Actionrollenspiel von Silicon Knights in nordischen Spieleklimazonen. Odin steht für "Organisch distribuiertes intelligentes Netzwerk" – jedenfalls in Too Human. Das Actionrollenspiel für Xbox 360 versetzt den Spieler mitten in einen abgedrehten Szenariomix aus nordischen Göttersagen, Cyberspace-Kybernetik und herkömmlichen Monstern. Rund zehn Jahre hat das Entwicklerteam an dem Projekt gearbeitet, zwei Fortsetzungen sind fest geplant.
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Götter sind keine übernatürlichen Wesen, sondern kybernetisch aufgemotzte Superkrieger – jedenfalls die nordischen Gottheiten rund um Odin, die im Actionspiel Too Human auftreten. Ab und an tun die Übermenschen dort Gutes, dafür lassen sie sich ordentlich feiern und anbeten. Bis eines unschönen Tages mysteriöse Maschinenwesen auftauchen und anfangen, die Menschheit zu vernichten. Aufgabe des Spielers ist es, dem üblen Treiben ein Ende zu bereiten, und zwar mit dem Sohn von Odin, der Hauptfigur Baldur; der übrigens an Balder, die germanische Gottheit des Lichts, der Güte und der Schönheit angelehnt ist.
Vor dem Start des eigentlichen Spiels wird noch rasch festgelegt, in welcher von fünf Klassen Baldur antritt. Im Angebot sind unter anderem Nahkampf-Berserker, auf Fernscharmützel spezialisierte Kommandosoldaten oder ausgewogene Kämpfer. Ihren göttlichen Protagonisten steuern Spieler in Too Human dann aus einer recht weit entfernten Außenkameraansicht durch riesige Höhlensysteme und Eislandschaften. Eine Übersichtskarte gibt es nicht, allerdings sind die Levels so linear aufgebaut, dass man sich auch mit sehr viel Met im Blut kaum verlaufen kann. Der Spielfluss wird regelmäßig von teils extrem langen Zwischensequenzen in Spielegrafik unterbrochen, in denen diverse Götter und andere Figuren neue Elemente aus eigentlich schlichten, aber extrem verschachtelt aufgebauten Handlungen erzählen.
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Die ersten Kämpfe in Too Human finden gegen Massen von Standardgegnern statt – und machen erst mal richtig Spaß. Der rechte Analogstick schwingt Baldurs Schwert, der linke Knüppel bewegt die Hauptfigur selbst. Mit dieser Kombination saust der Held dann leichtgängig selbst durch große Gegnermassen und zerdeppert fast schon bei Feindberührung mehrere Opponenten gleichzeitig. Allerdings stellt sich dann bald heraus, dass der Spieler nur eingeschränkt Einfluss auf die genaue Richtung hat, in die Baldur flitzt, und dass Massenkämpfe wegen des sich wiederholenden Gameplays schnell langweilig werden.
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Ein Großteil der interessanteren Gefechte findet gegen menschen- und tierähnliche Maschinen aus Metall statt. Diese Kämpfe finden meist als Duell mit herangezoomter Kamera statt, am Bildschirmrand zeigt ein Balken die restliche Lebensenergie des Gegners an. Mit den Analogsticks sowie vielfältigen Kombinationen aus A- und B-Taste kann Baldur zur Seite oder auf seinen Feind springen, ihn in die Luft schleudern oder zu Boden werfen. Profispieler lernen die genauen Befehle auswendig, alle anderen kommen aber auch ganz gut zurecht, weil sie mit ein bisschen Glück immer wieder mal per Zufall schicke und effektvolle Kombis erwischen. Jeder Treffer füllt eine Kombo-Leiste auf, und sobald die gefüllt ist, steht der besonders vernichtende "Zerstörer"-Angriff zur Verfügung. Die lassen sich in Too Human übrigens auf Vorrat für besonders herausfordernde Kämpfe hamstern.
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Zusätzlich gibt es noch den Fernkampfmodus, mit dem sich Gegner aus großer Distanz ins Visier nehmen lassen – was praktisch allerdings keine allzu große Rolle spielt, weil viele Feinde arg schnell heranspurten. Für den Fernkampf gibt es eine Vielzahl von Pistolen, Gewehren und Kanonen, für den Nahkampf findet Baldur immer stärkere Schwerter, Hämmer und Stäbe. Nach der ersten Mission muss der Spieler entscheiden, ob er seinen Baldur als normalen Menschen ausbaut, mit Spezialfähigkeiten ausstattet und dann besonders stark auf Kampfkombos setzt. Wahlweise ist der Weg der Kybernetik gangbar, auf dem Waffen und Rüstungen eine größere Rolle spielen – was für Einsteiger etwas weniger kompliziert ist.
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Falls Baldur doch mal stirbt, was angesichts der teils unpräzisen Steuerung und des stetig steigenden Schwierigkeitsgrades durchaus öfters vorkommen kann, schwebt eine Art Cyber-Walküre in schönstem Engelslicht vom Himmel herunter und wiederbelebt den Göttersohn. Das ist beim ersten Mal schick anzusehen, dauert aber über eine Minute und lässt sich auch beim x-ten Mal nicht abbrechen.
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Eine kleine Besonderheit ist der Cyberspace – eine idyllische Wikinger-Parallelwelt mit lauschigen Wiesen, Wäldern und Fjorden. Von dort aus lassen sich Türen öffnen und Maschinen aktivieren. Klingt interessant, allerdings ist der Cybespace technisch sehr simpel gestrickt und spielerisch sinnlos, weil die Aufgaben extrem einfach aufgebaut sind.
Too Human ist exklusiv auf Xbox 360 erhältlich. Das Programm kostet rund 60 Euro und ist von der USK ab 16 Jahre freigegeben. Über Xbox Live kann sich der Spieler mit einem Mitstreiter im Coop-Modus zusammenschließen, um gemeinsam Jagd auf Maschinenmonster und vor allem auf besondere Gegenstände zu machen.
Fazit: Ungewöhnliches Szenario, eine auf den ersten Blick spannende Handlung und viele scheinbar gute Ideen – auf dem Papier und auf der Packungsrückseite verkauft sich Too Human super. Dann entpuppen sich allerdings die Kampfsysteme als schlecht umgesetzt, weil es ständig an der Steuerung und Kameraführung hakt. Dazu kommen noch die überraschungsfreien Levels und der Eindruck, ständig gegen die gleichen Gegner zu kämpfen – weil es zu wenige gibt, und die sich auch noch sehr ähneln. Die Handlung könnte etwas mehr Dynamik und etwas weniger Figuren gebrauchen, um auch Nichtgöttern mehr Durchblickmöglichkeiten zu gewähren. Immerhin: Das Nahkampfsystem ist für erfahrene Spiele eine echte und langfristige Herausforderung, weil es viele Optionen und jede Menge Ausrüstung gibt und sie deutlich mehr Zeit als in vergleichbaren Titeln mit Tüfteln und Tunen verbringen können.