BDA sieht Erfolge, aber der DVD-Nachfolger lockt noch keine Massen. Die Blu-ray Disc hat zwar gegen die HD-DVD gewonnen, noch ist sie aber nicht im Massenmarkt angekommen und von den DVD-Verkaufszahlen weit entfernt. Auf einer IFA-Pressekonferenz des Blu-ray-Lagers gab es deshalb seitens der Filmindustrie auch kritische Töne – auch die Blu-ray Disc Association gestand trotz einiger Lobhudelei ein, dass der Weg noch weit sei.
Zwar wurden im ersten Halbjahr laut BDA schon mehr Blu-ray-Player, BD-Brenner, Blu-ray-Videorekorder und Blu-ray-Rohlinge verkauft als im ganzen Jahr 2007 und auch bei den Kunden ist die Wahrnehmung gestiegen, doch die kritische Masse sieht auch der europäische BDA-Vorsitzende Frank Simonis noch nicht erreicht.
Das zeigt auch ein Vergleich der Blu-ray- mit den DVD-Verkaufszahlen. Bis jetzt wurden in den USA 15 Millionen Blu-ray-Filme verkauft, in Japan 2,5 Millionen und in Europa 5 bzw. gemäß aktuellerer Zahlen über 5,2 Millionen. In Deutschland waren es bis zur Kalenderwoche 31 – ebenfalls laut Zahlen der GfK – 644.204 Blu-ray-Filme. Trotzdem erwartet die BDA, dass die Zahl der in Deutschland verkauften Blu-ray-Filme noch in diesem Jahr auf 2,7 Millionen steigt.
Bis 2009 sollen es in Deutschland 10,4 Millionen und bis 2010 gar schon 20,9 Millionen verkaufte Blu-ray-Filme sein. Für ganz Europa erwartet die BDA auf Basis einer Futuresource-Schätzung 2008 für Europa rund 12 Millionen verkaufte Blu-rays. Das würde in dem von der DVD dominierten Videomarkt einem Anteil von 2 Prozent entsprechen – zumindest in verkaufsstarken Märkten wie Frankreich und Großbritannien. Bis Ende 2009 soll der Blu-ray-Anteil auf 6 Prozent der Videoverkäufe steigen.
Dennoch wird auf absehbare Zeit weiterhin mehr Geld mit DVDs als mit Blu-rays gemacht werden. Laut BDA wurden 2007 DVDs im Wert von 1,313 Milliarden Euro verkauft, während auf Blu-rays und HD-DVDs nur 14 Millionen Euro entfielen. Für 2008 erwartet die BDA bei steigendem Gesamtvolumen 1,303 Milliarden Euro bei der DVD und 52 Millionen Euro bei Blu-ray/HD-DVD. 2009 sollen es 1,264 Millionen Euro bei der DVD und 125 Millionen Euro bei der Blu-ray und der nur noch Pro-forma mitgenannten HD-DVD sein. Das erwartete Umsatzwachstum mit der Blu-ray begründet die BDA nicht nur durch steigende Abverkäufe, sondern auch durch die im Vergleich zur DVD höheren Preise.
Die höheren Preise sind es, mit denen die BDA Händler dazu bringen will, mehr Regalfläche zugunsten der Blu-ray zur Verfügung zu stellen. Bei Preisen von 20 bis teils über 30 Euro sind Blu-rays aber keine Schnäppchen und damit weniger gefragt als DVDs. Glaubt man Futuresource, so werden die Preise bis 2012 aber auf unter 16 Euro sinken und die Zahl der in Europa verkauften Blu-ray-Filme damit auf rund 240 Millionen Stück ansteigen.
Dass bis dahin noch einiges getan werden muss, ist nicht nur der BDA klar – die zur IFA-Pressekonferenz geladene Vizechefin von Warner Home Video (WHV), Monica Juniel, nahm in ihrer Rede kein Blatt vor den Mund. Ein Großteil der Blu-ray-Player am Markt entfalle auf die Playstation 3, doch ausgerechnet deren Besitzer würden deutlich weniger Blu-ray-Filme kaufen als Besitzer von regulären Blu-ray-Playern. Im Mai 2008 ermittelte WHV, dass PS3-Besitzer innerhalb eines Jahres im Schnitt 2,5 Blu-ray-Filme kauften, während es bei Besitzern regulärer Blu-ray-Player im Schnitt 5,6 Stück waren.
Das Verhältnis ändere sich, sobald ein PS3-Besitzer eine Fernbedienung zur Konsole hinzugekauft hätte – dann wären es im Schnitt 5 statt 2 gekaufter Blu-ray-Filme. Ob es allerdings damit getan ist, die PS3-Fernbedienung günstiger zu machen oder der PS3 beizupacken, sei dahingestellt – nicht jeder der die Fernbedienung in den Händen hat, wird automatisch an Blu-rays interessiert sein. Und nicht jeder der eine PS3 hat, wird auch unbedingt Filme darauf sehen wollen. Auch wenn es bisher kaum ein Blu-ray-Player mit der leistungsfähigen PS3 aufnehmen kann – die Spielekonsole bleibt trotz im Vergleich höheren Stromverbrauchs immer noch der zukunftssicherste Blu-ray-Player.
Um die Hardwareverkäufe anzukurbeln, helfen laut Juniel die gewohnten Paketangebote aus Abspielgeräten und Filmen. Damit die Kunden aber überhaupt verstehen, was ihnen die Blu-ray für Vorzüge biete, müsse sich bei der Präsentation im Handel etwas ändern. Erst Vergleiche Seite an Seite mit der DVD könnten zeigen, was die Blu-ray ausmache. Demogeräte und Filme sollten beieinander stehen und nicht durcheinander in unterschiedlichen Bereichen. Außerdem sollten auch bei Blu-ray-Regalen Hitlisten und Erscheinungtermine zu finden sein, wie es bei DVDs üblich sei. Seitens der BDA wurde nach Juniels Präsentation bestätigt, dass es noch viel zu tun gebe.
Allerdings sieht sich die BDA auf dem richtigen Weg und die Blu-ray als erfolgversprechenden DVD-Nachfolger. Laut Blu-ray Disc Association (BDA) haben Filmdownloads noch nicht den Stellenwert von physischer Distribution – es sei zu früh dafür. Und auch hochauflösendes Fernsehen könne der Blu-ray mangels Bandbreite selbst bei gleicher Auflösung qualitativ noch nicht das Wasser reichen. Dennoch setzen die ehemaligen HD-DVD-Verfechter Toshiba und Microsoft – bei der Xbox 360 – auf Downloads statt auf die Blu-ray. Wenigstens bei Windows Vista will Microsoft aber Blu-ray-Bordmittel nachrüsten.
Außerdem ist laut BDA der Verkauf von hochwertigen DVD-Playern mit Scalern rückläufig, während der von Blu-ray-Playern steige. Statt eines Blu-ray-Players stellt Toshiba auf der IFA einen DVD-Player mit gutem Scaler und drei Bildoptimierungsmodi für 150 Euro vor, um damit DVDs auch auf Fernsehern bis 42 Zoll Diagonale besser aussehen zu lassen. Mit Blu-ray-Playern will Toshiba damit nicht konkurrieren, die Aufregung um das Gerät beschrieb ein Toshiba-Produktmanager gegenüber Golem.de als unsinnig und übertrieben.
Im Rahmen der BDA-Pressekonferenz auf der IFA wurde auch noch demonstriert, was mit BD-Live und BD Java an interaktiven Extras möglich ist. Sony zeigte, wie beim trashigen "Starship Troopers 3: Marauders" das eigene Bild eingebunden werden kann. Und Disney zeigte ein interaktives Ratespiel auf der in den USA für den Oktober 2008 angekündigten Blu-ray-Version des Zeichentrickklassikers "Dornröschen". Disney will sein gesamtes Portfolio der Platin-Serie auf Blu-ray bringen – mit aufwendiger Restaurierung und mit neuem Digitalisieren des Originalmaterials. "Pinocchio" und "Schneewittchen und die sieben Zwerge" werden in den USA im Jahr 2009 erscheinen. Wann es in Europa soweit ist, wurde noch nicht angegeben. Mit "Schneewittchen" will Disney im Herbst 2009 allerdings sein globales BD-Live-Netzwerk starten, um damit die Fans über die Blu-ray-Filme zusammenzubringen.