Angetestet: Google Chrome - Betaversion des Browsers ist da


Indem die Browsertabs als einzelne Prozesse laufen, können Webseiten jedoch einen Browser nicht komplett zum Absturz bringen. Kommt ein Tab durch den Aufruf einer Webseite durcheinander, verschwindet zwar das betreffende Browsertab, die übrigen offenen Webseiten sollen aber ohne Einschränkungen weiter verwendet werden können. Den höheren Speicherverbrauch räumt Google in dem Comic zu Google Chrome(öffnet im neuen Fenster) zwar ein, spielt ihn aber als unbedeutend herunter.
Das beherrscht auch Google Chrome, allerdings muss dies erst umständlich in den Optionen aktiviert werden. Eine Abfrage beim Beenden des Browsers gibt es nicht. Wer den Browser mit mehreren offenen Tabs schließt, erhält auch keine Sicherheitsabfrage, wie es bei anderen Browsern üblich ist, damit die Software nicht versehentlich beendet wird. Zumindest aus Gründen der Speichereffizienz ist das mit Google Chrome nicht notwendig, weil jedes Tab einen eigenen Speicherbereich anlegt, der dann vom Betriebssystem wieder für andere Zwecke freigegeben wird.
In Chrome befindet sich als Besonderheit ein Taskmanager, um Webseiten ausfindig zu machen, die besonders viel Speicher oder Prozessorleistung beanspruchen und den Browser entsprechend ausbremsen. Darin werden auch aufgerufene Plug-ins samt Speicher- und Prozessorlast angezeigt, die im Taskmanager des Betriebssystems nicht einzeln aufgeführt sind.
Leeres Tab mit zahlreichen Informationen
Beim Öffnen eines neuen Tabs erscheint keine leere Webseite, sondern eine spezielle Seite mit vier Bereichen. Der größte Bereich besteht aus neun Feldern, in denen die am häufigsten aufgerufenen Webseiten gelistet sind. In einem kleineren Bereich wird auf die Webseiten hingewiesen, in denen besonders häufig gesucht wurde. Zwei weitere Bereiche zeigen die zuletzt angelegten Lesezeichen sowie die zuletzt geschlossenen Tabs, um diese bequem wieder zu erreichen. Der Ansatz erinnert an das, was der Internet Explorer 8 bringen wird. Die Webseiten können vergrößert werden, hierbei bleiben Bilder aber unberücksichtigt, so dass nur der Text größer erscheint. Hier bietet die Konkurrenz mehr.
Adresszeile Omnibox
Ergänzend dazu verspricht Google Vorschläge zu Webseiten, die noch gar nicht besucht oder abgespeichert, aber von anderen als beliebt eingestuft wurden. Hierbei verwendet Google vermutlich die Daten der Google-Suchmaschine. Vor der Adressleiste befindet sich ein Sternsymbol, um eine Webseite bequem als Lesezeichen abzulegen oder es auch wieder zu löschen. Eine ordentliche Lesezeichenverwaltung war nicht zu finden. Zudem gibt es eine Textsuche innerhalb von Webseiten, bei der wie bei der Konkurrenz die gefundenen Textstellen markiert werden.
Bei der Bedienoberfläche setzt Google offenbar vor allem auf Einfachheit und bietet nur wenige Bedienelemente. Bei der Bedienung von Webseiten insbesondere bei Webapplikationen lassen sich die Bedienelemente einschließlich der Adressleiste des Browsers abschalten, was Opera bereits seit Generationen bietet. Die betreffende Funktion verbirgt sich hinter dem Menüpunkt "Anwendungsverknüpfungen erstellen", was wohl kaum jemand vermutet. Dann legt der Browser Kürzel zum Aufruf der Webseite an, die dann für den Anwender wie eine Applikation behandelt werden und sich im Startmenü, auf dem Desktop oder in der Schnellstartleiste ablegen lassen. Außerdem wird der Browser bereits vorinstalliert mit Google Gears ausgeliefert.
Sicherheit in Google Chrome
Allerdings stößt das Konzept derzeit an seine Grenzen: Denn Plug-ins können erst einmal nicht in dieses Sandbox-Konzept integriert werden. Dazu müssten die Anbieter diese überarbeiten, damit auch die Plug-ins nur mit eingeschränkten Rechten in Google Chrome laufen. Dies ist nach Google-Angaben ohne großen Aufwand möglich.
Darüber hinaus besitzt Google Chrome einen Phishing- sowie Malware-Filter, der mit Daten von Google gefüttert wird und den Nutzer davor bewahren soll, entsprechende Webseiten zu öffnen. Die Listen von Google nutzt unter anderem der Phishing-Filter in Firefox seit längerer Zeit. Schließlich bietet der Browser einen Incognito-Modus. Befindet sich ein Tab in diesem Modus, werden von aufgerufenen Webseiten keine Cookies, kein Browserverlauf oder andere Daten gespeichert. Eine ähnliche Funktion bietet Apples Safari und künftig auch der Internet Explorer 8 .
Webkit als Rendering-Engine
Die Entscheidung für Webkit begründen die Google-Entwickler mit dessen Geschwindigkeit. Zudem gehe Webkit effizient mit Speicher um und sei leicht auf Embedded-Geräte zu portieren. Darüber hinaus sei Webkit einfach gehalten und es sei für neue Entwickler leicht zu lernen, mit dem Code umzugehen.
Um den neuen Browser zu testen, setzt Google wie auch andere auf ein mehrteiliges Testverfahren, bestehend aus Unit-Tests, automatisierten UI-Tests und sogenannten Fuzz-Tests, bei denen dem Browser zufälliger Code zugeführt wird. Bei den Layouttests geht Google aber etwas andere Wege: Google erzeugt Schemata dessen, was der Browser interpretiert. Dies sei präziser als Screenshots anzufertigen und mit Hash-Werten zu vergleichen. Nachdem der Browser anfangs nur 23 Prozent der Webkit-Layouttests bestand, sollen es mittlerweile 99 Prozent sein.
V8 - JavaScript-Virtual-Machine
Darüber hinaus setzt Googles V8(öffnet im neuen Fenster) auf sogenannte "Hidden-Class-Transition". Das klassenlose JavaScript wird im Hintergrund um Klassen erweitert. Objekte mit denselben Eigenschaften teilen sich eine versteckte Klasse, was es erlaubt, im Hintergrund dynamische Optimierungen durchzuführen.
Zusammen mit dem Konzept, für jedes Tab einen eigenen Prozess zu nutzen, soll V8 besonders gut für Multi-Core-Prozessoren geeignet sein. Hinzu kommt eine präzise Garbage-Collection, die den Speicherverbrauch klein halten und ein gezieltes Löschen von Zeigern ermöglichen soll. V8 verfügt über ein spezielles API, das Google Chrome nutzt. Der Kern von V8 ist aber unabhängig vom Browser. Die Google-Entwickler hoffen daher, dass auch andere Browserentwickler in Zukunft V8 einsetzen werden, denn die JavaScript-Engine wird wie der Rest des Browsers als Open Source veröffentlicht. Das Open Source Projekt wird unter dem Namen Chromium(öffnet im neuen Fenster) laufen, der Code steht unter der BSD-Lizenz.
Die Benchmarks
Mittels Benchmarks lässt sich gut erkennen, dass alle Browserhersteller an ihren JavaScript-Engines arbeiten. Es ist allen bewusst, dass trotz immer schneller werdender Rechner eine schnelle JavaScript-Implementierung wichtig ist.

Das Schlusslicht bildet - wie so oft bei Geschwindigkeitsvergleichen - Microsofts Internet Explorer. In der Version 7 mussten wir den Benchmark auf dromaeo.com(öffnet im neuen Fenster) sogar abbrechen. Der Browser arbeite zu langsam und blieb fast stehen. Bereits beim dritten Test ging es nur noch schleppend voran. Vor allem musste das Weiterlaufen des Skripts bestätigt werden, was die Messergebnisse unter Umständen weiter beeinflusst hätte.
Verbesserungspotenzial gab es auch in den anderen Browsern. Sowohl Safari als auch Firefox können in den aktuellen Entwicklungsversionen von ihrer jeweils deutlich schnelleren JavaScript-Engine gegenüber der letzten Final-Version profitieren. Die aktuellen Entwicklerversionen von Safari alias Webkit nutzen SquirrelFish und Firefox wird durch TraceMonkey erheblich beschleunigt.
Auch Opera konnte in allen Benchmarks im aktuellen Opera 9.6 Snapshot alias Birthday Edition(öffnet im neuen Fenster) (das Geburtstagsgeschenk für Operas Chef und Mitbegründer Jon S. von Tetzchner) zulegen, unterliegt aber trotzdem Firefox und Safari.
Googles Browser kann sich also erheblich von der Konkurrenz absetzen. Nimmt man die finalen Versionen der Konkurrenz, ist der Unterschied noch deutlicher. Den SunSpider-Test kann Chrome fast 15-mal durchlaufen, bevor der Internet Explorer 7 den ersten Durchlauf vollendet hat. Opera braucht etwa dreimal so lange, Safari doppelt so lange und nur Firefox kann zumindest ansatzweise mithalten. Beim Dromaeo-Test braucht Chrome nur etwa ein Fünftel der Zeit, die andere Browser in ihrer Endversion benötigen. Eine Ausnahme bildet der Internet Explorer 8: Er braucht 18-mal länger als Googles Chrome.
Noch deutlicher fallen die Ergebnisse mit Googles eigenem JavaScript-Benchmark aus, auf den hin V8 optimiert wurde. Im V8 Benchmark Suite - version 1(öffnet im neuen Fenster) kommt unser Testsystem mit Chrome auf 2.688 Punkte, dahinter folgt abgeschlagen der aktuelle Nightly-Build von Webkit mit 435 Punkten. Platz drei belegt die Vorabversion von Opera mit 384 Punkten. Opera 9.52 erreicht 300 Punkte. Firefox liegt mit dem aktuellen Nightly-Build bei 283 Punkten, eine ältere Version kam hier auf 293 Punkte und Firefox 3.0.1 auf 290 Punkte.
Die Benchmarks liefen auf einem Quadcore-Rechner. Intels genutzte CPU Q9450 arbeitete in unseren Benchmarks mit 3,2 GHz. Als Benchmarks wurden Webkits eigener SunSpider-Benchmark genutzt und Mozillas Dromaeo. Beide Benchmarks haben noch nicht den finalen Status erreicht.
Die Betaversion von Google Chrome gibt es zunächst unter anderem in deutscher Sprache nur für die Windows-Plattform als Download(öffnet im neuen Fenster) . Derzeit werden 64-Bit-Systeme nicht direkt unterstützt. Der Browser wird zwar auch für Linux und MacOS X erscheinen, allerdings wird es nach Google-Angaben noch mehrere Monate dauern, bis diese erscheinen. Ein genauerer Termin wurde nicht verraten.
Fazit:
Schnelligkeit ist jedoch nicht alles: Beim Chrome-Browser legt der Hersteller das Augenmerk auf eine hohe Sicherheit, um mögliche Angriffe aus dem Internet effizient abzuwehren. Bis auf den speziellen Taskmanager bietet Google Chrome aber nichts Neues in der Browserwelt. Viele der von Google als Besonderheit beworbenen Funktionen sind aus Opera, Firefox oder auch dem Internet Explorer bereits vertraut. Dem Browser fehlt ein Feed-Reader und eine halbwegs anständige Lesezeichenverwaltung. Mit viel Komfort kann der neue Browser nicht punkten, hier hat die Konkurrenz deutlich mehr zu bieten. Immerhin eine Kennwortverwaltung bietet auch der Chrome-Browser, damit sich der Nutzer automatisiert bei Online-Diensten anmelden kann.
Bereits durch die zahlreichen Google-Dienste wie Internetsuche, lokale Suche, Webmailer, Onlinekalender, -textverarbeitung und -tabellenkalkulation hat sich der Internetgigant den Ruf der Datenkrake erworben. Denn dann laufen alle persönlichen Daten auf den Servern von Google auf. Das spitzt sich mit dem Browser von Google noch zu, der zum Ziel hat, dass damit vor allem die Dienste von Google genutzt werden. [von Ingo Pakalski, Andreas Sebayang und Jens Ihlenfeld]



