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Mark Zuckerberg - der ewige Student

Facebook-Gründer und -Chef will StudiVZ angreifen. Mit dem sozialen Netzwerk Facebook ist Mark Zuckerberg in Deutschland nicht erfolgreich. Zum Start einer neuen Marketing-Kampagne ist er nach Berlin gereist – und attackiert die deutsche Nummer eins StudiVZ.
/ Jens Ihlenfeld
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Die Blicke der Eintretenden irrlichtern umher im Hörsaal C130 der TU Berlin. Ist er schon da? Nein. Oder doch? Ist nicht der klein gewachsene, blasse Typ...? Ja, da vorn steht er tatsächlich, unauffällig, wie alle sagen. Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook. Ohne die Badelatschen allerdings, die zu seinem ikonographischen Markenzeichen geworden sind.

Angereist ist er zum Start einer neuen Marketing-Kampagne, es ist einer seiner höchst seltenen öffentlichen Auftritte. Doch wenig mitreißend ist sein Vortrag und ohne großartige neue Informationen. Er stellt Facebook vor, sein Unternehmen, das aktivste Social Network der Welt mit über 110 Millionen aktiven Nutzern. Und er tut dies vor Menschen, die über Facebook von dem Termin erfahren haben, längst Nutzer sind, all das schon kennen.

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Wer in diesem Moment dort sitzt, dem könnte ein Fehler unterlaufen, den viele machen: Mark Zuckerberg zu unterschätzen. Seine Spitzen kommen hübsch verpackt und mit Schleifen in Facebook-Blau verziert. Denn was er an Neuem verkündet, ist eine Kampagne, um mehr deutsche Studenten für seinen Dienst zu gewinnen – ein offener Angriff gegen den deutschen Marktführer StudiVZ (der wie Golem.de und das Handelsblatt zur Verlagsgruppe Holtzbrinck gehört). 100 Studenten in Berlin und 100 in München sollen sich darin messen, welche Gruppe mehr neue Facebook-Nutzer gewinnen kann. Eine Idee, die StudiVZ groß gemacht hat: Menschliche Ansprechpartner sorgen mit prophetischem Eifer für virale Verbreitung.

Damit beginnt ein Zangenangriff auf StudiVZ. Denn jüngst reichte Facebook auch noch eine Klage gegen das deutsche Gegenstück ein. Vorwurf: StudiVZ habe das Layout des US-Vorbildes geklaut. "Wir mussten das machen um unsere Rechte zu sichern" , rechtfertigt sich Zuckerberg auf Nachfrage: "Unser Ziel ist es aber, die Sache aus der Welt zu räumen um friedlich miteinander auszukommen."

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Er erntet ein Schmunzeln: Auch viele Studenten haben aus den Medien vernommen, dass Facebook StudiVZ gerne kaufen würde. Derzeit ist die Marktlage eindeutig: StudiVZ und seine Ableger SchülerVZ und MeinVZ kommen auf über 10 Millionen Nutzer – Facebook zählt in Deutschland 1,2 Millionen.

Kaum eine Miene verzieht "Zuck", wie ihn viele nennen, während seines Vortrags. Lacht er, dann nur kurz. Schnell rutscht seine Miene wieder zurück in jenen emotionslosen Ausdruck, der offen lässt, ob er von Kälte oder Unsicherheit zeugt.

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Was diesen Mark Zuckerberg wirklich antreibt, das ist auch Business-Week-Autorin Sarah Lacy weiter ein Rätsel, obwohl sie eine der wenigen Journalisten ist, die den 23-Jährigen mehrfach traf. Das erste Interview sei eines der merkwürdigsten gewesen, das sie je geführt habe: "Zuck konnte nicht einfach Fragen beantworten oder eine Konversation führen. Dauernd spekulierte er, warum ich etwas fragte. Wenn er eine Frage nicht für relevant hielt, beantwortete er sie einfach nicht." Sie glaubt: "Er freundet sich nur mit Menschen an, die er für schlauer hält, als sich selbst. Ansonsten hält er Freundschaften für Zeitverschwendung." Kein Wunder, dass er nur selten Interviews gibt: Auch in Berlin schirmte ihn die PR-Abteilung bemüht ab.

Diese Uneinschätzbarkeit und seine raren öffentlichen Auftritte, seine Unlust, sich bei den Web-Branchen-Treffs sehen zu lassen, öffnen Tür und Tor für Anekdoten. Geschichten über Zuckerberg gibt es im Silicon Valley reichlich. Zum Beispiel, dass er in seiner Jugend das Strategiespiel "Risiko" liebte – und es auf Latein übersetzte, um es in seiner Lieblingsfremdsprache spielen zu können. Oder dass es, als seine Freundin von der Ostküste nach Kalifornien kam, harte Verhandlungen darüber gab, wie oft sie sich sehen. Zusammenziehen war für Zuckerberg keine Option.

Es spielt bei diesen Geschichtchen wohl auch Neid eine Rolle. Neid auf jemand, der es wie kaum ein zweiter versteht, die Community seines Unternehmens zu erreichen und zu lenken. Zwei Mal schon führte er Facebook aus Revolten der Nutzer gegen neue Funktionen heraus. Gerade steht die dritte an: Das neue Design gefällt vielen nicht, die Gruppe "Ich hasse das neue Facebook" zählt schon 1,5 Millionen Mitglieder.

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Diese Nähe gerade zu Studenten ist kein Wunder. Noch immer hat auch das Unternehmen Facebook, gegründet in Zuckerbergs Wohnheimzimmer, studentische Züge. "Bei uns sieht es aus wie in einem Studentenwohnheim" , sagt ein Mitarbeiter.

Legendär im Silicon Valley sind die Hackathon-Nächte. Jeder Mitarbeiter mit Ausnahme von Zuckerberg kann sie ausrufen. Dann arbeiten alle Programmierer die ganze Nacht bei Fast Food und Red Bull an einem Problem. Bedingung: Es muss cool sein. Am Morgen folgt ein gemeinsames Frühstückt – alle Termine für den Tag werden abgesagt.

Wie lange lässt sich solch eine Kultur aufrechterhalten in einem Unternehmen, das rapide wächst, 110 Millionen aktive Nutzer weltweit hat und in diesem Jahr über 300 Millionen US-Dollar einnehmen wird? Allein jeder dritte Kanadier ist Mitglied, gar jeder zweite Chilene. Und wie lange kann das gut gehen mit einem Chef, der so ungewöhnlich ist wie Mark Zuckerberg?

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Es gehört wohl zu den Qualitäten des 23-Jährigen, dass er um seine eigenen Unzulänglichkeiten weiß – und sich deshalb Menschen sucht, die seine Schwächen ausgleichen. Sean Parker war der erste: Gründer der Musiktauschbörse Napster, bei seiner zweiten Gründung Plaxe wegen Unzuverlässigkeit gefeuert, ein böser Bube des Silicon Valley. Und ein Außenseiter, wie Zuckerberg.

Von ihm lernte der Facebook-Chef den selbstbewussten Umgang mit Geldgebern. Parker sorgte dafür, dass Accel Partners bei Facebook einstieg – und Zuckerberg trotzdem drei von fünf Sitzen im Verwaltungsrat kontrollieren konnte. Auch weiterhin halten Zuckerberg und die Mitarbeiter die Mehrheit am Unternehmen – trotz gewichtiger Investoren wie Accel und Greylock Partner.

Parker stellte ihm Peter Thiel vor. Der Investor, der immer bewusst gegen den Trend geht, wird Zuckerbergs zweiter Ratgeber. Auch er eine Art Außenseiter. Thiel unterstützt Zuckerberg, als dieser im Jahr 2006 ein Kaufangebot von Yahoo über 750 Millionen US-Dollar ablehnt. Ein Jahr später leistet sich Microsoft nur magere 1,6 Prozent am Netzwerk – und bewertet die gesamte Firma mit 15 Milliarden US-Dollar.

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Was bringt einen damals 21-Jährigen dazu, eine solch irrwitzige Summe auszuschlagen? So recht kann das niemand sagen. Mancher hält ihn für egomanisch und berichtet von Wutausbrüchen im Alltagsleben. Andere glauben ihm, wenn er von seinem großen Traum spricht: "Ich habe immer geglaubt, dass die Welt besser wird, wenn Menschen mehr voneinander wissen." Deshalb auch führt er gern all die Kampagnen an, die Nutzer organisiert haben: In Ecuador führten über Facebook organisierte Demonstrationen gar zur Freilassung von 40 Geiseln der linksgerichteten Farc-Rebellen.

Die Zahlen und Geschichten werden eben immer schwindelerregender, geht es um Facebook. Manche sehen die Plattform mit ihrer offenen Struktur bereits als Betriebssystem für das persönliche Onlineleben. Das rasante Wachstum in geordnete Bahnen bringen soll nun Ratgeberin Nummer drei: Im Frühjahr übernahm Sheryl Sandberg, zuvor Vizepräsidentin bei Google, den COO-Posten bei Facebook.

Mit ihr drehte der Wind im Unternehmen. "Viele sind unglücklich mit Sheryls Art" , sagt ein Mitarbeiter. Es sei kühler geworden in der Zentrale in Palo Alto, geschäftsmäßiger. Seit Wochen gibt es deshalb hochkarätige Abgänge, vergangene Woche verabschiedete sich sogar Dustin Moskowitz , der seit der Stunde null mit dabei war. Er will ein eigenes Unternehmen gründen.

Doch davon redet an der Berliner TU niemand. Nach einer Stunde Vortrag gibt es für die 110 Anwesenden Cola und Saft aus Plastikbechern, dazu Chips und Salzstangen. Und hier, im Kreis von Studenten und Webszene, wirkt Mark Zuckerberg mit einem Mal gelöst, plaudert locker mit jedem, lässt sich fotografieren. Dann tippt ihn seine PR-Frau auf die Schulter: Es geht weiter, zum nächsten Termin. So ist es halt, das Leben eines Firmenchefs – auch wenn dieser es sich vielleicht anders wünschen würde. [ von Thomas Knüwer, Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) ]


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