Spieletest: Space Siege - Das Möchtegern-Sci-Fi-Diablo
Unkompliziertes Action-Rollenspiel in einem verlassenen Raumschiff. Erst Dungeon Siege, jetzt Space Siege: Der Spieledesigner Chris Taylor veröffentlicht ein weiteres Action-Rollenspiel, das sich an der Diablo-Reihe von Blizzard orientiert. Der jüngste Taylor-Streich versetzt den Spieler auf ein riesiges Raumschiff mitten im All – nur begleitet von einem Roboterkumpel, einer Handvoll menschlicher Überlebender und Tausenden von Außerirdischen.
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Alarm auf dem Raumschiff Armstrong – die Außerirdischen greifen an! Und weil Aliens auch nicht blöd sind und so etwas nur tun, wenn sie sich ihrer Sache einigermaßen sicher sind, hat die Crew keine Chance. Ein Großteil ist tot, der Rest zum Cyborgmonster mutiert. Nur eine Handvoll Personen lebt noch, unter ihnen Seth Walker. In seiner Rolle kämpft sich der Spieler im Action-Rollenspiel Space Siege durch die insgesamt wohl ein paar Hundert Kilometer langen Gänge der Armstrong und eliminiert dabei so ziemlich jede außerirdische Kreatur, die ihm über den Weg läuft. Space Siege ist das jüngste, bislang exklusiv für Windows-PC erhältliche, Werk von Taylors Spielestudio Gas Powered Games. Von Taylor stammt unter anderem die in einem Fantasy-Szenario angesiedelte Dungeon-Siege-Reihe.
Spieler scheuchen Seth Walker aus der Von-Oben-Perspektive mit einer Kombination aus Maus und Tastatur durch das Raumschiff und in den Kampf. Ein Linksklick bewegt den Helden an die markierte Stelle, ein Rechtsklick feuert das anvisierte Ziel an. Mit den WASD-Tasten dreht man die Kamera nach links und rechts und schaltet zwischen Nah- und Fernsicht um. Das System funktioniert gut – wer allerdings die Steuerung anderer aktueller Titel gewohnt ist, muss sich erst an das System in Space Siege gewöhnen; alternative Bedienkonzepte sind nicht vorgesehen. Es ist sehr knifflig feindlichem Beschuss auszuweichen. Dafür existiert zwar eine Spezialtaste, aber mit der springt Seth immer in die Richtung in die die Maus gerade zeigt – nicht sehr intuitiv. Der Spielstand lässt sich jederzeit sichern, allerdings startet der Spieler nach dem Ableben oder einem Neustart immer in der jeweils zuletzt besuchten Wiederbelebungskammer.
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Das Raumschiff Armstrong ist riesig, für die Erkundung durch Seth allerdings in übersichtliche Level-Häppchen unterteilt. Die sind fast immer linear angelegt, außerdem hilft eine Übersichtskarte bei der Orientierung – darauf sind sowohl der Spieler, wichtige Einrichtungen und das aktuelle Missionsziel markiert. Die meisten Gänge sind eng und grau, für Farbtupfer sorgen eher dezente Hightech-Lichtquellen. Nur gelegentlich geht es mal über den weiträumigen Rasen eines Bio-Labors oder durch große Hallen.
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Anstatt ständig neue Gegner vor die Knarre von Seth zu karren, hat es der Protagonist meist alle paar Meter mit kleinen Gruppen von Aliens und feindlichen Roboterkriegern zu tun. Wie stark ein Gegner ist, lässt sich normalerweise an seiner Größe erkennen, außerdem an den mehr oder weniger martialischen Namen, die bei Berührung mit dem Mauszeiger am Bildschirmrand eingeblendet werden – zusammen mit einem Statusbalken, der die restlichen Lebenspunkte anzeigt. Besonders stark unterscheiden sich die Feinde nicht voneinander – eine der Schwächen des Spiels, weil so kaum unterschiedliche Kampftaktiken gefragt sind. Nur ab und an gibt es mal kleine Besonderheiten wie Roboterspinnen, die solange aus waschmaschinengroßen Apparaten schlüpfen, bis das Gerät zerstört ist.
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Erledigte Gegner hinterlassen nur zwei Arten von Gegenständen: Das "Upgrade-Material" – letztlich das Gegenstück für Erfahrungspunkte – und Medipacks, von denen der Spieler bis zu vier mit sich tragen kann. Andere Gegenstände wie Rüstungen, Waffen, Talismane, Gold oder Sonstiges hat Chris Taylor wegrationalisiert. Das Upgrade-Material landet gesammelt auf einem stets eingeblendeten Konto und wird an sogenannten Werkbänken verwendet. Damit lassen sich die Angriffswerte von Waffen oder die eigene Widerstandskraft gegen Feuer- oder Stromangriffe oder sonstige Attacken erhöhen. Parallel dazu existiert ein weiteres Rollenspielelement, in dem der Spieler ähnlich wie in den Talentbäumen von World of Warcraft seine Fähigkeiten erweitert.
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Und dann gibt es sogar noch ein drittes Hochlevel-System: Ab einer bestimmten Stelle im Spiel kann sich Seth mithilfe von Implantaten selbst zum Roboter umbauen. Den Anfang macht ein cybernetisches Auge, das seine Angriffskraft hochschraubt, später folgen ein Rückgrat, Arme und Beine und schließlich sogar ein künstliches Gehirn. Das Spiel blendet vor dem Einbau der Gerätschaften einen Meschlichkeits-Faktor ein, der von 100 Prozent allmählich zurückgeht. Dabei tut es so, als ob das im Spielverlauf echte Änderungen oder gar Nachteile mit sich brächte – das ist aber nicht der Fall, letztlich geht die Story immer gleich aus.
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Nach und nach findet Seth zehn Waffen, das Angebot reicht vom Nahkampf-Lichtschwert über die genreüblichen Strahlenwaffen bis zum nett animierten Raketenwerfer. Zusätzlich gibt es, erreichbar über die Zahlentasten, eine Handvoll Spezialfähigkeiten – im Grunde das Gegenstück zu Magie, nur dass anstelle von Mana halt Energie verbraucht wird. Damit lassen sich kurze Zeit mit Feuerkraft aufgeladene Geschosse verwenden, oder Seth lässt einen Blitzring um sich hervorkrachen, der die Gegner beschädigt und ein bisschen zurückwirft. Zusätzlich gibt es ein drittes Kampfsystem: Ein Roboterkamerad names HR-V (sprich: Harvey) begleitet den Spieler weitgehend selbständig.
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Die Handlung erzählt Space Siege hauptsächlich in automatisch ablaufenden Dialogen mit ein paar anderen menschlichen Überlebenden – ein Mediziner etwa und ein Wissenschaftler. Außerdem findet Seth ab und an Datenkapseln, die ähnlich wie in System Shock und Bioshock per Sprachausgabe die Erlebnisse von anderen Opfern der Außerirdischen erzählen. Im Coop-Modus können bis zu vier Teilnehmer gemeinsam antreten – dann wählt der Host den gewünschten Level aus, alle Spieler haben vom Start weg alle Waffen und können ihre Fähigkeiten ausbauen.
Um Space Siege spielen zu können, muss im Rechner Windows XP oder Vista installiert sein. Außerdem braucht der PC mindestens einen Prozessor mit 2,6 GHz, 512 MByte RAM sowie 3 GByte freien Festplattenspeicher. Die Grafikkarte muss über 128 MByte RAM verfügen und mit DirectX 9 klarkommen. Das Programm kostet rund 50 Euro, erscheint hierzulande vollständig übersetzt und ist von der USK ab 12 Jahren freigegeben.
Fazit: Space Siege hat eine durchschnittlich gute Grafik, erzählt eine halbwegs interessante Handlung mit ordentlichen Missionen, verfügt über ein brauchbares Waffenarsenal und hat-man-schon-schlechter-gesehen-Spezialfähigkeiten. Macht insgesamt ein erschreckend mittelmäßiges Spiel, das zum einen für die verlangten 50 Euro viel zu teuer ist und zum anderen nur solange Spaß macht, bis wieder ein besseres Spiel auf der Festplatte landet. Dazu kommen Design-Seltsamkeiten wie die teilweise redundanten Hochlevel-Systeme, die immerhin nicht weiter stören. Und die an sich zwar gut funktionierende Steuerung, bei der man das verschenkte Spielspaß-Potenzial aber bei jedem Klick spürt. Schade drum.