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Test: Dell Inspiron Mini 910 - lüfterloses 8,9-Zoll-Netbook

Keine Funktionstasten, lange Laufzeit. Dell hat das Inspiron Mini 910 auf den Markt gebracht. Damit bietet auch der größte Direktanbieter ein Netbook an. Im Test von Golem.de zeigte sich das Gerät von der guten Seite. Die ungewöhnliche Tastatur und das Fehlen von Festplatte und Lüfter machen es zu einer interessanten Alternative – auch zu den größeren 10-Zoll-Netbooks.
/ Andreas Sebayang
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Auf dem deutschen Markt gibt es mittlerweile eine breite Auswahl an Netbooks. Günstige Mini-Rechner von großen und namhaften Herstellern sind allerdings kaum anzutreffen, sie haben den Trend zu den Begleitern für unterwegs verschlafen. Immerhin gibt es den Mininote von HP, der in Deutschland zur Internationalen Funkausstellung 2008 vorgestellt wurde und auf VIAs Prozessor setzt.

Der Markt für die kleinen Notebooks ist heiß umkämpft. Vorreiter Asus ist mit gut einem Dutzend Eee-PC-Modellen vertreten und will weitere in den Handel bringen. MSI und Medion sind vor allem durch das Netbook Akoya Mini E1210 aufgefallen, das für einen Ansturm auf Aldi-Filialen gesorgt hat, den es so schon lange nicht mehr gegeben hat. Acer, weltweit die Nummer 3 der PC-Hersteller, strebt, mit dem Aspire One , gleich die Weltmarktführerschaft an.

Jetzt müssen die Netbook-Hersteller also mit einem Mitbewerber rechnen, der eine große Marktmacht hat und auch bei Privatkunden bekannt ist: Dell. Um sich von der Konkurrenz abzusetzen, hat sich Dell einige Besonderheiten bei seinem 8,9-Zoll-Netbook Inspiron Mini 910 einfallen lassen. Es hat eine Tastatur mit Mut zur Lücke, eine stabile Konstruktion und eine annehmbare Akkulaufzeit.

Viel Zeit hat Dell nicht, mit seinem Netbook, das es ab etwa 400 Euro inklusive Versandkosten gib, erfolgreich zu werden, denn Hersteller wie Samsung, Toshiba, Fujitsu-Siemens und LG stehen bereits in den Startlöchern. Wir haben ein Serienmodell des Inspiron Mini 910 getestet, das uns Dell vorab zur Verfügung gestellt hat. Der Rechner kam in einer für Dell-Verhältnisse sehr sparsamen Verpackung in der Redaktion von Golem.de an.

Konstruktion und Tastatur

Das Netbook fällt kaum auf, nicht nur wegen der Grundfläche von 23 x 17 cm, der Höhe von etwa 32 mm und dem dezenten Schwarz, sondern auch wegen der fehlenden Geräuschkulisse. Das liegt daran, dass es keinen Lüfter und keine Festplatte gibt. Als Festspeicher dient eine SSD, die ohne bewegliche Teile auskommt und wenig Wärme erzeugt. Übermäßig warm wird das gesamte Gerät trotz fehlenden Lüfters nicht. Selbst während der Benchmarks war das Inspiron Mini jederzeit von unten nur handwarm. Dell selbst gibt an, dass sich der Hersteller am original Intel-Design orientiert hat. Dies sieht keinen Lüfter vor. Ein sogenanntes "inverted Motherboard Design", bei dem die Hauptplatine um 180 Grad gedreht wird, soll ebenfalls die geringe Wärmeentwicklung begünstigen.

Für die Handhabung ist das Fehlen von Lüfter und Festplatte angenehm: Die Gefahr eines ausfallenden Ventilators durch defekte Kugellager existiert nicht und dank SSD sollte das kleine Netbook auch Stürze überstehen. Das haben wir allerdings nicht ausprobiert, denn der Deckel glänzt und dürfte Kratzer nicht unbedingt verzeihen. Natürlich können bei einem Sturz auch andere Komponenten ausfallen oder gar zerbrechen. Staubige Umgebungen oder das Kinderzimmer sollten dem Netbook aber nicht viel anhaben können.

Der Deckel schließt fest, da das Gelenk etwas schwergängig ist. Eine Displayverriegelung gibt es nicht. Das Öffnen erfordert mehr Kraft als bei anderen Netbooks. Dank SSD ist es unproblematisch, wenn das Notebook beim Öffnen mal verrutscht. Die Displayrückseite drückt sich deutlich weniger durch als etwa beim MSI Wind. Insgesamt ist das Netbook stabil gebaut und macht einen wertigen Eindruck. Einzig der Deckel könnte einige Anwender stören, denn er zieht Fingerabdrücke ebenso an wie das spiegelnde Display.

Für Statusanzeigen stehen drei LEDs zur Verfügung. Eine zeigt den Status der Webcam an, eine leuchtet weiß, wenn das Netbook läuft oder den Akku auflädt. Bei eingeschaltetem Gerät ist der Ladezustand nur über eine Anzeige in Windows erkennbar, am Gerät selbst gibt es keine Information. Eine LED warnt orange blinkend vor niedrigem Akkustand, allerdings erst ab einem Wert von etwa zehn Prozent. LEDs für die Feststelltaste gibt es nicht, auf dem Desktop zeigt lediglich ein Hinweis den derzeitigen Status an, der recht schnell wieder verschwindet. Auch eine LED für die Anzeige der Speicheraktivitäten der SSD fehlt.

Tastatur mit Mut zur Lücke

Die Tastatur geht einige Kompromisse ein, was typisch für Netbooks ist. Da das Display nur 8,9 Zoll in der Diagonale misst, bleibt für eine normale Tastatur kein Platz. Zudem nimmt der Rahmen mehr Raum ein als bei anderen Mini-Rechnern. Die meisten Tasten sind 14 mm breit und hoch. Nach einer Eingewöhnungszeit tippt es sich auf der kleinen Tastatur ganz gut. An die Tastatur eines 12-Zoll-Notebooks kommt sie allerdings nicht heran. Zehn-Finger-Schreiber arbeiten mit größeren Notebooks natürlich besser. Nicht zuletzt wegen einiger Tasten, die nur 11 mm breit sind – dazu gehören einige Satzzeichen und einige Umlaute. Dell hat sich entschieden, auch die rechte Umschalttaste sehr schmal zu gestalten, sie zu treffen ist nicht einfach. Die rechte Rückstelltaste könnte auch etwas größer sein. Die Entfernen-Taste liegt bei Dells Netbook dafür in voller Breite direkt neben den Cursor-Tasten, was recht praktisch ist.

Insgesamt wirkt das Tastaturlayout durchdachter als etwa bei MSIs Wind oder Medions Akoya Mini . Dort sind zwar die Haupttasten mit 17,5 mm auch für Vielschreiber geeignet, doch einzelne Satzzeichen und die Cursor-Tasten sind nur 9 mm breit. Ein Kompromiss, der für eine breitere Umschalttaste notwendig war.

Wenn es Dell noch gelingen würde, die gesamte Breite des Netbooks für die Tastatur zu verwenden, dürfte diese mit zum Besten gehören, was es im 9-Zoll-Bereich gibt. Etwas unangenehm ist jedoch, dass einige wenige Tasten unseres Testexemplars kurzzeitig hängen bleiben, wenn sie zu fest gedrückt werden. Dies war bei der Fn-Taste und der rechten Alt-Taste der Fall. Auswirkungen auf das Tippen hat dies nicht, da die Tasten zum einen selten benutzt werden und zum anderen schnell wieder zurückfedern. Begleitet wird das Zurückfedern von einem Klickgeräusch. Die Tastatur könnte in den unteren Ecken stabiler sein, da sie dort bei festem Druck ein wenig nachgibt.

Eine weitere Auffälligkeit ist, dass es keine Reihe für Funktionstasten gibt. Braucht der Anwender die Tasten F1 bis F10, müssen sie über eine Tastenkombination aus der dritten Tastenreihe (a, s, d, f bis ö) in Verbindung mit Fn aufgerufen werden. Die Tasten F11 und F12 fehlen ganz, so dass sich darüber keine Befehle aufrufen lassen. Kompliziertere Tastenkombinationen wie etwa Shift+Alt+F9 (Prüfen von Archiven im Programm Total Commander) müssen durch Drücken der Tasten Shift, Alt, Fn und L ausgelöst werden. Dies gelingt erst nach einiger Bedenkzeit. Ein Netbook ist allerdings kaum für Arbeiten gedacht, die komplizierte Tastenkombinationen erfordern. Wer seine Anwendungen auf anderen PCs gut kennt, muss sich aber deutlich umstellen.

Die möglichen Tastenkombinationen stehen in einem Support-Dokument(öffnet im neuen Fenster) von Dell. Dieses bezieht sich jedoch auf die US-Tastatur. Fn-Tastenkombinationen für geschweifte Klammern und anderen Tasten sind beim deutschen Modell nicht notwendig, da dieses eine Alt-Gr-Taste besitzt. Den Nachteilen stehen aber auch deutliche Vorteile gegenüber, die sich beim Akku und dem Touchpad zeigen.

Großes Touchpad

Trotz des kleinen Gehäuses konnte Dell den Akku so platzieren, dass er sich einfach entfernen lässt. Auch das Trackpad nutzt den zusätzlichen Raum. Bei dem 72 x 34 mm großen Mausersatz schafft es Dell, die zwei Tasten in annehmbarer Größe unter dem Trackpad zu setzen. Das Trackpad des Medion Akoya Mini und MSI Wind U100 ist mit 50 x 28 mm deutlich kleiner, obwohl Dells Netbook kleiner ist als die beiden Konkurrenten.

Ein Teil der Trackpadfläche unten und rechts nutzt Dell zudem als Scrollbereich, der sich in der effektiven Breite von schmal über normal bis hin zu breit einstellen lässt. Der Treiber erkennt zuverlässig, wenn der Finger in den Seitenbereich fährt, so dass für Mausbewegungen die gesamte Fläche zur Verfügung steht. Das Scrollen wird ausgelöst, wenn im Seitenbereich der Finger entsprechend bewegt wird. Wer Scrollen mit dem Touchpad nicht mag, kann dies auch abschalten. Der Treiber des Touchpads entspricht denen großer Dell-Notebooks.

Auf eine Tastenwippe wie etwa bei MSIs Wind oder Medions Akoya Mini verzichtet Dell glücklicherweise. Bei den 10-Zoll-Konkurrenten ist das Drücken beider Maustasten nur schwer möglich. Werden bei dem Inspiron Mini beide Tasten gedrückt, entspricht das der mittleren Maustaste, die freies Scrollen in der Voreinstellung erlaubt. Die Tasten neigen zu einem leichten Wackeln, was gewöhnungsbedürftig ist, aber keine negativen Auswirkungen bei der Benutzung hat.

Multimedia-Komponenten
Zwei Lautsprecher sitzen unterhalb des Displays und schallen dadurch direkt in Richtung Anwender. Das müssen sie auch, denn die kleinen Lautsprecher sind leider recht leise. Der Open-Source-Film Big Buck Bunny ist selbst bei ruhiger Umgebung kaum genießbar. Wer mit dem Mini-Dell unterwegs ist, sollte also immer Kopfhörer dabeihaben. Der Klang ist für ein Netbook gut und die Sprache verständlich. Eine gute Basswiedergabe sollte der Anwender von den Lautsprechern allerdings nicht erwarten.

Über dem Display befindet sich außerdem eine 1,3-Megapixel-Kamera. Dell legt auch Software bei, die mit der Webcam genutzt werden kann. Mit dem Mikrofoneingang und angeschlossenem Mikrofon kann der Anwender Videochats führen.

Beim Aufwachen aus dem Stand-by- (S3) oder Hibernate-Modus (S4) machte die Kamerasoftware ab und zu Probleme und beschwerte sich über eine fehlende Internetverbindung. Außerdem startete der Kameramanager die Kamera manchmal kurz nach dem Booten, was er eigentlich nicht sollte. Ein Bild ist dann aber nicht zu sehen. Wer dem nicht traut, wirft die Kamerasoftware am besten aus dem Autostart. Dann startet der Rechner auch etwas schneller.

Hardwareausstattung

Dells Netbook ist für Mobilfunknetze vorbereitet. Unser Testmuster hatte jedoch keine Karte, um sich mit dem Internet zu verbinden. Ein HSDPA-Modul wird vom Anwender nicht nachrüstbar sein. Dazu fehlen nicht nur die Antennen, sondern auch der entsprechende Steckplatz auf dem Mainboard. Der Platz für die Karte bleibt also in jedem Falle leer. Ein SIM-Kartensteckplatz befindet sich zwar bereits im Gerät, allerdings sollte der Anwender nicht auf die Idee kommen, diesen Steckplatz mal eben auszuprobieren. Dahinter befindet sich bisher kein Mechanismus, der die Karte aufnehmen oder auch wieder per Feder auswerfen könnte. Wer das rechtzeitig bemerkt, kann die Karte immerhin noch herausziehen. Andernfalls muss der allzu verspielte Anwender mit dem Schraubendreher ans Gerät.

Treiber gibt es auf der Homepage für HSDPA-Karten von Dell übrigens schon. Im Laufe des Jahres will Dell das Inspiron Mini 910 mit einem integrierten Mobilfunkmodem ausliefern, wie Dell auf Nachfrage versprach. Dabei will Dell mit einem Netzbetreiber zusammenarbeiten. Mehr konnte Dell dazu noch nicht sagen. Entsprechende Hinweise gab es schon kurz nach der Ankündigung von Dells Netbook .

Wer nicht auf dieses Modell warten möchte, kann per Bluetooth das eigene Mobiltelefon als Modem nutzen oder einen UMTS-Stick per USB anschließen.

Ein klarer Pluspunkt ist die vergleichsweise große SSD von STEC(öffnet im neuen Fenster) . Von den 16 GByte sind etwas mehr als 10 GByte frei. Das dürfte für die meisten Anwendungen unterwegs reichen, auch der ein oder andere Film dürfte auf dem Gerät zu speichern sein. Das SSD-Modul produziert kaum Hitze und lässt sich aus dem Slot nehmen.

In allen anderen Bereichen ist Dells Netbook mit der Konkurrenz weitgehend vergleichbar: ein Atom-N270-Prozessor von Intel mit 1,6 GHz, 1 GByte RAM (DDR2-800, PC2-6400, vom Anwender austauschbar), ein Fast-Ethernet-Anschluss sowie drei USB-Schnittstellen. WLAN unterstützt Dells Inspiron Mini nach dem 802.11b/g-Standard. Es ist also nicht möglich, sich mit WLANs im 5-GHz-Band zu verbinden. Das Bluetooth-Modul von Broadcom beherrscht den 2.0-Standard. Arbeitsspeicher, Mini-Card-SSD (52 Pin card edge type) und WLAN-Modul sind unterhalb des Netbooks nach dem Lösen zweier Schrauben leicht zugänglich.

Helles LED-Display

Das Display mit einer Auflösung von 1.024 x 600 Pixeln eignet sich durchaus zum Anschauen von Filmen. Mit der LED-Hintergrundbeleuchtung erreicht es eine hohe Helligkeit, die sofort bereitsteht. Das Display spiegelt zwar, ist aber meist hell genug, um Spiegelungen oder Fingerabdrücke zu überstrahlen. Mit der Sonne im Rücken sollte das Gerät allerdings nicht genutzt werden, die Blendgefahr ist sehr hoch und die leichte Entspiegelung hilft nicht. Bei bewölktem Himmel lässt sich das Netbook gut im Freien nutzen. Das Display selbst bietet 16 Helligkeitsstufen.

Die Winkelabhängigkeit des Displays fällt meist nicht unangenehm auf. In manchen Situationen wäre es allerdings besser, wenn das Display weiter nach hinten geklappt werden könnte. Beim Testen mit Filmen stellte sich heraus, dass es besonders bei dunklen Szenen problematisch ist, den richtigen Winkel zu finden: Nach unten invertiert das Display die Farben schnell und nach oben verlieren die Farben deutlich an Kraft.

Beim Anschluss an ein externes Display überraschte uns das Inspiron Mini 910 während des Tests gleich zwei Mal. Beim Einstellen der Displayauflösung war es möglich, die projektorfreundliche XGA-Auflösung (1.024 x 768 Pixel) zu wählen. Damit eignet sich das Netbook auch für Präsentationen. Dazu passt auch der installierte PowerPoint-Viewer in der Version 2007. Bei einigen anderen Netbooks war dies bisher nicht möglich. Die zweite Überraschung war ein recht scharfes Bild bei einer Auflösung von 1.280 x 1.024 Pixeln. Selbst Notebooks mit Grafikkarten patzen bisweilen beim analogen Ausgang bei der Bildqualität. Nur wer genau hinschaut, sieht an einem guten Monitor leichte Unschärfen. Unser Gegenstück war ein Eizo FlexScan S1721(öffnet im neuen Fenster) . Auf einem 19-Zoll-Monitor dürften die leichten Unschärfen etwas stärker auffallen.

Windows-Installation und Softwareausstattung

Die Ersteinrichtung geht schnell vonstatten: Zunächst muss die Endbenutzerlizenz von Dell abgesegnet werden und nach etwa 5 Minuten Selbsteinrichtung des Systems steht Windows bereit.

Im Unterschied zu anderen Netbooks installiert Dell eine Reihe von zusätzlichen Anwendungen auf seinem Mini-Rechner. Dazu gehört auch Microsoft Works, der Google Desktop und eine 30-Tage-Version des McAffee-Securitycenters. Beim Browser setzt Dell auf eine veraltete Version, hier ist nur der Internet Explorer 6 installiert. Zugegebenermaßen liefert aber selbst Microsoft Windows XP mit dem Service Pack 3 nicht mit einem aktuellen Browser aus. Der Internet Explorer 7 muss also, wie einige Patches, nachinstalliert werden. Nach ein paar Neustarts ist der Windows-Rechner dann eingerichtet.

Beim ersten Start des Internet Explorers muss zunächst die Google Toolbar eingerichtet werden. Das geht zwar fix und ist nur ein Klick, allerdings ist das Fenster des Tools für den Inspiron Mini zu groß. Hier zeigt sich auch auf dem Dell-Rechner das erste Mal, dass die Displaygröße von Netbooks manchmal zu Problemen führt. Mit Toolbar, Taskleiste und anderen Schaltflächen nutzt der Internet Explorer für ein Netbook zu viel Platz für Schnickschnack.

Sonst ist die Auflösung des Netbooks eher unproblematisch, wenn die Windows-Taskleiste ausgeblendet wird und der Anwender bei Programmen die Menüs und Symbolleisten etwas aufräumt. Wer sich im Vollbildmodus im Internet bewegen will, wird allerdings die F11-Taste vermissen, die in der Regel den Browser in diesen Modus versetzt.

In der Packung finden sich Works-, Treiber- und eine Dell-Anwendungs-CD sowie eine knappe Anleitung. Eine Windows-XP-Home-ULCPC-CD liegt ebenfalls bei. ULCPC steht für Ultra Low Cost PC, das ist Microsofts besonders günstige Windows-XP-Version für Netbooks, die der Home-Edition von Windows XP entspricht. Für die Neuinstallation fehlt nur noch ein passendes Laufwerk – das bringt jedoch auch kein anderes Netbook mit.

Schneller SSD-Speicher

Der Bootvorgang dauert sehr lange, was daran liegt, dass recht viele Anwendungen gleich beim Start geladen werden müssen. Bis alles geladen war, vergingen fast 2 Minuten. Im Tray-Bereich sammeln sich ganze 15 Symbole. Der Festspeicher ist nicht für den langsamen Bootvorgang verantwortlich: Die 16 GByte große SSD von STEC schafft es, beim Lesen stolze 69 MByte pro Sekunde über die PATA-Schnittstelle zu transportieren. Das tut sie über alle Speicherbereiche. Festplatten in Netbooks sind nur im Außenbereich so schnell. Das gilt allerdings nur lesend, denn schreibend bricht die SSD bei der Geschwindigkeit enorm ein: Wir haben bei dem Transfer einer großen Datei Tiefpunkte von gerade einmal 3,3 MByte pro Sekunde gemessen, die SSD kam zudem nur selten über 5 MByte pro Sekunde. Das liegt nicht zuletzt an der Festplattenkompression, die Dell aktiviert hat.

Für den Hibernate-Modus hat dies keine Nachteile, der ist in etwa 20 Sekunden erreicht. Das Aufwachen dauert rund 17 Sekunden. Die Werte hängen jedoch stark von der Beanspruchung und der geöffneten Anwendungen des Rechners ab. Die Werte beziehen sich auf ein frisch gestartetes System. Beim Aufwachen aus dem Stand-by-Modus braucht das Gerät etwa zwei Sekunden. Da ist die Gefahr hoch, dass der Anwender zwischenzeitlich auf den Anschaltknopf drückt, was in der Standardeinstellung ein Herunterfahren direkt nach dem Aufwachen auslöst.

Der SD-Kartensteckplatz, der auch MMCs und Memory Sticks lesen kann, arbeitet wie bei den meisten anderen Netbooks schnell. Unsere 8-GByte-SDHC-Karte von Sandisk (Extreme III) konnte mit 22 MByte pro Sekunde ausgelesen werden. Um den Kartenleser vor Staub zu schützen, liefert Dell übrigens eine Leerkarte mit, die einfach in den Schacht gesteckt wird. Bei unserem Exemplar verkantete diese jedoch häufig und war nur mit Mühe wieder zu entfernen. SD-Karten oder Memory Sticks waren dafür ohne Probleme nutzbar, eine billige SD-Karte tut es also auch. Da die SD-Karte komplett versenkt wird, ragt sie nicht störend heraus. Bei einigen anderen Netbooks steht die SD-Karte leicht über. So lässt sich der Speicher der SSD ohne kantige Karten leicht erweitern. Am USB-Anschluss konnten wir im Durchschnitt 29,2 MByte pro Sekunde messen.

Benchmarks

In den Benchmarks unterscheidet sich Dells Inspiron Mini 910 kaum von den anderen Mini-Notebooks mit Atom-Prozessor: Im 3DMark 2001 kommt das Netbook auf einen Wert von 2.883 Punkten, der Super-Pi-Test mit einer Million Iterationen wird nach 95 Sekunden beendet. Der Cinebench R10 erreicht mit einem Kern der Hyperthreading-CPU 535 Punkte und beim Zweikerntest 832 Punkte. Wie auch bei anderen Netbooks lässt sich Hyperthreading nicht im BIOS abschalten.

Was den Einsatz in der Praxis angeht, gilt Ähnliches wie bei MSIs Wind : Zum Spielen von Klassikern wie Warcraft III ist die Hardware durchaus geeignet, in Flash eingebettete Videos lassen sich in niedriger Auflösung abspielen. Aber HD-Videos (720p) ließen sich auch mit dem aktuellen und sehr beliebten VLC-Player 0.9.2 meist nicht flüssig wiedergeben. Eine Ausnahme bildete der Film Big Buck Bunny , der in 720p flüssig lief. Übrigens schaltet Dells Mini-Notebook nur zwischen zwei CPU-Taktfrequenzen um: Es läuft entweder mit 800 oder 1.600 MHz. MSIs Wind U100 stufte feiner ab.

Akkulaufzeit

Der Akku ist sehr einfach zu entnehmen und sitzt trotzdem stabil. Wenn die zweite Verriegelung vom Anwender vergessen wird, hält der Akku zwar noch gut, mit ein wenig Schwung fällt er aber heraus. Er sollte also immer verriegelt werden.

Der Vier-Zellen-Akku hat eine Kapazität von 32 Wattstunden. Damit kann das Netbook 3 Stunden und 50 Minuten im normalen Betrieb genutzt werden (Helligkeit bei 50 Prozent, Bluetooth aus, WLAN an, surfen und kleinere Installationsarbeiten). Im Worst-Case-Szenario mit dauerlaufenden 3DMark 2001 SE, voller Helligkeit sowie aktiviertem WLAN und Bluetooth hält das Gerät 2 Stunden und 46 Minuten durch. Das sind genug Reserven, um einen abendfüllenden Spielfilm anzusehen. Zum Vergleich: MSIs Wind U100 kam mit einem 24-Wattstunden-Akku auf etwa die Hälfte im Worst-Case-Test. Das kleinere LED-Display, die SSD und der fehlende Lüfter wirken sich offenbar recht positiv auf die Laufzeit aus. Dabei bleibt Dells Netbook noch leicht. Mit Akku und SD-Karte wiegt es 1.055 Gramm, davon entfallen etwa 125 Gramm auf den Vier-Zellen-Akku.

Über einen Einstellungsdialog kann der Akku geschont werden. Auch mit eingestecktem Netzteil lädt das Gerät dann den Akku nicht auf. Eine sinnvolle Grenze für automatisches Nichtladen kann jedoch nicht eingestellt werden. Denkt der Anwender nicht selbst daran, die Akkuschonung zu aktivieren, lädt das Gerät den Akku auch auf, wenn er nur zu einem Prozent genutzt wurde.

Ab etwa zehn Prozent leuchtet die zweite LED in Orange auf, fängt an zu blinken und warnt so vor dem leeren Akku. Wer das übersieht, kann sich auf regelmäßiges Piepen des Rechners verlassen. Alle 15 Sekunden gibt das Netbook einen Warnton von sich – unabhängig vom Betriebssystem. Im BIOS (Version A00) lässt sich das leider (noch) nicht abschalten und auch die Lautstärkeregelung von Windows wird ignoriert. Bei einem nicht kallibrierten Akku dauert die Warnung außerdem erheblich länger, da das Netbook noch nicht den Punkt kennt, bei dem es abschalten muss. Unter Volllast piept der Rechner fast 30 Minuten, unter normalen Bedingungen deutlich länger. Ob Dell hier nachbessert, konnte der Hersteller auf Nachfrage bisher nicht beantworten.

Das Netbook braucht mit dem beiliegenden 30-Watt-Netzteil knapp zwei Stunden, um den Akku wieder aufzuladen. Das Netzteil selbst ist mit 182 Gramm recht leicht und der wichtige Teil befindet sich direkt an der Steckdose.

Verfügbarkeit

Dells Inspiron Mini 910 kann bereits bestellt werden. Die ersten Geräte sollen Ende September 2008 bei den Kunden ankommen. Es gibt allerdings Berichte von Anwendern, die das Netbook bereits erhalten haben. Der Preis für die Version mit Windows XP Home mit Service Pack 3 liegt bei 369 Euro mit einer einjährigen Garantie. Mit zwei Jahren Garantie kostet das Netbook 406 Euro. Im Laufe des Jahres soll es vom Inspiron Mini zudem andere Farbvarianten geben. Geplant sind eine Version mit rotem und eine mit weißem Deckel.

Eine Linux-Version des Inspiron Mini 910 mit Ubuntu, 8 GByte großer SSD und 0,3-Megapixel-Webcam soll noch vor Ende September 2008 folgen. Dell verspricht, dass das Linux voll nutzbar sein wird und zudem eine einfache Oberfläche (Dell-Launcher) bieten wird, die sich aber auch abschalten lässt. Fotos der Oberfläche finden sich bei Notebookreview(öffnet im neuen Fenster) , die für ihren Test ein Vorserienexemplar mit Linux zur Verfügung hatten. Kosten soll das Linux-Netbook 319 Euro.

Für alle diese Dell-Netbooks kommen allerdings noch Versandkosten in Höhe von 29 Euro hinzu.

Fazit
Dell hat sich für die Markteinführung seines Netbooks Zeit gelassen. Seit der Ankündigung von Asus' Eee-PC 701 ist ein Jahr vergangen. An dem Mini-Notebook zeigt sich, dass sich die zusätzliche Entwicklungsarbeit gelohnt hat. Dells 9-Zoll-Netbook bietet mit seiner besonderen Tastatur viel Platz für einen großen, leicht entnehmbaren Akku und ein großes Touchpad. Die 10-Zoll-Geräte von Medion, MSI oder Asus machen das nicht so gut. Auf die Funktionstasten kann der Anwender dabei in der Regel verzichten. Außerdem fühlt sich das Netbook wertig und stabil an. Dazu kommen die gute Akkulaufzeit von fast vier Stunden und das helle Display. Einzig die Spiegelungen und den schnell verschmierten Deckel dürften einige Anwender als großen Nachteil des Netbooks empfinden.

Beim Dell-Mini handelt es sich insgesamt um ein durchdachtes Netbook, das sich nicht vor den Geräten von Asus verstecken muss, die nun schon in die dritte Generation gehen.

Was jetzt noch fehlt ist ein Mobilfunkmodem, dann kann das Netbook seine Stärken richtig ausspielen, denn der Akku sollte stark genug sein, auch die stromfressenden Mobilfunkmodems annehmbar lang mit Energie zu versorgen. Schade, dass der Anwender die Mobilfunkkarte nicht selbst nachrüsten kann. Der Einbau wäre sicher nicht trivial, aber Anwendern mit etwas PC-Bastelerfahrung sollte das gelingen. Mit einem BIOS-Update sollte Dell allerdings den nervenden Warnton abstellen, der die letzten zehn Prozent der Akkukapazität begleitet.


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