Skype gibt Tom Online Schuld an Abhörskandal in China
Skype, der Anbieter von VoIP- und Instant-Messaging-Software, macht seinen chinesischen Partner für Abhörpraktiken im Gemeinschaftsunternehmen Tom-Skype verantwortlich. Tom-Skype, ein P2P-Produkt, das Bewohnern Chinas die Kommunikation via Skype ermöglicht, zeichnet laut einem Forschungsbericht der University of Toronto alle Inhalte und Verbindungsdaten für Textchat und Sprachtelefonie seiner Nutzer auf. Diese Daten werden gespeichert und nach Schlüsselbegriffen etwa zu demokratischen Rechten und nach Kritiken an den chinesischen Machthabern durchsucht. So landen Aussagen zu aktuellen Skandalen, wie der Vergiftung von rund 13.000 Kindern durch verseuchtes Milchpulver, in China im Filter.
Die zensierten Begriffe und Passagen werden aus den Nachrichten gelöscht und Kopien der Originale gespeichert. Aufgezeichnet werden auch die IP-Adressen, Nutzernamen, Festnetznummern und die Sende- und Empfangszeiten der Anwender. Betroffen ist auch die Skype-Kommunikation ins Ausland. Die Forscher gehen davon aus, dass die Daten zur politisch motivierten Überwachung genutzt werden, konnten dies aber nicht belegen. Zudem hätten Hacker die Abhörserver von Tom Online, auf denen die Überwachungsdaten liegen, kompromittiert.
Skype-President Josh Silverman(öffnet im neuen Fenster) , der das Gemeinschaftsprodukt "Tom-Skype" nur noch "Tom" nennt, erklärt dazu, es sei allgemein bekannt, dass die chinesische Regierung seit vielen Jahren die ein- und ausgehende Kommunikation des Landes überwache. "Das betrifft tatsächlich alle Formen der Kommunikation wie E-Mail, Festnetz-, Mobiltelefonie und Instant Messaging innerhalb des Landes, vom und ins Ausland." Tom habe wie jeder andere Provider für Kommunikationsservices in China eine Verpflichtung, einvernehmlich damit zu agieren, um überhaupt ein Geschäft in dem Land betreiben zu dürfen.
"Im April 2006 hatte Skype öffentlich bekannt, dass Tom einen Textfilter betreibt, der bestimmte Wörter in Chat-Nachrichten, deren Veröffentlichung unpassend wäre, einfach verwirft, nicht anzeigt und auch nicht ermittelt" , so Silverman weiter. "Es war unser Verständnis, dass es nicht Toms Aufgabe ist, Chat-Nachrichten mit bestimmten Keywords aufzuzeichnen und zu übermitteln. Wir sind nun dabei zu untersuchen, warum Tom die Vorgehensweise geändert hat."
Auch über den Einbruch in die Server, auf denen die Abhördaten vorgehalten werden, sei Skype informiert und sehr besorgt. Auf "energisches Drängen" Skypes hin habe Tom die Sicherheitslücke behoben. Silverman betonte zudem, dass nur Nutzer der "Tom-Software" betroffen seien, nicht aber Nutzer der Standard-Skype-Software. "Skype-to-Skype Kommunikations war und ist absolut sicher und vertraulich" , sagt der Manager.
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