Test: Xperia X1 von Sony Ericsson mit Panel-Bedienung
Entwicklerwerkzeuge stehen kostenlos bereit, damit Drittanbieter Panels für das Xperia X1 entwickeln können. Im Unterschied zu regulären Applikationen für Windows Mobile können diese Panels derzeit nur mit dem Xperia X1 verwendet werden, so dass mancher Entwickler überlegen wird, ob es sich lohnt, in die Entwicklung von Panels Zeit und Geld zu investieren.
Zwischen den Panels wechselt der Nutzer auf zwei verschiedene Arten. Entweder erscheinen die Panels in einer brettartigen Struktur, oder die Panels liegen ähnlich wie Spielkarten aufgefächert und der Anwender blättert zwischen ihnen hin und her. Das sieht nett aus, bringt aber wenig Komfortgewinn. Die Aktivierung eines Panel dauert in einigen Fällen bis zu 5 Sekunden, was in der Praxis als unangenehme Wartezeit empfunden wird.
Die Panel-Taste öffnet die Panel-Ansicht, einen Knopf für ein Standard-Panel gibt es nicht. Dadurch ist ein zügiger Aufruf eines bestimmten Panels nicht möglich, weil der Aufruf der Panel-Liste einen im Alltag lästigen Zwischenschritt darstellt. Wie die Panel-Verwaltung selbst nutzt auch das mitgelieferte Google-Panel den Internet Explorer Mobile statt Opera Mobile, was ineffizient ist. Das Google-Panel bietet ansonsten Zugriff auf die Web- sowie Bildersuche, die lokale Suche, auf den Kalender und den Web-Mailer von Google. Ein weiteres Panel stellt ein UKW-Radio mit RDS-Unterstützung zur Verfügung, das wie üblich nur funktioniert, wenn der mitgelieferte Kopfhörer angeschlossen ist, weil dieser als Antenne fungiert.
Die Panels lassen sich bequem mit dem 3 Zoll großen TFT-Touchscreen bedienen, der bei einer Auflösung von 800 x 480 Pixeln bis zu 65.536 Farben darstellt. Die Displayinhalte sind auch bei hellem Sonnenlicht gut ablesbar und aufgrund der hohen Auflösung gibt es eine sehr gute Darstellungsqualität. Besitzer eines Xperia X1 kann den Touchscreen mit dem Finger bedienen, was im Panel-Bereich ohne Probleme funktioniert. Innerhalb mancher Windows-Mobile-Applikation ist dann aber der Griff zum integrierten Stylus erforderlich, um auch kleine Bedienelemente zielsicher zu treffen. Der Stylus fällt allerdings sehr dünn aus und liegt daher nicht gut in der Hand.
Sony Ericsson hat dem Internet Explorer Mobile etwas mehr Unterstützung angedeihen lassen als Opera Mobile. Nur der Internet Explorer Mobile wurde sinnvoll an den optischen Joystick angepasst, so dass der Nutzer damit in Webseiten scrollen kann. Mit Opera Mobile kann mit dem optischen Joystick nur zwischen Links gewechselt werden, für das Scrollen in einer Webseite bleibt nur der Touchscreen.
Eine Windows-Mobile-typische Besonderheit betrifft auch das Xperia X1. Sobald mehrere Applikationen im Hintergrund laufen, reagiert das Mobiltelefon träger und langsamer. Dann muss der Anwender immer wieder Wartezeit in Kauf nehmen, bis eine Applikation aufgerufen ist. Hier hilft es, alle laufenden Applikationen zu schließen, was seit Windows Mobile 6.1 mit einem einfachen Klick möglich ist.
So verfügt die Minitastatur nur über vier Tastenreihen, es bleibt kein Platz für einen eigenständigen Zahlenbereich. Hier bieten andere Smartphones mit Ausziehtastaturen, die fünf Tastenreihen haben, deutlich mehr Komfort. An den Zahlenbereich gelangt der Nutzer auf dem Xperia X1, nachdem er eine Umschalttaste betätigt hat. Und nur auf der linken Tastaturseite gibt es eine Shifttaste, was unpraktisch ist, weil das beidhändige Schreiben damit weniger komfortabel ist. Außerdem gibt es keine Pfeiltasten, um den Textcursor an eine andere Position zu bewegen. Der Anwender muss seine Finger von der Tastatur nehmen und den Textcursor mittels Touchscreen oder 5-Wege-Navigator steuern.
Noch schwieriger wird das Erkennen der Tastenbeschriftung, wenn die automatische Belichtung deaktiviert ist. Dann werden die Tasten permanent beleuchtet und bei normalem Tageslicht sind die Beschriftungen nur noch mit Mühe zu erkennen. In dunkler Umgebung funktioniert die Tastenbeleuchtung hingegen gut, allerdings fällt auf, dass die Tasten ungleichmäßig ausgeleuchtet sind, denn die obere Tastenreihe ist heller als der übrige Bereich.
Das Xperia X1 verfügt nicht über einen Lagesensor, so dass die meisten Applikationen im Hochformat erscheinen, wenn die Tastatur verdeckt ist. Ausnahme ist der Videoplayer und die Kamerasoftware. Sobald die Tastatur ausgefahren ist, zeigt das Mobiltelefon alle Inhalte im Querformat. Für das Surfen im Internet oder das Betrachten von Fotos wäre es allerdings praktisch, wenn es die Querformatsdarstellung auch ohne Ausklappen der Tastatur gäbe.
Der integrierte GPS-Empfänger mit AGPS-Unterstützung kann etwa im vorinstallierten Google Maps verwendet werden. Eine vollwertige Navigationssoftware liegt dem Gerät nicht bei. Sony Ericsson packt lediglich eine Testversion von Wayfinder dazu, die aber erst von CD installiert werden muss. Diese Software lädt Kartendaten aus dem Internet, so dass der Einsatz im Ausland schnell mit hohen Roaming-Gebühren verbunden ist. Alternativ kann eine separate Navigationssoftware mit passendem Kartenmaterial erworben werden, die dann keine Internetanbindung mehr benötigt.
Zum Lieferumfang von Windows Mobile 6.1 Professional gehören Applikationen zur Termin-, Adress- sowie Aufgabenverwaltung und ein mobiler E-Mail-Client sowie der Windows Media Player. Für das mobile Arbeiten stehen spezielle Varianten von Word, Excel sowie PowerPoint bereit und auch ein Feed-Reader ist vorhanden.
Das 110,5 x 52,6 x 17 mm messende HSDPA-Gerät beherrscht neben UMTS auch HSUPA sowie GPRS und EDGE. Es arbeitet zudem in den vier GSM-Netzen 850, 900, 1.800 sowie 1.900 MHz. Als weitere Drahtlostechniken sind WLAN 802.11b/g und Bluetooth vorhanden, dabei wird das Bluetooth-Profil A2DP unterstützt, um Stereomusik drahtlos zu übertragen. Das Mobiltelefon besitzt außerdem eine 3,5-mm-Klinkenbuchse, an die handelsübliche Kopfhörer angeschlossen werden können.
Sony Ericsson bietet das Xperia X1 zum Preis von 699 Euro ohne Vertrag an.
Fazit
Das hochwertig verarbeitete Xperia X1 erfüllt die typischen Aufgaben eines Windows-Mobile-Smartphones gut. Die Panel-Bedienung ist ein pfiffiger neuer Ansatz, aber viel mehr Komfort oder eine höhere Effizienz in der Gerätebedienung erhält der Käufer damit nicht. Die Wartezeit zur Panel-Aktivierung stört. Hier sollte Sony Ericsson nachbessern. Das sehr gute Display kann durch die hohe Auflösung begeistern. Die im Vergleich zur hohen Auflösung geringe Displaygröße sorgt dafür, dass eine Fingerbedienung auf dem Touchscreen nicht immer möglich ist und der zu dünne Stylus bemüht werden muss.
Enttäuschend ist die integrierte 3,2-Megapixel-Kamera, die selbst eine einfache Digitalkamera nicht ersetzen kann. Hier hat Sony Ericsson mit preiswerteren Mobiltelefonen schon Besseres gezeigt. Die langen Akkulaufzeiten begeistern hingegen, so dass der Gerätebesitzer trotz der Funktionsvielfalt nicht ständig nach einer Steckdose Ausschau halten muss.



