Forscher: Tom-Skype überwacht seine Nutzer
Tom-Skype, eine P2P-Software, die Bewohnern Chinas die Kommunikation über Instant Messaging, Sprach- und Videotelefonie ermöglicht, steht seit langem im Verdacht, Abhörschnittstellen zur Regierung zu enthalten. Der Forschungsbericht Breaching Trust des Citizen Lab an der University of Toronto(öffnet im neuen Fenster) legte am 2. Oktober 2008 detaillierte Beweise dafür vor.
Ein Server ist speziell darauf ausgelegt, die Nutzung der Skype-Software in Internetcafés zu bespitzeln. Ein weiterer Server zeichnet die Daten der mobilen Tom-Skype-Services und SMS auf. Mitgeschnitten werden auch die IP-Adressen, Nutzernamen, Festnetznummern und die Sende- und Empfangszeiten der Anwender. Betroffen ist auch die Skype-Kommunikation ins Ausland. "Wir können nicht belegen, dass die Daten aktiv zur politisch motivierten Überwachung genutzt werden" , so die Forscher.
Tom-Skypes Überwachungsvorrichtungen sind offenbar Teil des gigantischen staatlichen Abhörapparats, der Golden Shield Project oder Great Firewall of China genannt wird. Die Protokolle von Skype gelten zugleich als besonders abhörsicher und werden deswegen weltweit von Bürgerrechtlern und Gewerkschaftlern genutzt.
Skype-Sprecherin Jennifer Caukin erklärte dem Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) , dass das Sicherheitsproblem als Reaktion auf den Untersuchungsbericht behoben wurde. Dass Chinas Regierung "möglicherweise die Kommunikation im Inland und ins Ausland überwacht, sollte niemanden überraschen" , sagte Caukin. "Nichtsdestotrotz sind wir wegen des aktuellen Sicherheitsproblems besorgt."
Die Tom Group erklärte, dass die Firma als "chinesisches Unternehmen dazu verpflichtet ist, die Regeln und Vorschriften in China einzuhalten" .
Mit Tom-Skype wird ein weiterer Fall bekannt, bei dem US-amerikanische Unternehmen aktiv an der Unterdrückung demokratischer Rechte in China beteiligt sind. So passte Google etwa seinen Suchindex nach den Vorgaben der chinesischen Behörden an und zeigt Seiten zu Themen wie Taiwan, Tibet, Demokratie oder Menschenrechte in China nicht an.
Andere gehen noch weiter: Yahoo etwa soll in mehreren Fällen den chinesischen Behörden Informationen zur Verfügung gestellt haben, anhand derer die Polizei Dissidenten identifiziert und verfolgt hat . Der Hardwarehersteller Cisco soll die chinesischen Behörden dabei beraten haben, wie sie die Techniken zum Netzwerkmanagement in Ciscos Routern für die Great Firewall einsetzen können. Vor einiger Zeit tauchte eine PowerPoint-Präsentation auf, die ein Cisco-Mitarbeiter 2002 vor chinesischen Beamten gehalten haben soll. Diese legt nahe, dass Cisco die Behörden bei der Einrichtung der sogenannten Great Firewall unterstützt hat.
Zu Hause ernten die Unternehmen für ihre Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden Kritik. Im Februar 2008 verklagte eine Gruppe von Exilchinesen Yahoo wegen der Kooperation mit den Behörden in China. Im Mai 2008 mussten Cisco, Google und Yahoo vor dem Unterausschuss für Menschenrechte und Gesetz des Justizausschusses des US-Senats unangenehme Fragen zu ihren Aktivitäten in China beantworten. Der Ausschussvorsitzende Dick Durbin drohte den US-Unternehmen seinerzeit sogar mit politischen Maßnahmen, sollten sie ihren moralischen Verpflichtungen im Ausland nicht nachkommen. [von Achim Sawall und Werner Pluta]
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