Test: PlayTV - Videorekorder für die Playstation 3
Dafür stecken in der Box zwei DVB-T-Tuner, die zudem HD-fähig sein sollen – mangels DVB-T-Signal in HD ließ sich das aber nicht überprüfen. Mit einem der beiden Tuner kann der Nutzer Sendungen aufnehmen, während er mit dem anderen Fernsehen schaut. Das alles geschieht mit einer Software, die, verglichen mit der Menüführung traditioneller Videorekorder, sehr komfortabel arbeitet.
Das Testmuster, das uns Sony zur Verfügung stellte, wurde mit einer Vorversion der PlayTV-Software ausgeliefert, die sich nicht aktualisieren ließ. Sony war bis zuletzt nicht in der Lage, eine aktuellere Version bereitzustellen. Bis auf die Updatefunktion arbeitete die Software aber korrekt und im Rahmen dessen, was angekündigt wurde.
Video: PlayTV – Tutorial(2:44) |
Als Erstes fällt auf, dass die Software nach der Installation nur halbherzig in das Systemmenü integriert wurde. Damit der Anwender den Tuner benutzen kann, muss erst die Software gestartet werden – und das dauert recht lange. Müssen Einstellungen der Playstation verändert werden oder soll ein Spiel gespielt werden, wird die Software beendet, statt im Hintergrund aktiv zu bleiben.
Als reinen Ersatz für einen Fernsehempfänger eignet sich PlayTV also nur eingeschränkt. Die Sender lassen sich auch nicht wie gewohnt umsortieren, sondern nur in einer Favoritenliste speichern. Die Playstation zum Fernsehgucken ständig laufen zu lassen, dürfte nicht jedem gefallen. Der Griff zur normalen Fernbedienung des Fernsehers ist einfacher. Viele Fernseher besitzen mittlerweile ohnehin einen integrierten DVB-T-Tuner. Es bleibt also die Funktion als Videorekorder.
PlayTV ist sogar in der Lage, Sendungen aufzuzeichnen, wenn gerade ein Videospiel läuft. Der Dienst läuft im Hintergrund weiter, die PlayTV-Oberfläche wird beendet. Auch wenn die Playstation 3 ausgeschaltet ist, funktionieren zeitgesteuerte Aufnahmen. Die Konsole wacht wie geplant auf, nimmt eine Sendung auf und schaltet sich wieder ab. Nur die PlayTV-Oberfläche wird also jeweils beendet. Das Setzen zeitgesteuerter Aufnahmen ist komfortabel über EPG (Electronic Program Guide – elektronische Programmzeitschrift) möglich, die Inhalte liefern die Sender. Deutlich mehr Infos und Wertungen enthaltende Online-EPGs lassen sich leider nicht einbinden, was ein Nachteil gegenüber Software für PCs ist. Auf Wunsch kann das VPS-Signal genutzt werden und sofern der jeweilige Sender dies ordentlich unterstützt, wird so die Aufnahmezeit besser angepasst. Es kann außerdem im Falle von kleineren Sendezeitverschiebungen mit bis zu 10 Minuten Puffer nach vorne und hinten aufgenommen werden. Sich täglich wiederholende Aufnahmen sind ebenso möglich wie wöchentliche, was für Serien relevant ist.
Pro Stunde werden rund 1,7 GByte Speicher der Festplatte mit Aufnahmen gefüllt. Die aufgenommenen Sendungen sind zunächst nur in PlayTV verfügbar, dort aber über eine Thumbnail-Ansicht leicht auffindbar. Die aufgenommenen Videos müssen herauskopiert werden, wenn der Nutzer sie auch im Systemmenü und ohne Starten der Software ansehen möchte. Ist die PlayTV-Box nicht angeschlossen, kann der Anwender auch nicht auf die Inhalte zugreifen. PlayTV startet ohne den Tuner gar nicht erst.
Klassisches Time-Shifting wird also unterstützt, von Hause aus ist es aber nicht eingeschaltet und muss aktiviert werden. Erst wenn es auf immer aktiv geschaltet ist, puffert die Playstation 3 ohne Aufforderung den jeweils laufenden Sender, solange bis zu einem anderen Sender oder ins Menü gewechselt wird. Zwei unabhängige zeitgesteuerte Aufnahmen lassen sich trotz der zwei Tuner nicht einstellen, es ist immer einer davon für Time-Shifting beim Live-Programm reserviert.
Fehler gab es bei PlayTV nur selten. In einem Fall gelang es dem Videorekorder beim Spielen von Metal Gear Solid 4 nicht, die Aufnahme zu starten. Allerdings warnt die Software, dass sie unter Last eventuell nicht richtig funktioniert. Eine Garantie, dass Aufnahmen während des Spielens gelingen, gibt es also von vornherein nicht. Werden Playstation-2-Spiele gespielt, verweigert PlayTV laut Anleitung komplett den Dienst. Die meisten neueren Konsolen können mit PS2-Titeln jedoch nichts mehr anfangen, so auch die PlayStation 3, die Golem.de zum Testen benutzt hat.
In allen anderen Fällen war die Aufnahme während des Spielens mit unserer Vorversion jedoch möglich. Außerdem aktualisierte sich der EPG erst bei mehrfachem Senderwechsel, so dass er erst nach einiger Zeit der Benutzung brauchbar wurde. Das beeinflusste auch die Suchfunktion. PlayTV aktualisiert die Informationen nicht im Hintergrund – etwa durch Nutzung des zweiten Tuners – und speichert die Informationen auch nicht zwischen.
PlayTV ist ab 17. September 2008 für die Playstation 3 im Handel erhältlich und kostet 99 Euro.
Fazit:
Ob PlayTV etwas für die eigene Playstation 3 ist, hängt von vielen Faktoren ab. Ohne DVB-T-Sender in der Nähe kann der Playstation-Besitzer mit PlayTV nichts anfangen, andere Standards unterstützt die kleine Kiste nicht. Wer nur ein 40-GByte-Modell besitzt und viel aufnimmt, wird außerdem schnell an die Grenzen der Festplatte stoßen und sollte auf eine größere aufrüsten. Außerdem wirkte PlayTV noch nicht ganz ausgereift. Eine so einfache Bedienung bieten Videorekorder hingegen meist nicht. Nur Videorekorder für den PC können da mithalten. Das zum Fernsehen immer die Konsole laufen muss, dürfte einige Anwender abschrecken, weil die Playstation 3 sehr viel Leistung aufnimmt. Außerdem braucht die Software zu lange zum Starten. Wünschenswert wäre zudem eine eine Kategorisierung der Fernsehsendungen und eine Unterstützung von EPGs aus dem Internet, die mehr Daten liefern als die Sender selbst.
Video: PlayTV – Tutorial(2:44) |
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