T-Daten: Polizei beschlagnahmt Rechner bei Erotikfirma
Tobias Huch erklärte gegenüber Golem.de, er habe für den gestrigen Tag um 14 Uhr einen Termin mit dem rheinland-pfälzischen Beauftragten für den Datenschutz vereinbart gehabt. Bei einem ähnlichen Termin in der Vorwoche war laut Huch nur ein Datenträger vernichtet, nicht aber die T-Mobile-Datenbank sichergestellt worden.
Dem zweiten Termin kam die Polizei um 10 Uhr morgens zuvor, wie Huch weiter angab. Ein sofortiger Anruf beim Datenschützer ergab, dass diese Aktion mit ihm nicht abgesprochen worden war, erklärte Huch. Dabei hatten sich die Beamten zunächst in der Tür geirrt und drohten, die Haustür einer Nachbarin aufzubrechen – dabei sollte er nur als Zeuge vernommen werden. "Ich wurde aber behandelt wie ein Beschuldigter", beklagte sich Huch.
Der deutsche Unternehmer, der über mehrere Webseiten legale erotische Inhalte mit Altersprüfung anbietet – und durch Klagen gegen ausländische Anbieter in die Schlagzeilen geriet -, besitzt eigenen Angaben zufolge seit 2006 von T-Mobile gestohlene Kundendaten. Dies habe er, wie Huch in einem Interview mit der taz(öffnet im neuen Fenster) erklärte, T-Mobile auch sofort mitgeteilt. Zwei Jahre lang sei dann aber nichts weiter passiert, T-Mobile habe ihn lediglich gebeten, die Daten sicher zu verwahren. Auch die Staatsanwaltschaft Köln war laut Huch über den Vorgang informiert.
Der Kommunikationskonzern und die Behörden interessierten sich erst wieder für die bei Huch gelagerte Datenbank, als der Diebstahl der Informationen durch einen Bericht des Spiegel(öffnet im neuen Fenster) einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Beim gestrigen Besuch der Strafverfolger beschlagnahmten die Beamten, so Huch, mehrere PCs, darunter auch zwei private Rechner. "Ich fühle mich wie ein medialer Krüppel und kommuniziere mit meiner Firma von zu Hause aus per Telefon und Fax", gibt der Erotikunternehmer als Ergebnis an.
Nach der Durchsuchung habe die Staatsanwaltschaft ihn und seine Mitarbeiter dreieinhalb Stunden lang vernommen. Dabei habe er den Ermittlern aber nur sagen können, "was die Staatsanwaltschaft Köln schon seit zwei Jahren weiß". Inzwischen ist für das Verfahren durch den Sitz der Telekom die Staatsanwaltschaft Bonn zuständig.
Bei der Vernehmung hätten sich die Beamten laut Huch besonders für die Herkunft der Daten interessiert. Den Namen des Österreichers, von denen Huch sie erhalten haben will, habe er dabei auch genannt, sagte Huch Golem.de. Daneben wollten die Ermittler auch wissen, wie der Spiegel an die Daten gekommen sei.
Das hätten die Beamten aber auch im Spiegel vom 6. Oktober 2008 auf Seite 72 nachlesen können: "Denn die Daten, auf die Huch Zugriff hatte und in die auch der Spiegel Einblick nehmen konnte, stammen ganz offenbar aus den Rechenzentren der Telekom-Handy-Tochter T-Mobile", ist dort zu lesen. Demnach war es also die bei Huch auf Wunsch von T-Mobile gelagerte Datenbank, die den Skandal auslöste.
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