GC 08: Taktik-Shooter - Operation Flashpoint 2 oder ArmA 2?

Sowohl Codemasters als auch Bohemia Interaktive arbeiten an neuen Taktik-Shootern, die beide auf der Games Convention in spielbarer Version vorgestellt wurden. Während Codemasters den zweiten Teil von Operation Flashpoint vorstellte (den Erstling hatte noch das tschechische Studio Bohemia Interactive entwickelt), zeigte Peter Games den Konkurrenten Armed Assault 2 – entwickelt von eben diesen tschechischen Entwicklern. Bohemia Interactive konnte sich seinerzeit nicht mit Codemasters über einen Nachfolger zu Operation Flashpoint einigen; die Namensrechte hatte Codemasters behalten. Im Artikel widmen wir uns erst Operation Flashpoint 2. Mit Armed Assault 2 geht es auf Seite 3 los.
Operation Flashpoint 2
Operation Flashpoint 2 soll sehr detailreich werden, sowohl bei den über 50 versprochenen Fahr- und Flugzeugen als auch bei den Spielfiguren. Ein Beispiel dafür ist der Raketenwerfer: wer den benutzen möchte, muss ihn gegebenenfalls erst zusammenbauen und schultern – was einige Zeit in Anspruch nimmt. Ein anderes Beispiel ist, dass Fahrzeuge nicht einfach dreckig werden, sondern den Schmutz der Umgebung aufnehmen. Ein weiteres Beispiel ist, dass der Spieler beim Beobachten eines Hubschraubers anhand der Stellung der Rotorblätter vorausahnen kann, in welche Richtung sich das Luftfahrzeug demnächst bewegen wird. Wer auf die Geräusche der Umgebung achtet, findet zudem heraus, welcher Typ von Geschoss sich durch die Luft bewegt. Das lässt sich auch visuell erkennen, denn unterschiedliches Mündungsfeuer deutet auf verschiedene Munitionsarten hin.
Auch andere Zerstörungen auf der Insel verschwinden nicht einfach, sondern bleiben im weiteren Spielverlauf vorhanden. Kommt der Spieler etwa auf die Idee, aus Langeweile eine entfernte Brücke ins Visier zu nehmen und zu demolieren, könnte dies die kommenden Missionen beeinflussen. Das kann etwa das eigene Vorankommen behindern, weil die Brücke für die nächste Mission gebraucht wird – oder es zeigt positive Auswirkungen, da der Gegner nicht so schnell Truppen verschieben kann.
Der Einzelspielermodus von Operation Flashpoint 2 soll zum Teil Elemente einer dynamischen Kampagne enthalten und kann nach derzeitigen Plänen auch im Coop-Modus gespielt werden. Die Entwickler versprechen obendrein eine deutlich verbesserte KI der Gegner und eigenen Soldaten. Durch die Verbesserungen soll sich das Spiel beim erneuten Spielen immer ein wenig anders verhalten und an Dynamik gewinnen.
Im Mehrspielermodus sollen zudem zusätzliche KI-Teams zur Verfügung stehen. Auf der Insel soll dadurch mehr los sein. Anders als beim ersten Operation Flashpoint werden also nicht mehr nur die tatsächlich vorhandenen Spieler auf dem Schlachtfeld zugegen sein.
Ob Operation Flashpoint 2 wie der Vorgänger den kreativen Fans die Möglichkeit zur Modifikation des Spiels geben wird, ist noch nicht klar. Auf Konsolen wird dies sicher nicht möglich werden, bei der PC-Version könnte es hingegen der Fall sein. Ob es ein Software Development Kit (SDK) zum Modding geben wird, sollte im Laufe des nächsten Jahres feststehen.
Armed Assault 2 (ArmA 2)
Spielerisch setzt Bohemia auf Realismus – immerhin gab es Simulationsableger von Operation Flashpoint und Armed Assault, die für das Militär entwickelt wurden und dort auch eingesetzt werden (Virtual Battle Space). Die mehr als 40 Waffen in Teil 2 sollen wirklichkeitsgetreu funktionieren und die Reichweite von Panzergeschossen im Kilometerbereich liegen. Ein Scharfschützengewehr schafft schon eetwas mehr als einen Kilometer.
Grafisch hat Armed Assault 2 deutlich zugelegt. Künftig wird DirectX 9 inklusive Shader Model 3 unterstützt, auch Mehrkernprozessoren sollen ausgenutzt werden. Basis für die 225 Quadratkilometer große und fiktive Insel Chernarus waren Satellitendaten aus der Tschechei. Die Insel ist in einen landwirtschaftlich geprägten Norden und einen industriell geprägten Süden aufgeteilt. Auf der gesamten Insel wurden zudem 1,5 Millionen Bäume platziert. Zwischen all den Bäumen kämpfen mehrere Fraktionen: Eine Gruppe ist pro russisch eingestellt, die andere pro westlich und dann sind da noch die Russen selbst, US-Amerikaner und Zivilisten, die in dem fiktiven Konflikt eine Rolle spielen.
Das erinnert an den erst vor kurzem aufgeflammten Georgien-Konflikt und hinterließ aufgrund der aktuellen Ereignisse ein unangenehmes Gefühl. Bohemia Interactive hatte die Geschichte allerdings schon seit eineinhalb Jahren in der Schublade und wurde von dem aktuellen Geschehen einfach überrascht.
Ein Kritikpunkt an Teil 1 waren die KI-Figuren, mit denen sich der Spieler kaum identifizieren konnte. Statt Standardsoldaten wird in der Kampagne diesmal wieder mit richtigen Charakteren gespielt. Die wichtigsten Mitglieder müssen dabei in den Missionen überleben, wenn diese geschafft werden sollen.
Weitere Neuerungen betreffen das Soundsystem und Tiere, die in Teil 2 auch die Insel bevölkern. Auch für Modder bieten sich durch die Tiere neue Möglichkeiten – die Wildschweinjagd auf Chernarus wäre also durchaus möglich.
ArmA 2 oder Operation Flashpoint 2?
Bei den Vehikeln und Objekten nehmen sich die beiden Titel nicht viel. Beide Entwicklungsteams machten den Eindruck, dass sie mit viel Liebe zum Detail arbeiten. Einzelspieler werden bei beiden Titeln warten müssen, bis die Kampagne bewertbar ist. Modder freuen sich eher auf ArmA 2 und Konsolenspieler können sowieso nur zu Operation Flashpoint 2 greifen.
Die von den Entwicklern zur Verfügung gestellten Screenshots geben die gezeigten Versionen leider nicht Eins-zu-eins wieder, sondern wirken etwas schöner.