Zum Hauptinhalt Zur Navigation

GC 08: Was Frauen wollen

Auf der Developers Conference diskutierten Entwicklerinnen über neue Zielgruppen. Computerspiele sind was für Männer? Klar – aber nur zum Teil. Auf der Developers Conference während der Games Convention 2008 in Leipzig trafen sich weibliche Spieldesigner, um aus ihrer Sicht über die Branche zu diskutieren. An einigem, was Männer in Spielen mögen, ließen sie dabei kein gutes Haar.
/ Peter Steinlechner
302 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Alla Khramtsova vom Hamburger Entwicklerstudio Intenium(öffnet im neuen Fenster) kennt die Zielgruppe – schließlich gehört sie selbst dazu: "Die Frauen, die unsere Produkte spielen, denen ist das Spielen genauso wichtig wie Freunde und andere Hobbys." Und deshalb, meint sie, bevorzugen die allermeisten Frauen auch in Häppchen konsumierbare Jump-and-Run-Titel oder Programme wie Moorhuhn.

Laut während der Diskussion präsentierten Zahlen sind 74 Prozent der Casual-Games-Spieler in deutschsprachigen Ländern weiblich. Die anderen Spieleentwicklerinnen, die sich im Rahmen der Developers Conference getroffen haben, sehen es ähnlich wie Khramtsova. Das von der (männlichen) Spielefachpresse gerne beschriebene harte Zockerweibchen, das zum Frühstück ein Rudel männlicher Gegenspieler in Counterstrike verputzt und zum Abendessen mitmischt im World-of-Warcraft-Raid, ist für Khramtsova die große Ausnahme. Was beispielsweise heißen würde, dass CCP Games mit seinen Plänen für Eve Online kein großer Erfolg beschieden sein dürfte – es sei denn, auf den Raumstationen warten Halmawettbewerbe und Hundebabys.

GCDC 2008 Panel Women and Games
GCDC 2008 Panel Women and Games (05:32)

"Ich bin Nintendo so dankbar, weil sie den DS zu einem Spielgerät für Frauen und Mädchen gemacht haben – 29 der bestverkauften 50 Spiele sind speziell für Frauen gemacht" , berichtete Ariella J. Lehrer von Legacy Interactive(öffnet im neuen Fenster) . Darunter befinden sich Programme wie Nintendogs und andere Tiersimulationen sowie Musik- und Tanzspiele.

Lehrer sagte, dass sie Nintendo richtig dankbar sei, weil die Firma mit dem DS ein Spielgerät entwickelt habe, das wie für Frauen und Mädchen gemacht sei. Da mögen zottelige Hardcorefreaks entrüstet die Mähne schütteln – immerhin ist inzwischen ein sich selbst tragender und stetig wachsender Markt entstanden, der männlichen und weiblichen Spielentwicklern genug Geld einbringt, um davon leben zu können. Allerdings räumen auch die Diskussionsteilnehmerinnen ein, dass die Qualität vieler dieser Titel noch nicht überzeugt. "Wenn wir derart schlechte Spiele anbieten, wie es einige Firmen tun, dann machen wir nur unseren Markt kaputt. Wer ein- oder zweimal etwas Schlechtes gekauft hat, der ist als Kunde verloren" , sagte Lehrer.

Es gibt noch ein paar weitere Punkte, die wichtig sind, um mehr Frauen für Computerspiele zu begeistern. So sind sich die Diskussionsteilnehmerinnen einig, dass viele Frauen keine Lust haben, in den männlich geprägten Elektronikgroßmärkten einzukaufen und stattdessen viel lieber online zugreifen. Allerdings bevorzugt in Umgebungen, die dem weiblichen Stilempfinden entgegenkommen – ein düster gehaltener Onlineshop wie Steam gehöre da eher nicht dazu.

Margaret Wallace vom amerikanischen Entwicklerstudio Rebel Monkey(öffnet im neuen Fenster) war überzeugt, dass Frauen stärker als Männer Wert legen auf Titel, die modular (wie Die Sims) aufgebaut sind, und weniger auf linear angelegte Programme, etwa Ego-Shooter und Rollenspiele. Außerdem sollte Kommunikation mit anderen Spielern in Echtzeit möglich sein, und überhaupt gehöre ein gewisser sozialer Aspekt unbedingt dazu, wenn größere Markterfolge angestrebt werden.

Von dem, was männliche Spieler typischerweise vorgesetzt bekommen, hielten einige der Entwicklerinnen wenig. "Als Mutter von zwei Töchtern würde es mich beleidigen, wenn mir jemand ein Spiel mit den dort gängigen Rollenbildern anbieten würde" , sagte etwa Lehrer und meint damit Figuren wie Lara Croft. Khramtsova war ebenfalls überzeugt, dass Frauen generell mehr Realismus in Spielen erwarten, und stört sich ebenfalls an klischeehaften Models – und forderte auch schlicht mehr praktische Kleidung für weibliche Heldinnen.

 
Video: GCDC 2008 Panel Women and Games in HD (benötigt Flash 9, 5:32)

Relevante Themen