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Datenschützer: Adressen aller Bundesbürger im Umlauf

"Wir sehen jetzt immer mehr von der Spitze des Eisbergs". Schleswig-Holsteins Landesdatenschützer geht im aktuellen Skandal um Datendiebstahl und illegale Kontenabbuchungen davon aus, dass "die Adressen der gesamten bundesdeutschen Bevölkerung" für Marketingzwecke im Umlauf sind. Zehn bis zwanzig Millionen Kontodaten würden von Callcentern für dubiose Geschäftspraktiken genutzt.
/ Achim Sawall
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Millionen Kundendaten werden beim Telefonverkauf, bei Glücksspielen, Preissauschreiben und bei Verkaufsbörsen im Internet abgeschöpft, erklärte Schleswig-Holsteins Landesdatenschützer Thilo Weichert der Süddeutschen Zeitung(öffnet im neuen Fenster) . "Wir sehen jetzt immer mehr von der Spitze des Eisbergs" , betonte er.

Am 12. August 2008 war der kriminelle Handel mit Kundendaten der Süddeutschen Klassenlotterie bekanntgeworden. Der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein erhielt eine CD mit 17.000 Datensätzen zugespielt, die auch Kontoverbindungen der aufgeführten Personen enthielten. Gleichzeitig häuften sich in den Verbraucherzentralen Beschwerden von Verbrauchern, denen ohne eine Einwilligung Beträge zwischen 30 und 100 Euro vom Konto abgebucht wurden. Wenig später räumte auch die Deutsche Telekom ein, dass in dem Unternehmen Kundendaten gestohlen wurden. Der Umfang ist hier noch unbekannt.

Ein aktuelles Beispiel für dreiste Callcenter-Praktiken nennt die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein: Eine Konsumentin aus Neumünster entdeckte auf ihren Kontoauszügen sechs illegale Abbuchungen, die sie bei ihrer Bank stornierte und rückbuchen ließ. Daraufhin wurde sie von der abbuchenden Firma angerufen, die sich mit der Rückbuchung einverstanden erklärte, jedoch nur, wenn die Geschädigte ein Zeitungsabonnement ordert. "Das ist schlichtweg Erpressung, die angezeigt werden sollte" , so Thomas Hagen, Sprecher der Verbraucherzentrale. "Was uns allerdings am meisten erstaunt ist die Dreistigkeit dieser Unternehmen, die klare datenschutzrechtliche Vorgaben missachten und offenbar keine Angst davor haben, für diese illegalen Machenschaften zur Verantwortung gezogen zu werden" , so Hagen.

"Äußerst beunruhigend" nannte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Bitkom, Bernhard Rohleder, die aufgetretenen Fälle von Datendiebstahl. Rohleder forderte im Gespräch mit der Berliner Zeitung(öffnet im neuen Fenster) eine schnelle Aufklärung. Um solche Praktiken wirkungsvoller zu bekämpfen, müsse die finanzielle und personelle Ausstattung des Bundesdatenschutzbeauftragten verbessert werden.


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