Spieletest: NBA Live 09 verschießt, NBA 2K9 versenkt
Der jährliche Zweikampf der Basketballsimulationen. Jahr für Jahr zeigen die Entwickler von 2K Sports mit der NBA-2K-Serie den Schöpfern von NBA Live, wie eine ordentliche Basketballsimulation auszusehen hat. In diesem Jahr versuchen beide Basketballspiele, aktualisierte Aufstellungen und Statistiken zu etablieren.
NBA Live 09: NBA Live 09 birgt die eine oder andere Innovation. Hinter dem englischen Reim NBA Live 365 steckt beispielsweise das im Vorfeld groß angekündigte System, täglich mit aktuellen Statistiken aus der NBA versorgt zu werden. Ist die Xbox 360 oder Playstation 3 mit dem Internet verbunden, kann sich der Spieler unter Umständen auf so manchen Star nicht mehr verlassen. Hat Kobe Bryant im echten Leben eine Wurfkrise, trifft auch sein digitales Pendant im Spiel nicht mehr und die LA Lakers werden leichte Beute für die Gegner.
Die Veränderungen der Statistiken heißen im Spiel Dynamic DNA und können auch manuell verändert oder an einen bestimmten Tag der Geschichte zurückgespult werden. Die Statistiken der letzten NBA Finals sind zum Beispiel schon vorinstalliert. Um NBA Live 365 zu aktivieren, liegt ein Code der Verkaufspackung bei, der registriert werden muss und an den Xbox-Live-Gamertag- oder Playstation-Network-Namen gebunden wird. Der Code gilt nur für eine Saison und ein neuer Code kostet 10 Euro.
Das DNA-Feature der täglich aktualisierten Spielerstatistiken wirkt nett, hat aber ein paar Macken. Die volle Stärke spielt es naturgemäß aus, wenn der Spieler eine komplette Saison spielt und sich dabei an den realen Terminplan hält. Die NBA-Saison beginnt aber erst am 28. Oktober, und wie gut das DNA-System von EA dann gepflegt wird, ist ungewiss. Bisher treten kleine Fehler im DNA-System auf. Lässt man Dirk Nowitzki beispielsweise oft Dreier nach einer Linksdrehung werfen, zählt das Spiel fälschlicherweise eine Rechtsdrehung zur DNA dazu. Löblich ist die Funktion, Spiele bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu simulieren und dann auf Wunsch zu Ende zu spielen. So können auch NBA-Fans mit wenig Zeitaufwand eine komplette Saison angehen und kommen in den Genuss des komplex anmutenden Dynasty-Modus. Dieser Modus versetzt den Spieler in die Rolle des Managers, Trainers und der NBA-Profis einer Mannschaft.
In NBA Live 09 lassen sich klassisch Körbe erzielen, indem einfach so lange gepasst wird, bis ein Spieler freie Sicht zum Korb hat und wirft, oder bis er alle Gegenspieler austrickst und zum Korb zieht. Alternativ kann auch das neue Pick'n'Roll-System für schnellen Korberfolg sorgen, oder der Spieler bedient sich vordefinierter Taktiken. Ist eine Taktik ausgewählt, laufen die Spielfiguren Routen ab. Ein einfacher Druck auf den A-Knopf im richtigen Moment bringt den Ball zu dem Spieler, für den die Taktik gedacht war. Ein schön anzusehender Spielzug mit Korberfolg ist der beste Moment, den Basketballfans mit NBA Live 09 erleben werden.
Die Präsentation von NBA Live 09 ist zeitgemäß und in manchen Szenen sehr hübsch anzusehen. Die NBA-Profis wirken echt, die schweißgetränkten Trikots bewegen sich authentisch und endlich läuft zumindest das eigentliche Spiel flüssig. Nur bei den verlangsamten Wiederholungen von Korberfolgen ruckelt es. Die Animationen der Spieler sind abwechslungsreich und die Stars der NBA haben ihre charakteristischen Manöver auf Lager. Dennoch wird der Spieler häufig Szenen erleben, die die Illusion, ein Basketballspiel zu erleben, zunichte machen. Dreipunktewürfe werden gewertet, obwohl der Werfer eindeutig auf der Dreipunktelinie steht, beim Zug zum Korb wechseln Spieler ruckartig in der Luft die Richtung um 90 Grad. Auch ein echtes Fastbreak ist nicht möglich, da die Verteidiger in einem Höllentempo zurück in die Verteidigung sausen können. Selbst träge Centerspieler überholen oft flinke Aufbauspieler.
NBA Live 09 ist für Xbox 360 und Playstation 3 erschienen und kostet etwa 70 Euro. Ein zusätzlicher Code für NBA Live 365 kostet circa 10 Euro. Dieses Jahr erscheint NBA Live nicht für den PC.
Fazit: NBA Live 09 ist trotz vieler Schwachpunkte das beste Basketballspiel, das EA Sports seit den schludrig programmierten Versionen von NBA Live seit 2005 herausgebracht hat. Das DNA-Feature von ständig aktuellen Spielerstatistiken ist innovativ, aber die Nutzung fehlerbehaftet. Dass NBA Live 365 zudem zeitbegrenzt und bei Wiederverkauf des Spiels kostenpflichtig wird, ist eine nervige Hürde. Die neuen, leicht zugänglichen Spielstrategien wie das Pick'n'Roll oder das Wählen des Spielzuges über den Schulterknopf sind löblich. Da aber, wie immer in NBA Live, viel zu leicht Punkte fallen, ist das gesamte Spielerlebnis wenig befriedigend und schnell ausgelutscht.
NBA 2K9: Es ist offenbar schwer, für Fortschritt zu sorgen, wenn die Konkurrenz fehlt. NBA 2K9 macht es sich deswegen einfach und verbessert das Bewährte. Wie schon in den beiden Vorjahren stimmt in NBA 2K9 das Gesamtpaket in Bezug auf den Spielverlauf. Geht der Spieler ein Match über die gesamten 48 Minuten an, werden am Ende Statistiken stehen, die vergleichbar mit einer realen Begegnung zweier NBA-Teams sind.
Großer Pluspunkt ist wieder die Präsentation von NBA 2K9. Alles wirkt wie bei einer echten TV-Übertragung. Der Sound, die Musik und der Schnitt der Einspieler sind toll gemacht. Es ist motivierend, komplexe Spielzüge auf das Parkett zu zaubern - in der Offensive wie in der Defensive. Zwischen Freiwurf, Korbleger und Auszeit zeigen kurze Sequenzen die Emotionen und Reaktionen der Spieler passend zum Spielverlauf.
Die Animationen der NBA-Stars sind flüssig, haben sich aber seit den Vorgängern nicht grundlegend verbessert. Höchst unrealistische Bewegungen kommen nur selten vor und sobald der Spieler die Bedienung inklusive der Taktikeingaben über das Digitalkreuz beherrscht, können komplexe Spielzüge abgespult werden. Leider gibt es keine Einführung, die Anfängern diese Spielweise näher bringt.
Das Gegenstück zum prominenten Feature NBA Live 365 der Konkurrenz heißt in NBA 2K9 Living Rosters. Zum Start der Saison Ende Oktober sollen die Statistiken wöchentlich aktuell gehalten werden - kostenlos. Im Vorgänger gab es nur sporadische Updates der Teamkader, teilweise mit monatlichen Pausen und mit Fehlern. Das System der Living Roster geht aber über Statistiken und Aufstellungen hinaus. So sollen selbst neue Animationen über die Saison hinweg freigeschaltet werden können.
Der komplexe Saisonmodus von NBA 2K9 heißt The Association und beherbergt die inzwischen üblichen Features. Der Spieler kümmert sich um die Finanzen, neue Spieler und die Zukunft eines ganzen Vereins. Der Modus ist mit der Internetpräsenz NBA.com synchronisiert und hat auch ein ähnliches Aussehen. Leider ist dies nicht zum Vorteil des Spiels. Die vielen Neuigkeiten, Tabellen und Statistiken rund um das Thema Basketball sind zwar interessant, aber höllisch unübersichtlich. Das richtige Fenster zum Fortschritt der Saison geht fast unter.
NBA 2K9 ist für Xbox 360 und Playstation 3 erschienen und kostet etwa 60 Euro. Zum ersten Mal ist ein NBA-2K-Spiel auch für den PC erhältlich. NBA 2K9 kostet in der PC-Version sogar nur etwa 30 Euro.
Fazit: NBA 2K9 ist die beste Basketballsimulation auf dem Markt und löst seinen Vorgänger ab. Mit den Living Rosters wurde das Nötigste getan, um auch im Bereich der aktualisierten Spielerkader auf der Höhe der Zeit zu sein. Fehlerlos ist auch NBA 2K9 nicht und 2K Sports täte gut daran, ein wenig an den Feinheiten und am Zugang des Titels zu feilen. Die Spielzugsteuerung aus NBA Live 09 würde NBA 2K9 gut zu Gesicht stehen. Auch halb ausgeführte Animationen wie Dribblings, die in der Luft abgebrochen werden, sollten langsam Geschichte sein. Aber all das sind kleine Kritikpunkte an einem großartigen Spiel. Spannender, realistischer und emotionaler geht es nur auf dem realen Basketballfeld zu.