GC 08: Age of Conan wird hübscher und besser - und nackt
Funcom zeigte DirectX-10-Effekte, neue Aufgaben und neue Gegner. In Leipzig zeigte Funcom sein Age of Conan erstmals mit beeindruckenden DirectX-10-Effekten und versprach europäischen Spielern etwas, das in den prüden USA nicht zu sehen sein wird. Erst einmal geht es jedoch darum, die Abonnenten – vor allem solche mit hochstufigen Helden – mit neuen Herausforderungen bei Laune zu halten.
"Sie müssen unseren albernen Akzent entschuldigen" , scherzte Funcom-Sprecher Erling Ellingsen mit Hinweis auf die Herkunft aus Norwegen. In der recht lauten Halle 5 hatte der Publisher eine kleine Palisadenfestung aufgebaut, in der Neugierige Age of Conan ausprobieren konnten, während hinter ihnen eine in Leder gehüllte Frau im Käfig steckte. Bisher wurde Age of Conan rund 800.000 mal verkauft, wie Ellingsen angab. Die Zahl der aktiven Spieler liegt bei 400.000, keine schlechte Zahl für ein noch junges Online-Spiel. Wie viele von den aktiven Spielern Abonnenten sind und wie viele sich noch im Freimonat befinden, wurde nicht gesagt.
Vieles von dem, was in den kommenden Wochen und Monaten an Verbesserungen und Erweiterungen in Age of Conan fließen soll, geht laut Ellingsen auf die Wünsche der Spieler zurück. Von denen klagen vor allem diejenigen mit hochstufigen Helden, dass Age of Conan zu wenige Herausforderungen und Möglichkeiten bietet. Hier will Funcom unter anderem mit epischen Rüstungen, hochstufigen Gegenständen und imposanten Gegnern punkten. Vor allem aber sollen fortan im wöchentlichen Rhythmus Updates erscheinen, die Fehler ausmerzen, Vorhandenes aufwerten und Neues mit sich bringen.
Die größeren Updates versprechen auch neue Regionen, welche die Spieler zwar aus der Ferne sehen konnten, die ihnen aber bisher verschlossen waren – etwa das von Verbrechern gebeutelte Armenviertel von Tarantia ("Tarantia Commons"), dessen Gassen, Dächer, Balkone und Gebäude es zu entdecken gilt. Es darf also viel geklettert und gesprungen werden, während unter dem Armenviertel das Meer und darüber das Reichenviertel mit Conan zu sehen ist. Zwischendrin wird der Spieler in blutige Steitigkeiten verfeindeter Banden hineingezogen.
Die mit den Updates kommenden Aufgaben sollen dabei abwechslungsreicher und nicht nur einfache Hingehen-und-Töten-Missionen sein, sie sollen dem Spieler moralische Entscheidungen abverlangen und damit zeitweilig den Verlauf der Geschichte beeinflussen. Außerdem wird das Spieler-gegen-Spieler-System (Player-vs-Player, PvP) erweitert – wer deutlich schwächere Mitspieler aus Spaß tötet, wird zum Verbrecher abgestempelt, was schon einige Nachteile mit sich bringt.
Wer danach weiter Mitspieler mit deutlich niedrigerem Level fertigmacht, wird zum Mörder deklariert, von in der Nähe befindlichen Wachen sofort angegriffen und zum Freiwild für andere PvP-Spieler, die im Erfolgsfall ein Kopfgeld und PvP-Punkte erhalten. Wer mit Mördern gemeinsame Sache macht, etwa mit ihnen handelt, der wird selbst als Verbrecher eingestuft. Für das generell verbesserte PvP wird es eigene Rüstungen geben, versprach Ellingsen in der Präsentation.
Neu in Cimmeria hinzukommen, wird auch der Pass von Ymir ("Ymir's Pass"), in dem sich Spieler ab Stufe 55 mit Banditen herumschlagen müssen und ein neues Verlies namens "Amphitheater" finden. Dieses befindet sich in einem Berg, in dem der "Frost Father", der Sohn von Ymir, gefangen ist. Bevor der Spieler diesen ziemlich wütenden Giganten überhaupt zu Gesicht bekommt, kann er ihn schon spüren – wenn der Frostvater seine Ketten schüttelt, erbebt die Erde unter den Helden. Fragt sich nur, ob der Frostvater seine Befreier eher herzen oder zermatschen will. Die aus dem Introvideo und sogar einem Playboy-Auftritt bekannte Schönheit Keaira wird dem Spieler in Ymir ebenfalls begegnen – angezogen allerdings, ohne Kleidung und Rüstung kämpft es sich im kalten Norden schlecht.
Mit einem der Updates wird auch das Black-Castle-Verlies komplett überarbeitet und um Fallen erweitert. Diese können teils nur mit Teamwork entschärft werden und erfordern Schnelligkeit oder Nachdenken. Beispiele sind alles-verbrennende, aber über Gewichte abschaltbare Feuerwände, nur indirekt verwundbare Schlangen und Helden und ziemlich schnell platt-rollende Felskugeln im Stile der Indiana-Jones-Filme.
Damit auch die Endgegner von Age of Conan in Zukunft eine größere Herausforderung sind, wird bei ihrer Beseitigung mehr Taktik vonnöten sein als nur das bloße Austeilen von Trefferpunkten. Hier will Funcom Blizzards World of Warcraft nacheifern und übertrumpfen, wie Ellingsen selbstbewusst erklärte. Außerdem sind zwei Verliese für Helden ab Level 80 geplant – eines für Gruppen im Thunder-River-Gebiet soll in Kürze fertig sein und ein Raid-Dungeon für deutlich mehr Spieler folgt später. Gezeigt wurden nur einige Screenshots und Konzeptzeichnungen.
Grafisch ist Age of Conan schon jetzt eines der aufwendigsten Online-Rollenspiele. Dies soll mit den Updates noch Stück für Stück verbessert werden. Europäer müssen zwar auf einige brutalere Kampfanimationen verzichten, die etwa in der US-Version zu sehen sind, werden aber laut Funcom dafür bald mit detaillierteren nackten Spielfiguren entlohnt. Manche weibliche Spielfiguren sollen künftig im entkleideten Zustand auch primäre Geschlechsmerkmale aufweisen, anstatt in Unterhose herumzustehen.
Grafisch wirklich aufwendig wird Age of Conan mit dem bereits angekündigten DirectX-10-Update, das zeigte eine kurze Demonstration auf der GC 2008. Allerdings bat Ellingsen darum, Mitschnitte davon noch nicht zu veröffentlichen, man sei noch nicht soweit. Was Ellingsen dann jedoch im Präsentationsraum in hoher Auflösung zeigte, war bereits sehr beeindruckend: Die Umgebung sah mit High-Dynamic-Range-Lichteffekten wie Sonnenstrahl-Effekten sowie mit Screen Space Ambient Occlusion (SSAO) heller und lebendiger aus.
Gras und Blumen bewegten sich in Echtzeit – und wurden zur Seite gedrückt, als eine Spielfigur durch sie hindurch lief. Zudem wurde gezeigt, wie die Auswirkungen eines Zauberspruches dazu führten, dass das Gras schlagartig im Umkreis geplättet wurde und sich danach wieder aufrichtete. Fatality-Moves wurden mit Verwischeffekten (Radial Blur) eindrucksvoller, Volumetic Fog sorgte für echter wirkende Nebel und das Wasser wird noch hübscher, beim Tauchen gibt es zudem schöne Unterwasserlichteffekte. Bäume bewegten sich ebenfalls im Wind, mit passenden Schatten auch für die Blätter.
Funcom hat Ellingsen zufolge noch mehr für das weiterhin in Arbeit befindliche DirectX-10-Update geplant. Allerdings hält sich Funcom noch bedeckt. Einen Termin oder einen Zeitraum für die Veröffentlichung wollte Ellingsen auf Nachfrage von Golem.de nicht nennen. Eigentlich sollte das Online-Rollenspiel schon zum Start neben DirectX-9- auch DirectX-10-Effekte bieten. Allerdings verschob Funcom dies zugunsten einer besseren DirectX-10-Unterstützung, die nicht nur Details etwas hübscher darstellt, sondern optisch deutlich imposanter ist.
Gewartet werden muss auch noch auf die erste kostenpflichtige Age-of-Conan-Erweiterung, von der es bisher nur ein Bild und sonst keine näheren Infos gibt.