Midnight Club 4: Gegenverkehr im Gegenlicht von Los Angeles
Packende Wettrennen und Tuning ohne Ende in Midnight Club: Los Angeles. Der kleine Bruder von Grand Theft Auto wird erwachsen: In Midnight Club 4 rasen Spieler in getunten Rennschlitten durch ein atemberaubend echt wirkendes Los Angeles. Golem.de ist das Rennspiel für Xbox 360 und Playstation 3 schon ausführlich zur Probe gefahren.
Verdammtes Gegenlicht! Moment mal - Sonne in Midnight Club? Ausgerechnet in der Rennserie, die das "illegale Mitternachtswettrennen durch Offene-Welt-Städte"-Genre quasi erfunden hat und Vorbild für Titel wie Need for Speed Underground war? Ja, denn im vierten Teil wird es einen dynamischen Tag- und Nachtwechsel geben, während der Spieler in teuren Karossen und unter konsequenter Nichtbeachtung der Verkehrsregeln durch ein detailgetreu nachgebautes Los Angeles rast. Gegenverkehr auf dem Freeway? Egal - Hauptsache Erster. Auch sonst soll sich einiges tun im nächsten Teil der Reihe, den Publisher Rockstar Games(öffnet im neuen Fenster) offiziell "Midnight Club: Los Angeles" nennt und der im Oktober 2008 für Xbox 360 und Playstation 3 erscheinen soll; für die Entwicklung ist das Team von Rockstar San Diego zuständig. Golem.de hat sich das Spiel während einer Vorabpräsentation ausführlich angeschaut und selbst erste Runden unter der Sonne von Kalifornien gedreht.
Spieler übernehmen die Rolle eines jungen Mannes, den das Schicksal auf der Suche nach dem großen Glück nach LA verschlägt. Anfangs steuert er nur einen Mittelklassewagen - aber das ändert sich rasch. Die ersten beiden Rennen in Midnight Club sind fest vorgegeben und dienen als Tutorial. So erfahren virtuelle Lenkradkünstler erste Siege, und dass in den Wettkämpfen neben Geld auch Reputations-Punkte - kurz Rep-Punkte - winken. Mit den Dollars kauft der Spieler neue Vehikel und motzt sie auf. Die Rep-Punkte schalten nach und nach zusätzliche Autoklassen oder weitere Teile der Handlung frei - etwa einen für die Story relevanten Kontrahenten, oder eine der per Engine erzählten Zwischensequenzen. Letztere werden übrigens nicht so comichaft durchgestylt wie in Grand Theft Auto und wirken deutlich erwachsener. Trotzdem haben sie uns teilweise an diese Action-Rennspielreihe von Rockstar erinnert - und zwar an dessen ebenfalls in LA angesiedelte "San Andreas"-Episode, weniger an GTA 4.
Anders als in GTA 4 sollen in Midnight Club ausschließlich Autos und Motorräder fahren, die mitsamt Lizenz von echten Herstellern stammen. Und das ist fast wörtlich gemeint: Die Spielentwickler haben in vielen Fällen die Originaldaten aus den CAD-Programmen von Firmen wie Mercedes, Toyota oder Porsche erhalten. Und zwar nicht nur für die Karosserie, sondern auch für das Wageninnere - denn in einigen Sichtmodi und vor allem beim Tuning bekommt man auch Lenkrad, Sitze und Türverkleidungen zu sehen. Die meisten Fahrzeuge bestehen deshalb aus rund 100.000 Polygonen; allerdings sind längst nicht immer alle davon zu sehen.
Schrauber und Bastler dürften in Midnight Club 4 besonders auf ihre Kosten kommen, denn die Tuning-Möglichkeiten sind schier unbegrenzt. So gibt es laut Rockstar mehrere hundert Arten von Felgenformen - alles echte Markenware. Die Radkränze lassen sich in unterschiedlichsten Farben lackieren, mattieren und polieren, so dass letztlich ein paar Millionen unterschiedliche Varianten zur Verfügung stehen. Ähnliches gilt auch für den Rest der Karre: Es gibt glänzende, matte und Multicolor-Lacke in allen Farben und mit vielfältigsten Farbverläufen, Spoiler in allen Formen und Varianten, mehrere hundert Folien mit Flammen und Totenköpfen, die sich nach Belieben spiegeln, strecken und verzerren lassen. Nur Fuchsschwänze wird es nicht geben - wir haben extra danach gefragt. Wer sich übrigens aufs Brausen und nicht aufs Basteln konzentrieren will, kann ein vorgefertigtes Vehikel wählen und die Einstellmöglichkeiten mit Auswirkungen aufs Fahrverhalten per Knopfdruck vom Programm optimieren lassen.
Die meiste Zeit in Midnight Club 4 dürfte der überwiegende Teil der Spieler mit Wettrennen in den Straßen von Los Angeles verbringen. Wer schnell mal ein paar Dollar und Rep-Punkte verdienen möchte, sucht auf der Übersichtskarte oder direkt im Verkehr nach potenziellen Gegnern, die durch bunte Icons als solche markiert sind. Ein Druck auf die Lichthupe, und das Rennen kann sofort beginnen - und zwar ohne die Ladeverzögerung des Vorgängers. Es gibt mehrere Rennmodi, die an den Icons zu erkennen sind. Im Standardmodus markieren Punkte auf der eingeblendeten Minikarte und Rauchsäulen auf der Piste die nächsten Wegpunkte bis ins Ziel. In anderen Modi müssen die Spieler eine bestimmte Stelle am anderen Ende der Stadt erreichen - aber wie sie dorthin gelangen, ist ihre Sache. Außerdem sind Lieferaufträge oder ähnliche Missionen geplant, die für Abwechslung sorgen. Zu Fuß ist der Spieler allerdings nie unterwegs, und auch Waffen oder Kämpfe spielen keine Rolle.
Eine Neuerung ist der sogenannte "Windschatten"-Turbo. Wer einige Zeit direkt hinter seinem Kontrahenten fährt, der füllt damit - technisch wird das nicht weiter erklärt - das Windschatten-O-Meter um seine Geschwindigkeitsanzeige. Sobald die blinkt, hat der Spieler ein paar Sekunden Zeit, einen besonders starken Nachbrenner einzuschalten. Sinn des Ganzen: für besonders rasante Wettkämpfe und packende Überholmanöver zu sorgen. Zusätzlich gibt es auch einen normalen Turbo, der allerdings nur einmal pro Rennen verwendbar ist.
Die Spielestadt ist direkter dem Original nachempfunden, als es in GTA üblich ist. Straßen wie der Sunset Boulevard oder der Rodeo Drive tauchen mit ihren echten Namen auf, viele Gebäude und Reklametafeln sind ebenfalls direkt übernommen. Das Ganze wirkt wie ein Konzentrat der Metropole, wo einige Nebenwege und langweilige Gebäude fehlen, aber alles Wesentlich vorhanden ist. Das Gebiet reicht vom Strand im Stadtteil Santa Monica über die Viertel Beverly Hills und Hollywood bis nach Downtown mit seinen Bürotürmen und Wolkenkratzern - auch das Convention Center, wo die Spielemesse E3 stattfindet, ist enthalten.
In der von Rockstar präsentierten Version war noch nicht der finale Soundtrack. Der soll ausschließlich aus lizenzierten Songs bestehen, die Palette reicht von Reggae über Rock bis zu Hiphop - was allerdings genau aus den Boxen tönt, will der Publisher erst später bekanntgeben. Anstelle eines Radiosystems wie in GTA setzt Midnight Club 4 auf Playlists, in denen der Spieler bestimmte Stücke oder Stilrichtungen aussucht oder ausschließt. Das Programm soll einen umfangreichen Multiplayermodus enthalten, weitere Informationen will das Entwicklerteam noch nicht verraten.
Hierzulande erscheint Midnight Club: Los Angeles mit der englischen Originalsprachausgabe und Untertiteln. Kürzungen wird es wohl keine geben, Rockstar erwartet eine unproblematische USK-Altersfreigabe.
Video: Midnight Club Los Angeles - Trailer 2 in HD (benötigt Flash 9, 0:55)