen Bildschirm gelegt werden.
Ähnlich verspielt ist die Musikaufnahmesoftware. Sie erlaubt die Aufnahme von Tönen, die sich anschließend in Geschwindigkeit und Klang manipulieren lassen. Auch in der Musiksoftware lassen sich die Töne bei Bedarf direkt in ein Musikstück einspielen.
Der Musikplayer kann keine MP3s abspielen, nur mit MP4s kam er zurecht, also mit AAC-kodierter Musik. Viele Anwender müssen ihre Musiksammlung da wohl umkodieren. Die Musik wird dem DSi über die SD-Karte zugespielt. Mit unserer randvollen 8-GByte-SDHC-Karte dauerte das Einlesen einige Zeit. Allerdings waren auf der Karte auch einige zehntausend Dateien untergebracht, von denen nur wenige Musikdateien waren.
Das obere Display nutzt Nintendo während des Musikabspielens für Visualisierungen, die passend zum Stück erzeugt werden. Darunter finden sich einige bekannte Bilder aus dem ersten Super Mario Bros oder Animationen, die Bäume mit Blitzschlägen versehen.
Der Nintendo DSi lässt sich unterwegs ohne Probleme als Musikabspieler nutzen. Solange ein Kopfhörer eingesteckt ist, wird die Musik auch im zugeklappten Zustand weiter abgespielt. Bis auf die Lautstärke lässt sich dann jedoch nichts bedienen. Auf den Schultertasten liegen nur diverse Instrumente, die der Nutzer rhythmisch einstreuen kann. Die Displays werden im geschlossenen Zustand natürlich abgeschaltet, was der Akkulaufzeit zugute kommen dürfte. Ohne Kopfhörer pausiert die Software die Musik, wenn das Gerät geschlossen wird.
Akkulaufzeit
In einem Dauertest kamen wir auf etwa sieben Stunden Laufzeit. Die Ladezeit des Akkus beträgt etwa drei Stunden. Der Akku ist verglichen mit dem Vorgänger etwas kleiner geworden und bietet nur noch 3 Wattstunden. Beim Nintendo DS lite sind es 3,7 Wattstunden.
Nintendos DSi kostete als Importgerät etwa 210 Euro. Ein teurer Spaß, der sich nur für Ungeduldige lohnt, die experimentierfreudig sind. Außerdem braucht es ein Netzteil, das umspannen kann. In unseren Breitengraden lässt sich der DSi sonst nicht aufladen, da es noch keine passenden europäischen Netzteile gibt. Wie es mit der Regionalcode-Sperre aussieht, war nicht testbar, da noch keine europäische DSi-Software zur Verfügung steht.
Wann das Spielehandheld in Europa oder Deutschland genau erscheint, ist noch nicht bekannt. Mit einer Veröffentlichung im Frühjahr 2009 ist zu rechnen. Wer nicht auf den Europastart des DSi warten will, findet das japanische Gerät bei asiatischen Importhändlern wie Renchi(öffnet im neuen Fenster) oder Play-Asia(öffnet im neuen Fenster) .
Fazit:
Einzig der fehlende Modulschacht für Gameboy-Advance-Spiele mag den einen oder anderen stören. Spielerisch ändert sich beim DSi nur in Details etwas, das größere Display und die besseren Tasten sind Pluspunkte. Wer noch keinen DS besitzt, kann im nächsten Jahr bedenkenlos zugreifen. Spannend bleibt, wie Nintendo die neuen Hardwarefähigkeiten nutzt, wenn die ersten DSi-Titel verfügbar sind.



