Wieder Daten in Großbritannien verloren gegangen
Die Serie der Datenpannen in Großbritannien reißt nicht ab. Nachdem im Jahr 2007 bereits dem Gesundheitsdienst und der Steuerbehörde Datenträger abhanden kamen, hat es nun das Innenministerium getroffen. Wie mehrere britische Medien melden, ist ein USB-Speicherstick mit wichtigen Polizeidaten verschwunden.
Das Speichermedium enthielt drei Datensätze aus dem JTrack(öffnet im neuen Fenster) -Programm, berichtet die Tageszeitung Guardian(öffnet im neuen Fenster) . Über dieses System können Strafverfolger den Aufenthaltsort von besonders aktiven Straftätern abrufen. Ein Satz beinhaltete die Namen und Geburtsdaten sowie einige Entlassungsdaten von allen 84.000 Häftlingen aus den Gefängnissen in England und Wales. Die beiden anderen Datensätze umfassen die Daten von 33.000 notorischen sowie weiteren 10.000 Straftätern. Außerdem befanden sich auf dem USB-Stick Daten aus einem Programm gegen Drogenmissbrauch. Letztere enthielten jedoch keine Namen, sondern nur Initialen. Alle Daten waren nicht verschlüsselt.
Nach Informationen der Times(öffnet im neuen Fenster) hatten Mitarbeitern von PA Consulting, einem privaten Auftragnehmer der Regierung, die ursprünglich verschlüsselten Daten entschlüsselt und dann auf den mobilen Speicher übertragen. Entsprechend machte Innenministerin Jacqui Smith macht das Unternehmen für den Datenverlust verantwortlich, berichtet die BBC(öffnet im neuen Fenster) . Die Übertragung unverschlüsselter Daten verstoße gegen Richtlinien des Ministeriums, die im Vertrag mit dem privaten Auftragnehmer festgehalten seien, so Smith.
Die Londoner Polizei hat inzwischen die Ermittlungen in dem Fall übernommen. PA Consulting selbst hat das gesamte Firmengelände nach dem Speicherstick abgesucht und die Aufnahmen der Überwachungskameras ausgewertet. Das Unternehmen arbeitet an mehreren Projekten für die Regierung. Es hat das JTrack-System entwickelt und arbeitet an dem umstrittenen Personalausweis mit. PA Consulting hat sich zu der Panne nicht geäußert.
Der stellvertretende Leiter der britischen Datenschutzbehörde (Information Commissioner's Office, ICO) sagte, es sei "sehr beunruhigend, dass nach einer Reihe von großen Datenverlusten und der Veröffentlichung von zwei Berichten über schwerwiegende Verstöße gegen das Datenschutzgesetz noch mehr persönliche Daten verloren gemeldet wurden" .
Der Verlust der Daten kann weitreichende Folgen haben. Sollten die Daten in falsche Hände geraten, befürchten die Behörden, dass mit ihrer Hilfe Informanten der Polizei enttarnt werden und dass erfasste Straftäter untertauchen könnten. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass Personen, die in den Datensätzen erfasst sind, von der Regierung Entschädigungen verlangen.
Im Juni 2008 hatte die Europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit (Enisa) eine Broschüre veröffentlicht, die über die Gefahren bei der Nutzung mobiler USB-Speicher aufklärt. Darin rät die Enisa die Daten auf mobilen Speichern durch Verschlüsslung zu schützen und den Speicher mit einem Passwortschutz zu versehen.



