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Musiker wollen Musikindustrie reformieren

Interessenverband in Großbritannien gegründet. Die Kaiser Chiefs, Robbie Williams und Radiohead gehören zu einer Reihe von Musikern, die in Großbritannien den Interessenverband Featured Artists’ Coalition (FAC) gegründet haben. Die Musiker fordern mehr Mitspracherechte und wollen das Geschäft mit der Musik grundsätzlich anders gestalten.
/ Jens Ihlenfeld
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"Die Featured Artists’ Coalition setzt sich für den Schutz der Rechte von Interpreten und Musikern ein. Wir wollen erreichen, dass alle Künstler mehr Kontrolle über ihre Musik bekommen und fairer an den im digitalen Zeitalter mit ihrer Musik generierten Profiten beteiligt werden. Wir sprechen vereint mit einer Stimme, um den Künstlern zu einem besseren Vertrag mit Plattenfirmen, digitalen Händlern und anderen [...] zu verhelfen." So stellt sich auf ihrer am Wochenende offiziell eröffneten Internetpräsenz die Featured Artists’ Coalition vor(öffnet im neuen Fenster) .

Mehr als 60 bekannte und weniger bekannte Musiker wie Billy Bragg, Boilerhouse Boys, David Gilmour, Travis und White Lies haben sich zusammengetan, um Missstände in der Musikwirtschaft zu bekämpfen. Sie wollen erreichen, dass Künstler die Rechte an ihrer Musik behalten, dass Verträge zwischen Künstlern und Verwertern "fair und transparent" geschlossen werden, sowie dass Rechteinhaber den Künstlern genau darüber Rechenschaft ablegen müssen, wie deren Werke verwertet werden.

Dabei haben die Musiker genaue Vorstellungen davon, wie sie diese Ziele in der Praxis umsetzen wollen. So soll die Musikindustrie dazu gezwungen werden, die Künstler "angemessen" an jeder Verwertung ihrer Werke zu beteiligen. Die Rechte an den Werken sollen nicht länger per Vertrag, sondern nur noch per Lizenz und maximal für 35 Jahre zur Verwertung übertragen werden können. Rechteinhaber, die ein Werk nicht aktiv vermarkten, sollen nach dem Motto "nutze es oder verliere es" (englisch "use it or lose it" ) zu verstärkten Vermarktungsanstrengungen im Sinne der Musiker veranlasst werden. Das Recht zur öffentlichen Zugänglichmachung, das EU-weit auf der Grundlage der Urheberrechtsrichtlinie von 2001 eingeführt wurde, soll zu Gunsten der Musiker "monetarisiert" werden. Nicht länger geduldet werden soll eine Ausnahmebestimmung im britischen Copyright-Gesetz, das die kostenlose Verwertung von Musik für "kritische Besprechungen" gestattet.

Schließlich wollen die Musikinterpreten erreichen, dass sie ebenso wie Autoren und Komponisten behandelt werden. Das würde bedeuten, dass die urheberrechtliche Schutzfrist für musikalische Darbietungen nicht nur von 50 auf 75 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung verlängert wird, wie von der EU-Kommission geplant, sondern auf bis zu 70 Jahre nach dem Tode der Interpreten.

Der Manager der Band The Verve, Jazz Summers, erklärte zu den Forderungen der FAC: "Die Featured Artists’ Coalition ist eine Organisation von Künstlern für Künstler. Sie wird sicherstellen, dass künftig die Stimme der Künstler in Gesprächen mit Musik- und Technologieunternehmen, Handelsorganisationen und vor allem mit der Regierung deutlich zu vernehmen sein wird. [...] Die Digitaltechnologie bietet Künstlern die Gelegenheit, ihre Zukunft selbst zu kontrollieren. Jetzt ist es an der Zeit, diese Gelegenheit zu ergreifen." [von Robert A. Gehring]


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