Der Computer weiß, was wir tun
Grundlage für Ritters Prozessmodell war ein Test mit zehn Studenten der Universität im britischen Nottingham. Sie mussten sich den Aufbau eines Schaltkreises merken und Fehler darin erkennen. Jeder Proband musste diesen Test 20-mal durchführen. Dabei wurden ihre Entscheidungen und Reaktionszeiten aufgezeichnet und mit den Resultaten des Computermodells verglichen.
Wie die Studenten lernte das Computermodell mit jedem Test, den es absolvierte, und entwickelte dabei das nötige Wissen, um die Aufgabe schnell und effizient zu lösen. An Hand seiner eigenen Lernfortschritte berechnet das Modell mit dem Namen Diag voraus, wie Menschen lernen. Das Programm ist in der Sprache Soar geschrieben, die dafür geschaffen wurde, menschliches Wissen abzubilden.
Im Durchschnitt brauchte das Programm zwei bis vier Sekunden, um zu prognostizieren, wie lange eine menschliche Testperson brauchen wird, um den Fehler im Schaltkreis zu finden, und lag damit in acht von zehn Fällen richtig. "Das Modell sagt nicht nur genau die Zeit voraus, die die menschlichen Probanden brauchen, um das Problem zu lösen. Es reproduziert auch die Strategie, die diese anwenden, und es lernt genauso schnell wie die Menschen" , sagte Ritter. Das Projekt zeige, so Ritter weiter, dass es möglich sei, menschliche Lernprozesse sehr genau vorherzusagen. "Jeder glaubt, das sei möglich, aber hier ist ein Modell, das das kann."