Spieletest: Geheimakte 2 - Urwald statt Sibirien

Zu tun gibt es viel, schließlich steht die Weltordnung kopf: Klimakatastrophen, Wirtschaftskrisen, Bürgerkriege, dazu dann auch noch ein Mord, der praktisch vor Ninas Augen geschieht. Hinter allem scheint eine mysteriöse Bruderschaft zu stecken, die im Verborgenen ihre Fäden zieht und zudem die bald drohende Apokalypse ankündigt. Ganz so dramatisch, wie sich das zunächst anhört, spielt sich Geheimakte 2 zwar nicht, nach einem gelungenen Intro verliert die Story zunächst sogar ein wenig an Fahrt. Für genügend interessante Schauplätze und Ereignisse haben die Entwickler von Animation Arts aber auch diesmal wieder gesorgt.
Die handlungstechnischen Neuerungen sind die größte Veränderung an Geheimakte 2 – in technischer Hinsicht hat sich gegenüber dem ersten Teil nicht viel getan. Bei der Bedienung fällt das kaum störend ins Gewicht, schließlich konnte Geheimakte Tunguska dank seiner komfortablen Steuerung bei Gesprächen und dem Inventar-Handling rundum überzeugen. Intelligente Optionen wie das Anzeigen sämtlicher Hotspots auf dem Screen via Tastendruck machen kompliziertes Absuchen der Umgebung meist unnötig. Die Rätsel sind trotzdem teils knifflig – ein umfangreiches Arsenal an mitgeführten Gegenständen und lange Kombinationsketten verlangen immer mal wieder ausgiebiges Um-die-Ecke-denken. An manchen Stellen meinten es die Entwickler wohl auch etwas zu gut mit dem Rätselaufbau; manches wirkt doch arg aufgesetzt und absichtlich verkompliziert.
Belohnt wird der Spieler dafür mit zahlreichen Zwischensequenzen, einer sehr guten Sprachausgabe sowie ein paar gelungenen humoristischen Einschüben; eine Abneigung gegenüber ausufernden Textpassagen sollte man allerdings nicht mitbringen – sonst wird man versucht sein, die nicht gerade knapp gefassten Mono- und Dialoge abzubrechen. Hintergründe und Animationen sind zwar sehenswert, aber nur marginal besser als vor zwei Jahren; etwas mehr optische Aufwertung wäre schön gewesen.
Fazit:
Geheimakte Tunguska 2006 war ein herausragendes Adventure, 2008 ist Geheimakte 2 eine solide Fortsetzung – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Story, Rätseldesign und Atmosphäre sind ausnahmslos gelungen, aber im Großen und Ganzen nur auf oder leicht unter dem Niveau des Vorgängers. Trotzdem gilt: Wer anspruchsvolle Adventures mag, findet hier einen der aktuell empfehlenswertesten Titel des Genres.



