Neues vom Herrn der Ringe - aus den Minen von Moria
Turbine-Produzent über Pläne für das Onlinerollenspiel und die kommenden Filme. Gandalf und Frodo waren schon da, jetzt dürfen auch die Onlinegefährten rein in die Höhlen von Moria – im Add-on zum Fantasy-MMORPG "Der Herr der Ringe". Golem.de hat sich mit Jeffrey Steefel, dem Executive Producer des Spiels, getroffen und Neues über die Erweiterung, aber auch über künftige Entwicklungen der Ringe-Filme und -Spiele erfahren.
Die dicken Schlagzeilen bekommen derzeit andere: Warhammer Online ist gerade erschienen, World of Warcraft schon länger erfolgreich und bald erweitert, und Age of Conan strahlt demnächst mit schöneren Effekten. Eher ruhig ist die Lage bei Der Herr der Ringe Online. Das von Turbine entwickelte Onlinerollenspiel läuft nach Einschätzung seines Publishers Codemaster weiterhin gut. Die deutsche Community aus Abonnenten ist nach der nordamerikanischen die zweitgrößte weltweit, dicht gefolgt von der in Südkorea, wo die Fantasywelt seit Sommer 2008 ihre Pforten geöffnet hat. Demnächst folgen weitere Länder.
Turbine hat sich von den Eigentümern der Tolkien-Rechte die Onlinerollenspiel-Lizenz bis ins Jahr 2014 gesichert, mit einer Option auf weitere drei Jahre. Spürbare Schwankungen bei der Zahl aktiver Spieler, von denen die Betreiber der anderen Onlinetitel hinter vorgehaltener Hand gelegentlich berichten, sobald ein Konkurrent ein neues Produkt oder ein Add-on an den Markt bringt, merkt der Spieler in Der Herr der Ringe Online angeblich wenig. Tolkien-Fans sind treu wie Hobbits.
Und dann ist da noch die Sache mit den Erweiterungen und den Filmen. Das erste kostenpflichtige Add-on für LOTRO erscheint noch in diesem Jahr unter dem Titel Die Minen von Moria. Es schickt die Spieler in die sagenumwobenen Höhlen der Zwerge.
Golem.de hat die Erweiterung gemeinsam mit Executive Producer Jeffrey Steefel bei einer Präsentation in Hamburg angespielt. Steefel erzählte, sein Team wolle künftig jedes Jahr eine derartige Kauferweiterung veröffentlichen. Auch über das Thema der kommenden Erweiterungen machte er Andeutungen: Die Entscheidung stehe noch lange nicht an, aber er finde die Reiter von Rohan spannend. Und auch wegen der kommenden Filme müsse sich sein Team Gedanken machen: Derzeit bereitet Peter Jackson gemeinsam mit Regisseur Guillermo del Toro zwei Tolkien-Streifen vor. 2011 soll Der Hobbit erscheinen und 2012 dann The White Council, der nach Informationen von Steefel die Geschichte zwischen Hobbit und der Ring-Trilogie erzählen soll. Beides gäbe durchaus Stoff für Spiele-Add-ons...
"Das hier ist die größte unterirdische Welt, die jemals für ein Onlinerollenspiel gebaut wurde, und wahrscheinlich auch die größte überhaupt in einem Rollenspiel" , sagte Jeffrey Steefel bei der Vorstellung seiner Minen von Moria. Spieler betreten Khazad-dûm, wie ihre zwergischen Schöpfer sie nennen, kurze Zeit, nachdem die Gefährten um Frodo und Gandalf sie durchquert haben. Das hat unter anderem den Vorteil, dass der mächtige Dämon Balrog schon aus dem Weg geräumt ist. Trotzdem lauert er in den Minen – als Schatten aus der Vergangenheit. In einer interaktiven Rückblende steuern Spieler für rund eine Stunde den Zwerg Nafni, der gemeinsam mit König Durin den Balrog versehentlich aus seinem Mithril-Höhlengefängnis befreit. Eine alte Diskussion unter Tolkien-Fans hat Steefel für sein Spiel übrigens entschieden: Der Balrog im Spiel hat Flügel. Und damit ihn niemand versehentlich aus den Latschen haut, hat er auch gleich eine unerschöpfliche Menge an Hitpoints: über eine halbe Million.
Die Minen teilen sich in gut ein Dutzend sehr unterschiedliche Gebiete auf. Es gibt riesige Städte und gewaltige Höhlen voller Lava, ganze Türme unter der Erde und viel Abwechslung. Sogar Berghallen mit kleinen Wäldern und Tümpeln sind in der Erweiterung enthalten. Dort ist die Decke nur als ferner Schemen zu erkennen, dafür sorgen Kristalle für überirdische Lichtverhältnisse. Auch der Stil der Häuser, Brücken, Stufen und sonstiger Bauten ist extrem vielfältig. "Die alten Zwergenwerke sind aufwendig gearbeitet, wirken aber etwas solider und roher" , erklärte Steefel. "Gebäude aus der Zeit, als die Zwerge sich gut mit den Elfen verstanden haben – also währen der Herrschaft von Durin – sind dafür viel eleganter."
Das Add-on wird die bisherige Levelobergrenze von 50 auf 60 erhöhen, entsprechend gibt es in den Minen jede Menge neue Monster – und zwar nicht nur Orks und Trolle. "Wir sind da etwas freier als über der Erde, weil Tolkien viele der Kreaturen nur recht vage beschrieben hat" , sagte Steefel. Er stellte unter anderem Bestien ohne Augen vor, einige leicht drachenhaft anmutende Geschöpfe und an die Umgebung angepasste Orks mit glimmenden Lava-Hörnern auf dem Rücken.
Um den Herausforderungen der Tiefe Herr zu werden, können Spieler in Form von zwei zusätzlichen Klassen antreten. Da ist einmal der Bewahrer – eine Art mittelstark gepanzerter Wachmann, der vor allem mit dem Speer kämpft, auch über Fernkampffähigkeiten verfügt und einigermaßen gut schleichen kann. Das andere ist der Runen-Bewahrer, eine Hybridklasse – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit einem kleinen Schieberegler kann der Spieler bestimmen, ob er gerade auf Heil- oder Zerstörfähigkeiten spezialisiert ist. Um rasch auch höherlevelige Vertreter der beiden Klassen mit im Spiel zu haben, plant Turbine, das Leveln bis dahin etwas zu beschleunigen – ähnlich wie es Blizzard bei World of Warcraft mit mehr Erfahrungspunkten für Quests und weniger hohen Anforderungen für Levelanstiege vorgemacht hat. Details dazu will Steefel in den kommenden Wochen ankündigen.
Eines der wichtigsten neue Elemente wird ein neues Gegenständesystem. Es behandelt bestimmte Schwerter, Waffen oder Rüstungsteile letztlich wie eigene Charaktere, die durch gewonnene Erfahrungspunkte im Level aufsteigen können und dann neue Fähigkeiten und Verzauberungen enthalten. "Es ist ein gigantisches System, praktisch ein Spiel im Spiel mit vielfältigsten Möglichkeiten" , sagte Steefel dazu. Jeder Spieler kann bis zu sechs solcher Gegenstände besitzen und sie mit sich wachsen lassen. Es gibt eigene Questreihen zu den Objekten, eigene Rollenspielwerte und vieles mehr.
Auch grafisch soll sich in den Minen von Moria einiges tun. Turbine hat sich vor allem das Licht- und Schattensystem vorgeknöpft und kräftig überarbeitet. In der spielbaren Betaversion war das bereits gut zu sehen, insbesondere die Lichteffekte mit den teils sehr pointierten Lichtquellen wirken überzeugend. Trotzdem soll die Engine laut Steefel keine höheren Systemanforderungen haben.