EU-Kommission kündigt Pilotprojekt zu Open Access an

Offener Zugang zu Ergebnissen geförderter Forschung

Die EU-Kommission möchte den Zugang zu den Ergebnissen von mit EU-Mitteln geförderten Forschungsprogrammen verbessern. Im Rahmen eines gestern gestarteten Open-Access-Pilotprogramms sollen Aufsätze in Fachzeitschriften nach sechs bis zwölf Monaten öffentlich zugänglich gemacht werden.

Artikel veröffentlicht am , Julius Stiebert

Im Februar 2007 hatte die EU-Kommission eine Mitteilung über "wissenschaftliche Informationen im Digitalzeitalter: Zugang, Verbreitung und Bewahrung" (IP/07/190) veröffentlicht und darin Schritte zur Förderung von Open Access angekündigt. Nun macht die Kommission ernst. Am gestrigen 20. August 2008 wurde ein Pilotprojekt gestartet, das dafür sorgen soll, "dass die Ergebnisse der von ihr beim siebten Forschungsrahmenprogramm der EU (RP7) im Zeitraum 2007 bis 2013 mit 50 Milliarden Euro finanzierten Forschung möglichst weit und effektiv verbreitet werden, um eine optimale Nutzung und Wirkung dieser Ergebnisse in der Forschung und darüber hinaus zu erzielen".

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EU-Kommissar Janez Potocnik, zuständig für Wissenschaft und Forschung, erklärte aus diesem Anlass: "Ein einfacher und entgeltfreier Zugang zu den aktuellsten Erkenntnissen in strategischen Bereichen ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der EU in der Forschung. Dieses Open-Access-Pilotprojekt ist ein wichtiger Schritt für die Verwirklichung der 'fünften Freiheit', das heißt dem freien Verkehr von Wissen in den Mitgliedstaaten, auf Ebene der Forscher und der Unternehmen und in der breiten Öffentlichkeit. Darüber hinaus erhalten die Bürger auf diese Weise einen angemessenen Gegenwert für die Finanzierung der Forschung durch EU-Gelder.

Nach dem Vorbild der Open-Access-Initiative der National Institutes of Health (NIH) in den USA sollen Forschungsaufsätze in Fachzeitschriften, die im Rahmen der EU-geförderten Forschung entstanden sind, nach einer Sperrfrist von sechs bis zwölf Monaten "für alle zugänglich gemacht werden". Dazu sollen die "Empfänger von Zuschüssen", das heißt die Forscher, ihre Artikel in einem Onlinearchiv hinterlegen und "alle erforderlichen Anstrengungen unternehmen, um den offenen Zugang zu diesen Artikeln je nach Forschungsbereich binnen sechs oder zwölf Monaten nach ihrer Veröffentlichung zu gewährleisten". Mit der Sperrfrist will die EU-Kommission den Fachverlagen, die in der Vergangenheit einen vehementen Lobbyismus gegen den Open-Access-Gedanken an den Tag gelegt hatten, einen ausreichenden Vorsprung geben, damit diese ihre Investitionen in die Begutachtung der Artikel und deren Publikation in Fachzeitschriften amortisieren können. Damit sich die Forscher auch an die Open-Access-Vorgaben halten, werden die Förderrichtlinien teilweise modifiziert und ergänzt.

Ab dem 1. September 2008 sollen weitere Details zum Open-Access-Pilotprojekt öffentlich zugänglich sein. Vorläufig ist das Projekt bis zum Ende des siebten Forschungsrahmenprogramm der EU (RP7) terminiert. Ob weitere Forschungsrahmenprogramme mit vergleichbaren Open-Access-Initiativen begleitet werden sollen, hat die Kommission nicht mitgeteilt. [von Robert A. Gehring]

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