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Schleichender Marktstart für Intels Core i7

Prozessoren und Mainboards ohne Ankündigung bei Versendern. Bisher galt der 17. November 2008 als Starttermin für Intels neue Prozessorgeneration mit der neuen Architektur "Nehalem". In Deutschland hat Intel die ersten Produkte mit dieser Technik, die Serie "Core i7", noch nicht angekündigt. Dafür tauchen sie bereits als lose CPUs mit etlichen sehr teuren Mainboards bei Versandhändlern auf.
/ Nico Ernst
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Diesmal gibt es keinen festen Termin, keine Uhrzeit, zu der eine Sperrfrist für die Presse fallen würde - nicht einmal eine aktualisierte Preisliste. Typischerweise sind neue Intel-Prozessoren Sonntagskinder und um Mitternacht von Sonntag auf Montag erscheinen die Produkte in der offiziellen Preisübersicht(öffnet im neuen Fenster) . Für rund eine Stunde waren die unter intc.com abgelegten Seiten am Montagmorgen deutscher Zeit auch nicht erreichbar.

Zwar hatte Intel den 17. November 2008 nie öffentlich als Termin für den Marktstart des Core i7 genannt, die Branche orientierte sich aber an diesem Datum. Die Sperrfrist für sämtliche technische Informationen und Benchmarks sowie die Preise der Prozessoren war bereits am 3. November 2008 gefallen. Seitdem kündigen die Hersteller von Mainboards mit dem für Nehalem-Prozessoren nötigen Chipsatz X58 auch ihre Produkte an.

Prozessor Takt QPI US-Dollar
Core i7-965 3,2 GHz 6,4 GT/s 999,-
Core i7-940 2,93 GHz 4,8 GT/s 562,-
Core i7-920 2,66 GHz 4,8 GT/s 284,-


Auch bei Hardware-Versendern waren die Prozessoren bereits aufgetaucht , unbestätigten Angaben aus Foren zufolge wurden sie vereinzelt bereits verkauft. Waren zunächst nur die Boxed-Versionen mit beigelegtem Kühlkörper und Lüfter gelistet, so tauchen nun zu etwas günstigeren Preisen auch lose CPUs auf, die so genannte "Tray-Ware". Dabei handelt es sich um von PC-Herstellern und Zwischenhändlern zurück in den Handel verkaufte Prozessoren, die eigentlich für den Einbau in Fertig-PCs gedacht waren.

In den vergangenen Tagen haben die Preise für die Core-i7-Serie bei deutschen Versendern etwas nachgegeben. Das kleinste Modell 920 mit 2,66 GHz ist stellenweise deutlich unter 300 Euro zu haben, der Core i7 940 mit 2,93 GHz unter 550 Euro. Die neue Extreme-Edition, Core i7 965 mit 3,2 GHz, ist derzeit für knapp unter 1.000 Euro erhältlich - sie wird jedoch laut Angaben der Versender jetzt schon knapp. War das bisherige Spitzenmodell unter Intels Desktop-Prozessoren für PCs mit einem Sockel, der Core 2 Extreme QX9770 mit 3,2 GHz, in der vergangenen Woche vereinzelt noch unter 900 Euro zu haben, so haben die Preise für dieses Produkt wieder angezogen. Die CPU ist inzwischen nicht mehr unter 1.200 Euro zu haben.

Dass dieser alleine betrachtet langsamere Prozessor teurer ist als der Core i7 965 dürfte auch daran liegen, dass Intels neue High-End-CPUs neue Mainboards mit dem Chipsatz X58 samt DDR3-Speicher und einen neuen Prozessorkühler erfordern. Zwar sind X58-Boards von allen großen Mainboard-Herstellern wie Asus, Gigabyte und MSI inzwischen verfügbar. Die Preise liegen jedoch noch deutlich über den bisher erwarteten und für High-End-Boards üblichen 200 Euro: X58-Mainboards sind bisher nicht unter 250 Euro zu haben. Auch Intels eigenes Produkt, das "X58SO (Smackover)" liegt in diesem Rahmen, ist jedoch mit nur vier Speicherslots im Vergleich zu Mainboards von Asus, Gigabyte und MSI schlechter ausgestattet.

Die hohen Preise für die X58-Boards liegen unter anderem an dem für diesen Chipsatz nötigen Design mit 8-Layer-Platinen. Dafür sind vor allem die drei Kanäle des in den Prozessor integrierten Speichercontrollers verantwortlich. Da die Boards ohnehin schon sehr komplex sind, haben Asus, Gigabyte und MSI auf ihren Geräten gleich sechs Steckplätze für DDR3-Module verbaut. Mit 2-GByte-Riegeln kommt man so auf 12 GByte Arbeitsspeicher, was im Vergleich mit Komplettsystemen dieser Klasse günstige Workstations ermöglicht.

Intel Deutschland bestätigte gegenüber Golem.de, dass für den 17. November 2008 nach bisherigem Stand keine Preissenkungen bei Prozessoren vorgesehen sind. Die Core-i7-CPUs sollen jedoch bald in die offizielle Preisliste aufgenommen werden. Laut inoffizieller Preislisten, die Mitte Oktober 2008 bei VR-Zone(öffnet im neuen Fenster) aufgetaucht sind, soll die nächste Preisrunde bereits am 30. November 2008 folgen. Ob dann auch die bisherigen Spitzenmodelle der Serie Core 2 billiger werden, geht daraus noch nicht hervor.

In den USA haben einem Bericht des Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) zufolge große PC-Hersteller wie Dell und die Gaming-Schmiede Falcon Northwest erste Rechner mit dem Core i7 auf den Markt gebracht. Auch Intels Marketing-Chef Sean Maloney zeigte sich gegenüber der Zeitung zuversichtlich, die neuen Plattformen in Zeiten einer Wirtschaftskrise an den Mann zu bringen: "Man erholt sich von einer Rezession mit den Produkten von morgen, nicht mit denen von heute" sagte er dem Wall Street Journal.


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