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Spieletest: Fußball Manager 09 - ein überlasteter Teamchef?

Neuer Fußball Manager verschreckt Einsteiger mit Optionsvielfalt. Hoffenheim an der Tabellenspitze, Werder Bremen in der unteren Hälfte – früher gab es das nur am PC. Jetzt ist das zwar auch in der Wirklichkeit möglich, trotzdem gibt es gute Gründe für den Kauf von EAs neuem Fußball Manager.
/ Thorsten Wiesner
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Wer am Fußball Manager 09 Gefallen finden will, muss Zahlen und Daten mögen. Viele Zahlen und Daten, denn das Spiel erschlägt auch erfahrene PC-Trainer von Beginn an förmlich mit Statistiken und Auswertungen. Zunächst gilt es allerdings, die umfangreichen Starteinstellungen vorzunehmen: Sollen nur die ersten drei deutschen Ligen betrachtet werden, oder darf auch der Rest Europas eine Rolle spielen? Gibt es Teams, die in keinem Fall unterstützt würden? Wer ist der eigene Lieblingsspieler? Soll dem virtuellen Manager-Alter-Ego ein hochgeladenes Foto verpasst werden? Wie viele Sprachen gehören zum eigenen Wortschatz?

Danach geht es in die Saisonvorbereitung. Bevor ein Ball rollt, sind unzählige Vorentscheidungen zu treffen: Saisonziele müssen festgelegt, Trainingsmethoden bestimmt, Sponsorenverhandlungen geführt und Merchandising-Optionen abgewogen werden. Auch der Transfermarkt ist wichtig, und wer die eigenen Schlüsselspieler nicht von Anfang an gut behandelt, muss mit bei den Herrschaften mit einem Motivationsabfall rechnen. Auch direkt nach Abpfiff hat jede Entscheidung Konsequenzen: Wer im Pressegespräch zu unsicher wirkt, muss sich nicht wundern, wenn die Berichterstattung in den Medien entsprechend kritisch ausfällt.

Die Optionen sind so unerschöpflich wie nie zuvor. Aufstellung und Spielweise durfte der Coach bereits in früheren Versionen festlegen. Jetzt ist es auch möglich, jeder Position noch detailliertere und genauere Befehle für den Spielablauf mitzugeben. Auch sonst hat der Teammanager rund um die Uhr alle Hände voll zu tun: Er muss noch entschieden, ob er das finnische Supertalent verpflichten möchte, da warten schon erste Hiobsbotschaften vom Mannschaftsarzt auf schnelle Reaktionen.

Was für erfahrene Manager wie der Himmel auf Erden klingen mag, überfordert Einsteiger zu Beginn. Zwar sind mehrere Schwierigkeitsgrade auswählbar, aber welche Entscheidung welche Auswirkungen hat, ergibt sich häufig erst durch Probieren und Verlieren. Da wäre ein echtes Tutorial wünschenswert gewesen. Immerhin stehen dem Spieler unzählige Scouts und Helfer zur Seite: Wer will, delegiert einzelne Bereiche an Berater und Experten und vertraut auf deren Wissen, so dass nur die Bereiche aktiv zu managen sind, um die sich der Spieler wirklich kümmern möchte.

Electronic Arts hat wie in den Vorjahren einiges dafür getan, dem Spiel einen realistischen Anstrich zu verpassen. So sind nicht nur alle bekannten Teams und Spieler enthalten, sondern auch mit passenden Stärken und Schwächen in gleich mehreren Kategorien gelistet. Einen dicken Patzer leistet sich der Fußball Manager allerdings ausgerechnet dann, wenn die Statistiken ad acta gelegt sind und das Spiel angepfiffen ist: Wer am jeweiligen Spieltag die 3D-Partie auswählt, freut sich zwar zunächst über eine schicke, die aktuelle FIFA-Engine nutzende Darstellung, entdeckt danach aber einen Bug nach dem anderen. So landen die Bälle oft im Niemandsland, Spieler gehen nicht nachvollziehbare Laufwege und der Kommentator scheint ständig ein anderes Spiel zu sehen. Da wird bei einem Pass im Mittelfeld von einer großen Chance gesprochen, oder es folgen zwei gegensätzliche Aussagen hintereinander. Der überarbeitete Textmodus beziehungsweise der Live-Ticker stellen die zwar optisch weniger spektakuläre, spielerisch aber deutlich bessere Variante dar.

Auch sonst trüben einige Bugs das Gesamtbild: Das Spiel stürzt unvermittelt ab, Partien werden nach dem vorzeitigen Abbruch unnachvollziehbar gewertet oder die Statistiken nach den Partien weisen falsche Ergebnisse auf. Wie schon beim Vorgänger wird hier mit Patches nachgebessert werden müssen, bis der Ball wirklich rund läuft.

Der Fußball Manager 09 ist nur für Windows-PC erhältlich. Als minimale Systemanforderungen nennt EA eine CPU mit 2,8 GHz, 2 GByte RAM und 3,5 GByte Festplattenspeicher. Das Spiel kostet etwa 50 Euro. Der immer wieder angekündigte Onlinemodus fehlt: Wer mit Freunden spielen will, muss sie vor den heimischen Monitor laden. EA verwendet das Kopierschutzsystem Securom. Die USK hat den Titel ohne Altersbeschränkung freigegeben.

Fazit:
Im Vergleich zum Vorjahr hat Electronic Arts den Fußball Manager spürbar aufgewertet: Mehr Statistiken und Einstellmöglichkeiten freuen den Fußballverrückten, die überarbeitete und übersichtlichere Menüstruktur weiß zu gefallen. Schade nur, dass Bugs im 3D-Modus, der Kommentator und einige Logikfehler den Spielspaß in diesem Manager-Titel trüben.


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