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GC 08: "Spielkonsolen sind so gut wie tot!"

Branchenquerdenker Alex St. John kündigt in Vortrag Ende der Konsolen an. Alex St. John, Miterfinder von DirectX und jetzt Chef der Onlinespielefirma Wild Tangent, gilt in der Branche als unbequemer Querdenker. Auf der Developers Conference in Leipzig hat er vor der internationalen Entwicklerszene mit ungewöhnlichen Thesen für Furore gesorgt: Im Jahr 2020 hätten Spielkonsolen keine Bedeutung mehr – dann gebe es nur noch persistente Onlinewelten.
/ Peter Steinlechner
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GCDC 2008 Panel Gaming in 2020
GCDC 2008 Panel Gaming in 2020 (10:01)

Auf solche Überlegungen stützt Alex St. John – früher bei Microsoft einer der Väter von DirectX und jetzt Chef des Onlinespieleanbieters Wild Tangent(öffnet im neuen Fenster) – seine Thesen darüber, welchen Weg die Spielebranche in nächster Zeit einschlagen wird. "Gaming in 2020" hieß der Vortrag, den er im Rahmen der Developers Conference bei der GC 2008 gehalten hat. Höhere Einnahmen für die Branche sind nur eines der Themen von St. John. Ein anderes: Der Hard- und Softwaremarkt für Konsolen sei schon so gut wie tot – die Spieleplattform der Zukunft sind angeblich Onlinewelten und digitale Vertriebskanäle für offene Systeme wie den PC.

"Im Jahr 2020 wird der Spielemarkt vollständig von persistenten Welten dominiert, und kein Mensch braucht mehr Konsolen, um illegale Kopien zu verhindern" , sagte Alex St. John. Für ihn sind Xbox 360 und Playstation 3 nicht viel mehr als Anti-Schwarzkopie-Geräte. Diese Daseinsberechtigung gelte aber mit jedem zusätzlichen Onlinespiel und jeder weiteren virtuellen Welt immer weniger, denn Bankeinzug und Kreditkarte verhindern als inoffizielle Onlineregistrierung viel wirksamer, dass unrechtmäßige Versionen gezogen werden können. Deshalb seien Konsolen nicht mehr nötig, und die Entwickler und Publisher würden die rund 15 Prozent Lizenzgebühr lieber in die eigene Tasche stecken, statt in die von Nintendo, Microsoft und Sony.

Bislang waren laut St. John die Möglichkeiten, Onlinespiele zu vermarkten, auch deshalb eingeschränkt, weil es keine wirklich massenmarkt- und taschengeldtauglichen Bezahlsysteme gegeben habe. Das aber ändere sich derzeit dramatisch, etwa wegen Micropayment per Handy oder anderen neuen Methoden. Er verweist auf den asiatischen Markt, wo solche Bezahlsysteme schon länger etabliert sind und dazu geführt hätten, dass PC-Onlinespiele aller Art die Singleplayertitel so gut wie vollständig verdrängt hätten. Angesichts dessen helfe es den Konsolenherstellern auch nicht, selbst Onlinespiele anzubieten. Im Gegenteil, so St. John: "Je schneller die Konsolen sich auf Online zubewegen, desto schneller sterben die Geräte aus, weil die Hersteller ihre eigenen Handelskanäle trockenlegen – und ohne die können sie nicht überleben."

Das größte Problem der PC-Plattform sei derzeit noch das der Hardware – kein normaler Kunde würde wissen, was für eine Grafikkarte oder wie viel Speicher im Rechner stecken. Künftig allerdings lasse sich durch einfache Kompatibilitätstests im Webbrowser prüfen, ob das Spiel läuft oder nicht. "Übrigens kann man keinen PC mehr kaufen, der nicht zumindest die Grafikqualität einer Wii zustande bringt" , sagte Alex St. John. Und er verwies besonders auf die Verkaufszahlen der Laptops – allein in den USA wurden 2007 laut den Marktforschern von IDC rund 31,6 Millionen Laptops verkauft. Das sind ungefähr so viele Geräte, wie von Xbox 360, Playstation 3 und Nintendo Wii insgesamt auf dem nordamerikanischen Markt abgesetzt wurden. Die öffentliche Wahrnehmung sei allerdings eine andere, denn Laptops würden nach den Sommerferien gekauft, und nicht im Weihnachtsgeschäft mit groß angelegten Werbekampagnen. Trotzdem hätten sie laut St. John einen echten Spielevorteil: "Laptops sind die einzigen Spielgeräte, die der Lehrer nicht konfisziert."


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