Keine Green-IT durch EU-Elektronikschrott-Regelung

Auch die Stoffverbotsrichtlinie bringt nicht den gewünschten Effekt

Zwei EU-Verordnungen, die zur Umweltfreundlichkeit der Elektronik beitragen sollten, sind relativ wirkungslos verpufft. Weder die 2003 in Kraft getretene Elektro- und Elektronikschrottrichtlinie, noch die EU-Stoffverbotsrichtlinie (RoHS) aus dem Jahr 2006 haben die Hersteller zum Umdenken gezwungen, so ein Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration.

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Kaum positive Wirkung auf die Umweltfreundlichkeit von IT-Produkten wie Computern und Bildschirmen sieht Nils Frederik Nissen, Leiter für Environmental Engineering beim Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM), durch die 2003 in Kraft getretene Elektro- und Elektronikschrottrichtlinie der EU. "Verkürzt gesagt, hat die Elektronikschrott-Richtlinie die Produkte nicht beeinflusst - es ist kein Anreiz- oder Bestrafungssystem eingebaut", kritisiert Nissen in den VDI Nachrichten.

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Auch die Stoffverbotsrichtlinie RoHS, die Grenzwerte für besonders giftige Schadstoffe wie Blei, Cadmium, sechswertiges Chrom, Quecksilber sowie polybromierte Biphenyle (PBB) und Diphenylether (PBDE) in der Elektronikfertigung festlegt, habe nicht die gewünschte Wirkung auf die Umweltverträglichkeit der Produkte erzielt, da es zu wenig Umweltexperten in den IT-Firmen gebe. "Die RoHS-Richtlinie hat enorme Redesign- und Prozessänderungen nach sich gezogen. Da die wenigen Umweltexperten der Firmen über Jahre mit diesen Gesetzen ausgelastet waren, hat es eine Zeit lang sogar weniger 'echte' neue grüne Produkte gegeben, die neue Wege beschreiten oder echte Innovationen umsetzen", so Nissen.

Für den Verbraucher gebe es kaum durchschaubare Standards und Prüfsiegel, um die Umweltverträglichkeit von IT-Waren einzuschätzen. "Da gibt es noch große Lücken. Für kundennahe Produkte wird es immer mehr Energieeffizienz-Label geben, denen eine standardisierte Berechnung zugrunde liegt. Aber für viele Produktgruppen und Infrastruktur ist die Leistungsfähigkeit kaum normierbar. Das Querschnittsthema Stand-by macht gerade große Fortschritte, aber eine weltweite Einigung auf eine Definition und gleiche Messverfahren dauert noch."

Schon zur CeBIT 2008 hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) gefordert, dass die Fertigung und Entsorgung von Produkten, die von den Herstellern als "Green-IT" angepriesen wurden, klima- und ressourcenschonend erfolgen müsse. Hier müssten die Hersteller noch deutlich nachlegen.

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An Chinas Stellung als "Weltelektronikschrottplatz" habe sich seit 2004 wenig getan, so Nissen. "Die Mengen und die Schrottbehandlung unter freiem Himmel haben sich kaum geändert. Auch wenn die chinesische Regierung wesentlich mehr auf die Umwelt setzt und zum Beispiel Recyclingzentren in China aufgebaut hat, landen die großen Massenströme nicht dort", bemängelt er. Von der Europäischen Union und Deutschland ginge viel Schrott als "'Gebrauchtware' nach China und Afrika."

Vom 7. bis 10. September 2008 läuft in Berlin der Kongress "Electronics Goes Green 2008+", bei dem das IZM Mitveranstalter ist.

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