Actionspiel um einen einsamen Helden im All. "Taktische Zerstückelung: Trenne die Gliedmaßen der Aliens mit mächtigen Waffen ab" - so wirbt Electronic Arts auf der Packungsrückseite von Dead Space . Derart martialisches Vorgehen ist auch nötig, denn das Actionspiel schickt Heerscharen von Horrorfiguren auf den einsamen Spieler los, der in einem blutgetränkten Raumschiff zurechtkommen muss.
Wenn ein Techniker gerufen wird, weil etwas mit der Funkverbindung oder dem Kommunikationssystem nicht stimmt, findet er normalerweise ein paar durchgeschmorte Kabel. Isaac Clarke ergeht es anders: Zwar soll er als Ingenieur nur schnell überprüfen, warum das Raumschiff USG Ishimura sich schon länger nicht mehr gemeldet hat. Aber statt kaputter Schaltkreise stößt er auf Leichen, Blut und Horror. Im Actionspiel Dead Space von Electronic Arts steuert der Spieler den in dicke Rüstungen eingehüllten Clarke durch die engen Gänge der Ishimura, um nach den Ursachen der Katastrophe zu forschen - und um sein Leben und das einiger Begleiter zu retten.
Sein Alter Ego sieht der Spieler in Dead Space von hinten, allerdings läuft und kämpft Isaac Clarke nicht in der Mitte des Monitors, sondern am linken Rand. Das fühlt sich ein paar Minuten nach dem Start so lang an, als sei der Bildausschnitt verrutscht, zumal kein Menü Orientierung bietet. Die Gesundheit von Clarke erkennt der Spieler anhand von leuchtenden Markierungen entlang der Wirbelsäule an seinem Kampfanzug. Kommunikations-, Missions- und Inventarmenü präsentiert das Programm als Holographie direkt in der Welt. Und statt eines Kompasses zeigt auf Knopfdruck eine blaue Markierung am Boden, wo der gerade aktuelle Einsatz hinführt - trotz der engen und verschachtelten Raumschiffgänge ist es quasi unmöglich, sich an Bord der Ishimura zu verlaufen.
Die Handlung von Dead Space verläuft mitsamt ihren Einsätzen komplett linear. Es gibt immer ein klares Ziel - wobei die Aufträge meist darauf hinauslaufen, irgendwelche austauschbaren Gegenstände zu finden. Die Handlung erzählt das Spiel in kurzen Zwischensequenzen, außerdem bekommt der Spieler per Hologramm-Monitor Anweisungen und Bitten von Überlebenden. Zusätzlich findet er Texte sowie Audio- und Videodateien, in denen Mitglieder der Ishimura-Crew von ihren Erlebnissen erzählen.
Deutlich spannender ist der Weg zu den Einsatzzielen, denn die Gänge der Ishimura stecken voller hässlicher Überraschungen. Immer wieder brechen Mutantenmonster mit riesigen Armen aus Wandverkleidungen hervor, stürzen sich grässlich entstellte Kreaturen auf den Spieler und versuchen, ihm den Garaus zu machen.
Anfangs wehrt sich Isaac vor allem mit seinem Cutter - also einem Werkzeug, das eigentlich zum Zertrennen von Gegenständen gedacht ist und über drei dünne Energiestrahlen verfügt, angeordnet zu einer Reihe. Das hat seinen Sinn, denn die feindlichen Wesen in Dead Space halten direkten, frontalen Beschuss relativ lange aus. Wer allerdings gezielt die Arme oder Beine der Mutanten absäbelt, kann die Biester auf Distanz halten und sie so ohne größere Probleme erledigen. Besonders gut funktioniert das, wenn der Spieler mit der per Tastendruck verfügbaren Stase-Fähigkeit ein Monster in eine Art Zeitlupenmodus versetzt, in dem sich Gliedmaßen besonders bequem abtrennen lassen.
Mit dem Cutter kommt der Spieler lange gut zurecht, allerdings erhält er im Handlungsverlauf Zugriff auf sechs weitere Waffen - etwa ein ähnlich funktionierendes Impulsgewehr sowie einen Flammenwerfer. Und falls die Munition verbraucht ist, kann der Spieler seine Gegner mit Schlägen ausschalten. Überhaupt: Weil die Biester manchmal nur scheinbar tot sind, empfiehlt sich grundsätzlich ein per Leertaste ausführbarer finaler Fußtritt in die Eingeweide - dank Ragdoll-Effekt und heftig spritzendem Blut ist anschließend klar, dass nichts mehr lebt. Seine Waffen- und Rüstungsfähigkeiten kann Isaac im Rahmen eines an einfache Rollenspiele erinnernden Systems an Werkbänken optimieren, etwa mit schnelleren Ladezeiten oder besserem Schutz.
Ab und an muss der Spieler kleinere Rätsel lösen. So gilt es, per Telekinese Gegenstände zu verschieben und so den Weg freizuräumen oder Brücken zu bauen. Gelegentlich muss Isaac seinen Weg in Schwerelosigkeit finden. Dabei schwebt er nicht, sondern landet wegen seiner Magnetschuhe auf festem Boden, muss aber nach Sprüngen an Decke oder Wände die räumliche Orientierung behalten. Der Spielstand lässt sich auf Konsole wie am PC nur an bestimmten Speicherstellen sichern; wer einen Kampf verliert, darf allerdings meist ohne lange Ladezeiten direkt davor den Faden wieder aufnehmen.
Dead Space kostet auf Xbox 360 und Playstation 3 rund 70 Euro, die PC-Fassung ist für etwa 50 zu haben. Sie benötigt einen Rechner mit mindestens einer 2,8-GHz-CPU, 1 GByte RAM unter Windows XP und 2 GByte RAM unter Vista, sowie 12,9 GByte Festplattenspeicher. Die Grafikkarte muss über mindestens 64 MByte RAM verfügen und DirectX 9 unterstützen. Inhaltlich gibt es keine, grafisch nur marginale Unterschiede zwischen den Versionen.
Die in Deutschland veröffentlichte Version von Dead Space enthält keine Schnitte, die eingedeutschte Sprachausgabe ist hervorragend gelungen. Die USK hat das Programm mit der Alterskennzeichnung "keine Jugendfreigabe" freigegeben. Wie alle aktuellen PC-Spiele von EA verwendet Dead Space den Kopierschutz Securom in der Variante mit Onlineaktivierung, dafür läuft das Spiel ohne DVD im Laufwerk.
Fazit: Was für Geräusche sind das? Schreit da jemand hinter der Tür? Verdammt, woher kommt dieser Schatten? Und warum hat noch kein Monster angegriffen, obwohl ich hier in Leichenbergen stehe? Dead Space beherrscht das Spiel mit Horror-, Schock- und Spannungsmomenten meisterlich - wer da einfach cool durchmarschiert, muss über das Gemüt einer Kaffeekanne verfügen. Und auch die Handlung schafft es vom Start weg, den Spieler mit überraschenden Wendungen und einem gelungenen Finale bei der Stange zu halten. Der Rest stimmt ebenfalls: Das Kampfsystem ist sehr durchdacht, die Bedienung geht trotz innovativer Elemente nach kurzer Eingewöhnung flott von der Hand.
"Mitarbeiter des Monats" bei EA Deutschland dürfte übrigens derjenige werden, der das Programm trotz seiner exzessiven Gewaltinhalte durch die Freigabe bei der USK gebracht hat. Denn in Dead Space wird, anders als von EA vermittelt, nicht nur gelegentlich mal "taktisch" zerstückelt. Ohne regelmäßiges, gezieltes Abtrennen von Körperteilen an menschenähnlichen Wesen geht schlicht nichts - andere Programme, siehe Fallout 3, kommen längst nicht so ungeschoren davon. Frech übrigens, dass EA ausgerechnet das Zerstückel-Feature auf der Packung in der jugendlichen "Du"-Form anpreist. Wie auch immer: Erwachsene Spieler können bedenkenlos in den Blutrausch verfallen.