Ehemalige Jump-and-Run-Helden müssen in die Werkstatt. Irgendwann sind selbst Bären zu alt fürs Hüpfen: Banjo & Kazooie, Helden von mehreren großartigen Jump and Runs, sagen in "Schraube locker" ihrem angestammten Genre Lebewohl. Statt knifflige Geschicklichkeitspassagen zu meistern, müssen die beiden nun Fahrzeuge zusammenbasteln.
Seit ihren Abenteuern auf dem Nintendo 64 waren Bär Banjo und sein gefiederter Begleiter Kazooie Garanten für abwechslungsreiche und liebevolle Jump-and-Run-Abenteuer. Deshalb wird "Schraube locker" bei vielen Fans zunächst für lange Gesichter sorgen - Entwickler Rare hat dafür einen komplett anderen Weg eingeschlagen. Zwar legt Banjo noch Wege zu Fuß zurück, die böse Gruntilda ist ebenso mit dabei wie viele andere alte Bekannte, sammelbare Gegenstände und Sounds. Der Kern des Spiels dreht sich allerdings um Transportmittel - Flugzeuge, Boote, Autos und unzählige Mischformen. Die meiste Zeit verbringt der Spieler damit, aus Einzelteilen wie Rädern und Karosserien neue Vehikel zu erschaffen. Das Basteln hat einen Grund: Im Spiel warten kleinere Aufgaben, für die der Spieler genau das passende Fahrzeug erschaffen muss.
Zwar variieren die Ziele, das Prinzip ist aber immer dasselbe: Innerhalb eines Zeitlimits muss der Spieler ein Rennen gewinnen oder eine Aufgabe lösen; jede Mission ist nur wenige Minuten lang. Mal soll er mit einem Rennwagen die Konkurrenz abhängen, dann gilt es, eine Statue vor feindlichen Angriffen zu schützen, sich an Hindernissen vorbei durch die Luft zu bewegen oder nach einem Sprung von einer Schanze möglichst platziert zu landen.
Wie er die Aufgabe löst, bleibt dem Spieler überlassen. Da meist mehrere Wege zum Ziel führen, ist das Herumprobieren eine der Stärken des Titels. Ebenfalls gelungen ist die Bedienung: Obwohl sich die über 100 Objekte wie Motoren, Karosserien, Sitze, Flügel und vieles mehr beliebig zusammenstecken lassen, gestaltet sich das Ganze immer recht einfach. Die eigentliche Schwierigkeit liegt darin, tatsächlich etwas Vernünftiges zu erschaffen. In der Praxis sind oft die Fahrzeuge, in die Spieler die meiste Zeit investiert haben, dann die, die am schlechtesten funktionieren.
Die größte Schwierigkeit ist meist, die Physik korrekt vorherzusehen - für einen leichtgewichtigen Gleiter ist ein PS-Motormonster zu viel des Guten. Manche Karts kippen um, sobald zu viel Gewicht auf der einen Seite der Achse liegt, andere scheitern wegen Übergewicht an einem steilen Anstieg. Die meisten Spieler werden also viel Zeit mit dem Feintuning und dem wiederholten Überarbeiten ihrer selbst erschaffenen Gefährte verbringen - zumal der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben im späteren Verlauf erheblich ansteigt.
Die Präsentation überzeugt, wie von Rare gewohnt, mit viel Witz und Liebe zum Detail; humorvolle Anspielungen auf andere Rare-Titel und die Videospielbranche im allgemeinen erfreuen ebenso wie das abgedrehte Charakter-Design. Dennoch krankt "Schraube locker" am zusammenhanglosen Spielablauf. Während früher unterhaltsame Storysequenzen für ein durchgängig fesselndes Spielerlebnis gesorgt haben, trägt das Ganze jetzt Minispiel-Charakter und taugt eher für ein paar Minuten zwischendurch. Immerhin fesselt der Multiplayer-Teil zumindest versierte Spieler: Hier hat auf Dauer nur eine Chance, wer wirklich viel Zeit und Geschick in seine Kisten steckt.
Banjo-Kazooie: Schrauber locker erscheint exklusiv für die Xbox360 und kostet etwa 50 Euro. Die USK hat das Programm für Spieler ab 6 Jahren freigegeben.
Fazit: Wer auf eine Neuauflage vergangener Plattform-Glanzleistungen gehofft hatte wird enttäuscht: "Schraube locker" tanzt aus der Reihe und kann weder inhaltlich noch in Sachen Atmosphäre und Langzeitmotivation mit früheren Titeln rund um den sympathischen Bären mithalten. Für das ungewöhnliche und trotz vielfältiger Möglichkeiten sehr zugänglich umgesetzte Baukasten-Prinzip gebührt Rare zweifellos Anerkennung. In die Riege der zahlreichen Hits des Entwicklerteams kann sich das Spiel trotzdem nicht einreihen.