Erster Eindruck: Google-Smartphone G1 mit Minitastatur
Während die Minitastaturen bei HTC-Smartphones ausgeklappt werden, ist es beim G1 andersherum. Das Display wird weggeklappt und gibt den Zugang zu einer QWERTY-Tastatur frei. Der Öffnungsmechanismus läuft entlang einer halbkreisförmigen Schiene, was etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt, bis man die Tastatur erreicht, als wenn das Aufschieben gerade abläuft. Die Minitastatur beziehungsweise der Öffnungsmechanismus nimmt natürlich einiges an Platz in Anspruch. Das G1 misst 117,7 x 55,7 x 17,1 mm und ist damit deutlich dicker und klobiger als etwa das iPhone 3G.
Bei einer ersten Prüfung ließen sich die Tasten gut bedienen, es gibt einen klar definierten Druckpunkt und der Abstand zwischen den einzelnen Buchstaben ist groß genug, so dass man sich nicht so schnell vertippt. Der Nutzer ist also nicht nur auf eine Bildschirmtastatur angewiesen, wie es beim iPhone der Fall ist. Texte lassen sich über die Tastatur des G1 sehr bequem eingeben, so dass SMS oder E-Mails schnell getippt sind.
Beim Touchscreen hat sich das erste Android-Telefon vom iPhone inspirieren lassen, immerhin hat Apple als erster Hersteller das Gleiten auf mehrere Bildschirmseiten ermöglicht. Das Scrollen von Seite zu Seite geht ähnlich flüssig wie beim iPhone. Der Nutzer kann mit einem Fingerstrich von Seite zu Seite wechseln und dort Programme ablegen. Das G1 geht dabei noch einen Schritt weiter und erlaubt es auch, Fotos auf den Desktopseiten zu platzieren.
Standardmäßig sind auf dem G1 die vier Funktionen Telefon, Kontakte, Browser und Google Maps auf dem Startbildschirm abgelegt. Hier zeigt sich bereits, welchen Weg Google geht: dem Nutzer so viele Google-eigene Anwendungen wie nur möglich direkt an die Hand zu geben. Damit unterscheidet sich Google mit Android nicht von den anderen Smartphone-Betriebssystemen. Auch Microsoft bündelt bei Windows Mobile vor allem die eigenen Dienste und Nokia geht mit seinen Symbian-Smartphones und Ovi den gleichen Weg.
Die Google-Dominanz zeigt sich auch, wenn der Nutzer das Spezialmenü aufruft, in dem alle Applikationen gelistet sind. Speziell für Google Mail gibt es einen Client, der aber alle E-Mails direkt auf dem Server bearbeitet. Dieser Client ist mit einer Push-Funktion ausgestattet, während ein weiterer Mail-Client für den Zugriff auf Webmaildienste nur Pull-Funktionen bereitstehen. Eigenständige E-Mail-Clients liegen der Android-Plattform wohl nicht bei. Hier könnten aber bald Programmierer mit entsprechenden Produkten punkten. Im Lieferzustand ist aber die Einbindung von Firmen-Mail-Servern mit Android-Smartphones nicht möglich, so dass die Geräte erst einmal nicht für den Unternehmenseinsatz geeignet sind.
Während das iPhone nur einen Knopf aufweist, bietet das G1 deutlich mehr und verhilft damit zu einer effizienteren Bedienung. Außer über den Touchscreen kann das Gerät auch über einen Trackball bedient werden. Außerdem gibt es die eigentlich obligatorischen Knöpfe, um Telefonate anzunehmen oder abzulehnen. Zudem sind ein Home- sowie ein Zurück-Knopf und eine Taste vorhanden, die das Spezialmenü aufruft, wenn man sich im Programmstarter befindet. In Applikationen erreicht der Nutzer über diesen Knopf das Menü der entsprechenden Software, was die Bedienung komfortabel macht.
Ebenfalls gut gelöst: Mit einem Klick lässt sich der Android Market öffnen, über den zusätzliche Applikationen gekauft, geladen und installiert werden können. Funktional ähnelt der Android Market dem App Store, den es für das iPhone gibt. Im Unterschied zum Ansatz von Apple wird der Android Market aber offener sein. Es ist nicht geplant, dass eine Instanz darüber entscheidet, welche Applikation über Android Market angeboten werden darf. Beim App Store hat Apple das Recht, ohne Angabe von Gründen Programme zu entfernen, was wiederholt passiert ist.
Apropos Shop: Besonders betont hat Google den Zugriff auf den MP3-Shop von Amazon. Amazon.com bietet Angaben von T-Mobile zufolge über 6 Millionen DRM-freie MP3-Titel. Darüber kann der Nutzer online Musik kaufen. Das Herunterladen von Musik geht dann aber nur bei aktiver WLAN-Verbindung. Bei Nutzung von Mobilfunknetzen ist diese Funktion gesperrt. Dann gibt es zwar Hörproben und der Kunde kann Lieder auch kaufen, aber der Download ist nicht möglich. Da Amazons Download-Dienst hierzulande bislang nicht zur Verfügung steht, die Telekom aber selbst mit Musicload und Videoload entsprechende Onlineshops betreibt, ist zu vermuten, dass diese hierzulande genutzt werden.
Der Klang des G1 lässt allerdings zu wünschen übrig. Die Lautsprecher befinden sich auf der Rückseite des Gerätes und zumindest bei dem Demo-Modell scheppern sie erheblich. Abhilfe könnten Kopfhörer schaffen, die sich jedoch nicht über eine Standard-3,5-mm-Klinkenbuchse anstöpseln lassen. Laut Datenblatt wird das Bluetooth-Profil A2DP nicht unterstützt, so dass keine Stereomusik drahtlos übertragen werden kann.
Im G1 steckt ein GPS-Empfänger mit A-GPS-Unterstützung, um das Satellitensignal schneller orten zu können. In Google Maps ist die Straßenansicht integriert, um sich etwa Städte genauer anzusehen, ohne selbst da zu sein. Mit Rundumansichten kann der Nutzer virtuell auf einer Straße stehen und sich dort nach Belieben umschauen. Diese Funktion koppelt das G1 mit dem GPS-Empfänger und bastelt einen Kompass daraus. Je nachdem, in welche Himmelsrichtung der G1-Besitzer sein Gerät hält, wird die Straßenansicht passend ausgerichtet.
Der interne RAM-Speicher fasst 192 MByte, so dass für Musik und viele Fotos eine Speicherkarte unabdingbar ist. Während das iPhone mittlerweile mit 8 GByte oder 16 GByte Speicher zu haben ist, enttäuscht das G1 in diesem Punkt. Auf einer Micro-SD-Karte können weitere Daten abgelegt werden. Der Hersteller machte keine Angaben dazu, welche maximale Kapazität der Speicherkartensteckplatz unterstützt, der sich rechts neben der Tastatur befindet.
Das 158 Gramm wiegende G1 schafft mit einer Akkuladung eine Sprechzeit von bis zu 6,5 Stunden im GSM-Betrieb. Im UMTS-Modus verringert sich die Sprechdauer auf knapp 6 Stunden. Bis zu 16 Tage soll der Akku im Bereitschaftsmodus durchhalten. Dabei werden erfahrungsgemäß weder WLAN noch der GPS-Empfänger aktiviert, so dass der Einsatz dieser Techniken die Akkulaufzeit weiter nach unten drückt.
In Deutschland will T-Mobile das G1 erst Anfang 2009 auf den Markt bringen. Was das G1 dann hierzulande kosten wird, ist nicht bekannt. Am 22. Oktober 2008 soll das G1 in den USA zu haben sein und kostet dann bei Abschluss eines zwei Jahre laufenden Mobilfunkvertrages 179 US-Dollar. [von Yvonne Göpfert und Ingo Pakalski]



