Test: HP 2133 Mininote - Mini-Notebook mit schwacher Via-CPU

Das Mini-Note ist klein: Es besitzt wie viele andere Mini-Notebooks einen 8,9-Zoll-Bildschirm, doch im Kern unterscheidet es sich von den Atom-betriebenen Netbooks. Das macht es besonders interessant. Statt Intels Atom-CPU mitsamt eines Intel-Chipsatzes findet sich im Mini-Note eine Via-CPU mit 1,6 GHz.

Die 26 Millionen Transistoren von Vias C7-M werden noch im 90-nm-Prozess gefertigt. Zum Vergleich: Intels Atom hat 45 Millionen Transistoren, die im 45-nm-Prozess gefertigt werden. Vias C7-M steht außerdem eine Chipsatzgrafik von S3 zur Verfügung, Vias Chrome IGP 9. Unser Testgerät von HP kam mit 2 GByte Arbeitsspeicher, einem 6-Zellen-Akku und vorinstalliertem Windows Vista Business auf einer 120-GByte-Festplatte (5.400 U/min) in der Redaktion an. Rund 10 GByte von der Festplatte werden von HP für eine Recovery-Partition benutzt. Eine Linux-Version, die bei der Hardware etwas abgespeckt wurde, gibt es beim Hersteller auch. Die Preise für HPs Mini-Note liegen zwischen 380 und 580 Euro.
Konstruktion
Das Gerät unterscheidet sich deutlich von der Atom-basierten Konkurrenz. Trotz 8,9-Zoll-Bildschirm verbaut HP eine äußerst angenehme und breite Tastatur, die nur wenige Kompromisse eingeht. Die Tasten sind 17 mm breit und 15 mm hoch, die rechte Umschalttaste ist sehr breit und auch Umlaute und Satzzeichen sind nicht verkleinert worden. Nur wenige selten genutzte Tasten wie zum Beispiel die für die spitzen Klammern wurden verkleinert und sind dann 12 mm bis 14 mm breit. Vielschreiber fühlen sich auf der 26 cm breiten Tastatur auf Anhieb wohl.
Direkt über dem Touchpad ist eine leicht tiefersitzende und etwas schwergängige Taste angebracht, die dieses abschaltet und dann orange leuchtet. Versehentlich lässt sich die Taste nicht drücken. Bei abgeschaltetem Touchpad funktionieren auch die dazugehörigen seitlichen Tasten nicht mehr.
Mattes Spiegeldisplay
So bekommt der Anwender des Mini-Note nur die schlechten Seiten beider Displaytechniken. Es fehlt an den kräftigen Farben, die Spiegeldisplays normalerweise bieten und die Spiegelungen sind so stark, dass an einen Außeneinsatz kaum zu denken ist. Dazu kommt die leicht unruhig wirkende Oberfläche bei hellen Farben. Ein Problem, das auch einige andere matte Displays haben.
Multimedia und Schnittstellen
Das Mini-Note hat nur zwei USB-Anschlüsse. Das kann durchaus eng werden, wenn zum Beispiel ein externes Laufwerk, USB-Stick und eine externe Maus gleichzeitig genutzt werden müssen. Dank Bluetooth 2.0 lässt sich zumindest Letztere auch drahtlos anbinden, auch wenn das Angebot guter Bluetooth-Mäuse eher zu wünschen übrig lässt. Die meisten Mäuse, die drahtlos arbeiten, nutzen Empfänger, die einen USB-Anschluss benötigen.
Zum Anschluss eines Bildschirms steht eine VGA-Buchse zur Verfügung. Der VGA-Ausgang lieferte auch bei 1.280 x 1.024 Pixeln noch ein annehmbares Bild und wirkte verglichen mit dem VGA-Ausgang des Dell Inspiron Mini 910 nur ein wenig unschärfer. Es lässt sich auf jeden Fall noch damit arbeiten.
Die Verbindung mit der Außenwelt stellt das Notebook nicht nur mit der Fast-Ethernet-Netzwerkkarte her, sondern alternativ auch per Bluetooth oder WLAN. Letzteres funkt auch nach dem 802.11n-Entwurf und erkennt WLAN-Access-Points, die im 5-GHz-Band senden und empfangen.
Empfindlicher Festplattenschutz
Immerhin signalisiert die Festplattenleuchte neben allgemeinen Aktivitäten - unter Windows Vista arbeitet die Festplatte sehr häufig - auch den geparkten Zustand. Dann wird aus dem weißen Licht ein oranges und der Anwender muss warten, bis die Festplatte wieder bereit ist, sofern eine Anwendung diese dringend braucht. Im Test kam es dabei einmal sogar zum Absturz des Festplattenschutzes, so dass das Gerät neu gestartet werden musste. Der Festplattenschutz lässt sich glücklicherweise aber auch deaktivieren.
Benchmarks und heiße CPU
Die Benchmarks dürften den an Intels Atom gewöhnten Nutzer erschrecken. Wer dachte, Atom-CPUs seien langsam, der hat Vias C7 noch nicht gesehen. Bei derselben Taktfrequenz schaffte das Mini-Note teils nur ein Drittel der Leistung eines typischen Atom-Netbooks. Auch die Chipsatzgrafik ist sehr langsam.
Die anderen Werte sind dagegen akzeptabel. Die Festplatte liest zwischen 34 und 65 MByte/s aus, SDHC-Karten werden im Schnitt mit 17,5 MByte und schnelle USB-Sticks mit 19,5 MByte/s ausgelesen. Hier gibt es allerdings deutlich bessere Werte im Atom-Lager. Der USB-Stick schafft normalerweise mehr als 30 MByte/s, doch in der Praxis stören andere Schwächen deutlich mehr.
Notebook mit Via CPU in der Praxis
Immerhin kann Vias C7-M mit unserem neuen Videoplayer , der sich derzeit in der Betaphase befindet, besser umgehen. Aber auch hier bleiben Ruckler nicht aus. An die HD-Versionen ist natürlich nicht zu denken, dafür geht das Flash-Plug-in zu verschwenderisch mit der Rechenleistung um. HD-Videos im VLC-Player lassen sich ebenfalls nur selten abspielen. Der Open-Source-Kurzfilm Big Buck Bunny lief zwar, allerdings kommt das Notebook gerade am Anfang nicht mit dem Video zurecht.
Wer mit dem Mini-Notebook spielen möchte, braucht sich auch bei Klassikern wenig Hoffnung zu machen. Warcraft III erreichte schon bei kleinen Karten und wenig Aktivität kaum 15 FPS (Auflösung: 1.024 x 768) und brach bei ersten Kämpfen in einstellige Werte ein.
Akkulaufzeit und Gewicht
Die schwache und viel Leistung aufnehmende CPU fordert allerdings auch hier ihren Tribut. Das Anschauen von Videos verringert die Akkulaufzeit sehr viel deutlicher als dies etwa bei einem Atom-Netbook der Fall ist.
Geladen wird der Akku in 1:45 Stunden. Einen fast vollen Ladestand zeigt eine LED am Netzteilanschluss durch ein blaues Licht an, das erlischt, sobald der Akku komplett gefüllt ist. Ist der Akku noch unter 90 Prozent, leuchtet die LED orange. Alternativ können auch vier LEDs am Akku auf Knopfdruck den Ladestand anzeigen.
Durch das hohe Gesamtgewicht ist auch der Akku in bestimmten Situationen sehr unangenehm. Wer das Notebook auf dem Schoß hat und nur kurze Hosen trägt, wird den Sechs-Zellen-Akku schnell spüren. Die Kanten sind nicht abgerundet und drücken so auf die Beine, was nach einiger Zeit schmerzhaft sein kann. Im Sommer ist das Gerät aufgrund des schlechten Displays, der Hitzeentwicklung und des kantigen Akkus gleich mehrfach ungeeignet.
HPs 2133 Mini-Note ist bereits verfügbar. Die kleinste Version mit Linux, 3-Zellen-Akku, 512 MByte RAM und 1,2-GHz-CPU gibt es ab etwa 380 Euro. Die getestete Version mit Windows Vista Business, 1,6 GHz C7-M, 2 GByte RAM sowie 6-Zellen-Akku kostet etwa 580 Euro.
Fazit:
Würde in dem HP Mini-Note nicht die sehr langsame C7-M-CPU von Via stecken, wäre das Notebook eine tolle Anschaffung. Die Fertigung ist hervorragend, die Tastatur zusammen mit dem Touchpad besser als bei jedem anderen Netbook. Dank des hochaufgelösten Bildschirms und der guten Lautsprecher lässt sich das Gerät auch in der Freizeit gut nutzen. Die Freude wird allerdings durch die Rechenwerke getrübt. So empfiehlt sich HPs Mini-Note nur, wenn tatsächlich kaum Rechenleistung benötigt wird, etwa als reiner Schreibmaschinenersatz. Im Internet meidet der Anwender eines Mini-Notes lieber alles, was mit Flash zu tun hat. Alle anderen hoffen auf einen Nachfolger, der vielleicht mit Vias Nano ausgestattet sein wird.



