OOXML-Spezifikation im Internet aufgetaucht
Die bei Boycott Novell veröffentlichte, 5.560 Seiten umfassende Spezifikation(öffnet im neuen Fenster) soll die abschließende Fassung der OOXML-Spezifikation sein. Die ISO selbst hat die Spezifikationen noch nicht freigegeben, auch wenn seit August 2008 der Weg dafür frei ist. Der OOXML-Standard wurde bereits im April 2008 verabschiedet.
Kritiker haben sich die Spezifikationen bereits angesehen(öffnet im neuen Fenster). Und dabei unter anderem festgestellt, dass auch OOXML den Jahr-1900-Fehler aus Excel(öffnet im neuen Fenster) implementiert – um die Kompatibilität sicherzustellen. Das Jahr 1900 wird dadurch fälschlicherweise als Schaltjahr behandelt.
Weiterhin stören sie sich an dem in der Spezifikation aufgeführten Ziel: OOXML soll demnach in vielen Werkzeugen und Plattformen implementiert werden können und die Interoperabilität zwischen Bürosoftware sicherstellen und auch die Archivierung unterstützen. All dies soll so geschehen, dass die volle Kompatibilität zum Großteil der Microsoft-Office-Produkte gewährleistet ist.
Dass in den Spezifikationen Apple, Barclays Capital, BP, The British Library, Essilor, Intel, Microsoft, NextPage, Novell, Statoil, Toshiba und der United States Library of Congress gedankt wird, soll nach Meinung der Kritiker für Kartellbeschwerden genutzt werden können.
Der ISO-Mitarbeiter Alex Brown bezeichnet die Veröffentlichung in seinem Blog als Urheberrechtsverletzung(öffnet im neuen Fenster). Die ISO-Anwälte in Genf freuten sich bereits darauf, so Brown.
Laut Groklaw laufen innerhalb der ISO gerade Diskussionen darüber, wie das OOXML-Konkurrenzformat OpenDocument (ODF) weiter gepflegt wird(öffnet im neuen Fenster). ODF ist seit 2006 ein ISO-Standard. Nun wird versucht, die Pflege von OOXML und ODF zu synchronisieren. Das SC34-Komitee, das für OOXML zuständig ist, soll sich dann auch um ODF kümmern. Die bisher für ODF zuständige Organisation OASIS soll bereits ein entsprechendes Schreiben erhalten haben, um die Betreuung des Formates abzutreten.
OOXML wurde im April 2008 zum internationalen Standard erklärt, nachdem es in einer ersten Abstimmungsrunde im Jahr 2007 nicht die nötigen Stimmen bekam. Der Standardisierungsprozess sorgte jedoch für Aufsehen, da es verschiedene Berichte über Unregelmäßigkeiten in den nationalen Gremien gab. Außerdem wurde OOXML im sogenannten Fast-Track-Verfahren behandelt. Die dabei zur Verfügung stehende Zeit wurde angesichts der über 6.000 Seiten langen Spezifikationen von vielen nicht als ausreichend angesehen.
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