Spieletest: Midnight Club 4 - der Rennfahrer-Bruder von GTA
Neues Midnight Club versetzt Spieler nach Kalifornien. Mit frei befahrbaren Städten und detaillierten Tuningoptionen konnte sich die Midnight-Club-Reihe gegen Platzhirsche wie Need For Speed und Burnout behaupten. Jetzt schickt Rockstar den kleinen Gaspedal-Bruder von Grand Theft Auto (GTA) nach Los Angeles – mit bekannten Stärken und ein paar frischen Einfällen.
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Wie sich die Spieleschicksale ähneln... In GTA 4 verschlägt es Nico Bellic nach Liberty City, wo er sich viel Reichtum und ein bisschen Ruhm verdient. Auch in Midnight Club Los Angeles, ebenfalls von Rockstar Games und auf Basis der gleichen Grafikengine wie GTA produziert, kommt ein zwar namenloser, aber erfolgshungriger Gaspedalero in eine neue Stadt. Dort erfährt er sich ein bisschen Reichtum und viel Ruhm. Allerdings verschlägt es das Alter Ego hier nach Los Angeles, wo er Schritt für Schritt die wichtigen Personen der Racingszene kennenlernt und herausfordert. Noch eine Parallele zu GTA 4: Auch die Dialoge und Gespräche von Midnight Club 4 sind trotz viel Slang und Lokalkolorit nicht ins Deutsche übersetzt; immerhin stehen Untertitel zur Verfügung. Anders als in GTA gibt es in Midnight Club aber nach wie vor keine Zu-Fuß-Missionen oder Schießerein.
Midnight Club 4 spielt ausschließlich in Los Angeles. Ein Nachteil ist das nicht: Rockstar hat sich große Mühe gegeben, die Metropole originalgetreu und sehr weitläufig abzubilden. Wer selbst schon dort war, wird die berühmten Boulevards in Beverly Hills ebenso wiedererkennen wie manche Gebäude. Um den Überblick nicht zu verlieren, hilft eine Minikarte am unteren Bildschirmrand, die sich per Knopfdruck mit einem sehenswerten Zoomeffekt aufklappen lässt. Dort lassen sich Ziele – etwa neue Rennen oder eine Werkstatt – als GPS-Markierung eintragen. Die Minikarte erteilt dann mit eingeblendeten Pfeilen Richtungsanweisungen, um das gewünschte Gebiet schnellstmöglich zu erreichen.
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Wie in anderen GTA 4 beginnt die Karriere wenig glamourös: Das Startbudget in Midnight Club 4 reicht gerade mal für eine betagte Karosse, etwa einen VW Scirocco von 1980. Erst mit mehreren Rennerfolgen steigen Reputation und Haushaltskasse, so dass der Fuhrpark um Fahrzeuge von Marken wie Mercedes, VW, Chrylser oder Nissan, aber auch um Motorräder ausgebaut werden kann. Trotz leichter Zugänglichkeit und unkomplizierten Fahrverhaltens steuern sich die Vehikel übrigens spürbar unterschiedlich.
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Es geht nicht nur darum, mehr Fahrzeuge zu erwerben – sondern auch, aus den erworbenen Autos das Bestmögliche herauszuholen. Die Tuningoptionen sind sehr umfangreich. Praktisch jedes Detail, von der Felge bis hin zur Karosseriebemalung, kann der Spieler in vielen Variationen neu auswählen. Wer wenig Lust auf ausufernde Sitzungen in der Garage hat, kann auch auf automatische Updates zurückgreifen, bringt sich damit aber um einen Großteil des Spielreizes.
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Die Rennen folgen bekannten Schemata. Neben Duellen gibt es Platzierungsrasereien in größerer Gruppe, Transportaufträge, Wettkämpfe unter Zeitlimit sowie Miniaufgaben, in denen der Spieler möglichst wenig Schaden am eigenen Gefährt verursachen darf. Die verfügbaren Herausforderungen werden allesamt auf der Übersichtskarte markiert, unterschiedliche Farben zeigen den Schwierigkeitsgrad. Ist ein Kontrahent im Straßenverkehr ausfindig gemacht, genügt ein simples Betätigen der Lichthupe, schon startet der Wettkampf. Hier liegt einer der Hauptvorzüge von Midnight Club LA: Es ist die Entscheidung des Spielers, wann er welche der offenen Rasereien anwählt. Steht ihm nicht der Sinn nach Wettkampf, ist auch gemütliches Herumfahren in der Stadt kein Problem.
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Weil die Rennen nicht auf abgegrenzten Kursen, sondern mitten in der Metropole stattfinden, stellt der allgemeine Straßenverkehr eine echte Herausforderung dar. Rasen in der Gegenspur und sonstiges Missachten der Verkehrsregeln macht nur so lange Spaß, bis einem Sonntagsfahrer in die Karosserie donnern und aus der Topplatzierung der letzte Platz wird. Auch die Polizei toleriert nur begrenzt wilde Fahrmanöver, macht irgendwann Jagd auf den Spieler und kassiert auch mal ein Bußgeld.
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Unfälle haben zwar kaum Auswirkungen aufs Fahrverhalten, kosten aber wertvolle Zeit. Zeit, die sich allerdings durch genaue Ortskenntnis wieder hereinholen lässt: Wie in früheren Spielern der Reihe ist der direkte Weg nicht immer der schnellste. Abkürzungen durch Fußgängerzonen, über Bahngleise, durch Villengärten und Parks machen viel Spaß, bringen wertvolle Sekunden und lassen die Stadt noch glaubwürdiger wirken.
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Um auch in späteren Rennen eine Chance auf den Sieg zu haben, muss der Spieler auch kleinere Extras beachten. Fahren im Windschatten der Konkurrenz etwa lädt einen Turbo auf, der sich per Knopfdruck aktivieren lässt. Zudem kann der Spieler im Tuning-Shop nicht nur an den Autoteilen nachbessern, es gibt auch eine Handvoll Spezialfähigkeiten, mit denen er dann auch schwere Crashs ohne Schaden übersteht oder in engen Kurven bei Zeitlupendarstellung genauer überholt.
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Technisch präsentiert sich das neue Midnight Club gelungen, wenn auch nicht atemberaubend: Los Angeles sieht gut aus, die neuen Tag- und Nachtwechsel sind schön umgesetzt. Stellenweise wären ein paar Details mehr und ein paar Pop-ups weniger schön – aber die optischen Schäden an den Boliden sind gut umgesetzt und das Geschwindigkeitsgefühl stimmt. Auch der Onlinemodus ist weitestgehend stimmig und verzögerungsfrei.
Midnight Club: Los Angeles ist für Xbox 360 und Playstation 3 erhältlich. Der Titel hat eine USK-Freigabe ab sechs Jahren erhalten und kostet rund 60 Euro.
Fazit: Midnight Club Los Angeles bleibt den Stärken der Reihe treu: Die frei befahrbare "Stadt der Engel" ist äußerst lebendig gestaltet und lässt dem Spieler unzählige Freiheiten. Besonders im Tuningmenü bleiben keine Wünsche mehr offen. Echte Neuerungen gibt es allerdings nicht. Das Spielgefühl erinnert stark an die Vorgänger, womit dank der gebotenen Qualität aber auch erfahrene Street Racer bestens leben können. Fans von GTA 4, denen vor allem die offene Metropole und die wilden Autofahrten gefallen haben, können ebenfalls ruhig fremdfahren.