Test: MSI Wind - Nachschub für ausverkauftes Aldi-Netbook

Medion Akoya Mini E1210 und das MSI Wind sind fast baugleich und auch ähnlich schwer: 1.145 Gramm brachte das U100 auf die Waage, 10 Gramm mehr als das Medion-Netbook. Das ist auf ein beim Akoya Mini nicht vorhandenes Bluetooth-Modul zurückzuführen.
Beim Aldi-Gerät ist ein 802.11n-WLAN-Modul verbaut, das deutlich schneller funkt. Die meisten Nutzer können bei einem Netbook sicher auf das schnelle WLAN verzichten. Das U100 funkt dadurch allerdings auch nicht im 5-GHz-Bereich. Wer dem überfüllten 2,4-GHz-Band entgehen will, für den ist das U100, wie viele andere Kleingeräte mit WLAN, keine Option.
Äußerlich gleichen sich die beiden Netbooks bis auf Farbe und Beschriftungen völlig, das MSI Wind U100 ist also eine echte Alternative zum bisher kleinsten Aldi-Rechner. Wir testen ein von MSI gestelltes Gerät, das mit 1 GByte RAM und einer 80-GByte-Festplatte bis auf die Funkmodule die gleiche Ausstattung wie der Medion-Rechner mitbringt.
Ausstattung
Die CPU ist, wie in den meisten Netbooks, ein Atom-Prozessor N270, der mit 1,6 GHz getaktet ist. Dem Prozessor stehen 1 GByte RAM zur Seite. Eine 80-GByte-Festplatte im 2,5-Zoll-Format nimmt Daten im U100 auf. Die Festplatte ist etwas anders aufgeteilt, als dies beim Medion-Netbook der Fall war. Die erste Partition hat 39 GByte und die restlichen 31 GByte sind der zweiten Partition zugeordnet. Über einen SD-Card-Slot lässt sich der Speicher erweitern. Dieser kann außerdem mit SDHC-Karten umgehen.
Das Aktivieren und Deaktivieren von WLAN und Bluetooth geschieht über die Tastenkombination Fn+F11. Beim ersten Druck aktiviert sich das WLAN, beim zweiten nur Bluetooth und beim dritten Druck sind beide drahtlosen Technologien aktiv. Wird schließlich ein viertes Mal Fn+F11 gedrückt, sind sowohl Bluetooth als auch WLAN deaktiviert. Begleitet wird dies durch eine Software, die entsprechende Bilder über den Desktop legt. Auch Statusänderungen der Helligkeit, Lautstärke und andere werden über das Tool angezeigt. Alternativ zeigen auch acht kleine LEDs an der Vorderseite den Status der Komponenten.
Aufrüsten lässt sich das Gerät übrigens offiziell nicht. Ein Aufkleber auf der Unterseite an einer Schraube droht mit Garantieverlust, sollte diese herausgedreht werden. Dabei ist der SO-DIMM-Slot im Unterschied zum Medion Akoya Mini noch frei. Die Speicherchips des Arbeitsspeichers sind fest auf das Board verlötet. Laut MSI verkraftet das Wind noch ein weiteres 1-GByte-Modul (DDR2-667), so dass der maximale Speicherausbau bei 2 GByte liegt. Wer das Netbook etwa mit einem UMTS-Modem ausrüsten möchte, dem bleibt nur ein USB-Stick, da kein Platz für ein Modem vorgesehen ist. Der getestete Huawei-USB-Stick, den etwa T-Mobile verkauft, ragt jedoch recht weit heraus. Dank Bluetooth lassen sich aber auch Mobiltelefone als Modems nutzen. Wer eine integrierte Lösung haben will, sollte eher Acers Aspire One ins Auge fassen, das bereits einen SIM-Card-Slot besitzt. Das Modem dafür ist allerdings noch nicht erhältlich. Gigabytes M912 hat immerhin einen ExpressCard/34-Slot. Dort lassen sich auch Modems unterbringen, die nur wenig aus dem Notebook herausragen.
Erstinstallation und Software
Beim ersten Start bot das MSI Wind eine Überraschung: Eine Sprachauswahl bot an, das Betriebssystem in verschiedenen Sprachen zu installieren. Das ist aber nur einmalig möglich. Diese Mehrsprachigkeit ist bei Windows XP Home nicht gegeben. Mit Hilfe eines Recovery-Programms wird nach der Auswahl das entsprechende Image eingespielt. Es dauert etwa eine halbe Stunde, bis das Gerät benutzt werden kann. Danach steht das Betriebssystem, wie beim Medion Akoya, löblicherweise inklusive Service Pack 3 bereit.
Der nur 600 Pixel hohe Bildschirm lässt sich nicht ohne Kompromisse nutzen. Am besten wird die Taskleiste auf automatisches Ausblenden gestellt. Das spart etwas Platz. Browser sollten um nicht benötigte Elemente erleichtert oder im Vollbild betrieben werden. Die installierte Office-2007-Demo bereitet etwas mehr Schwierigkeiten und zeigt, wie sehr moderne Anwendungen von hohen Auflösungen abhängig sind. Die für Office-Einsteiger sehr angenehmen Menüs verbrauchen inklusive des Lineals mehr als ein Viertel der Höhe des Bildschirms.
OpenOffice.org oder ältere Office-Anwendungen lassen etwas mehr Platz, sind allerdings nicht so übersichtlich. Hochauflösende Displays sind in Netbooks noch selten. Nur Gigabytes M912 bietet auf kleiner Fläche eine sehr hohe Auflösung von 1.280 x 768 Pixeln. Auf dem Desktop platziert MSI übrigens die Bildschirmlupe und weist darauf sogar auf dem Produktaufkleber hin, der die Handballenauflage ziert.
Handhabung
Das Trackpad ist verglichen mit Acers Aspire One deutlich besser. Die darunterliegende Tastenwippe lässt die rechte und linke Taste nur schwer erfühlen. Allerdings gewöhnt man sich schnell an das Manko. Gescrollt wird auf dem Trackpad indem der Finger in der oberen rechten oder unteren rechten Ecke platziert wird. Alternativ kann auch auf die Cursortasten ausgewichen werden. Da diese jedoch zu den besonders schmalen Tasten gehören, dauert es einige Zeit, bis diese blind benutzbar sind.
Da das Gerät recht handlich ist, neigt der Anwender schnell dazu, das Wind etwas unvorsichtiger zu behandeln, obwohl eine stoßempfindliche Festplatte verbaut ist. Großzügig dimensionierte Gummipuffer an der Unterseite dürften viele Stöße durch rauen Umgang abfangen, trotzdem sollte die Festplatte im Gehäuse nicht vergessen werden. Das Wind sollte wie ein normales Notebook behandelt werden.
Das zeigt sich auch bei der Entnahme des Akkus. Dieser sitzt recht fest und beim Griff um das Netbook, um den Akku zu entnehmen, fällt schnell auf, dass der Displaydeckel etwas nachgibt und das Netbook im geschlossenen Zustand am Display zusammengedrückt werden kann. Wird zu viel Kraft aufgewendet, um den Akku zu entnehmen, könnte dies durchaus Schäden hervorrufen. Der Akku selbst muss mit etwas Gefühl entnommen werden.
Akkulaufzeit und Leistungsaufnahme
Im normalen Betrieb, bei halber Helligkeit und aktiviertem WLAN hält das Gerät zwischen 2:10 und 2:40 Stunden durch. Je nach Lastsituation taktet MSIs Wind von 800 über 1.066 und 1.333 MHz bis hin zu seiner schnellsten Einstellung mit 1,6 GHz und sorgt somit trotz kleinem Akku für annehmbare Ergebnisse. In den Zwischenstufen verbleibt Intels Atom allerdings nur sehr kurz, etwa beim Verschieben von Fenstern innerhalb von Windows. Die CPU läuft auch im Netzbetrieb in der Regel mit 800 MHz.
Das Netzteil des MSI Wind ist deutlich kleiner als das des Medion Akoya, was jedoch nur seine Dimensionen betrifft, nicht die elektrische Leistung. 40 Watt liefert das MSI-Netzteil maximal. Selbst beim Laden des Geräts und unter Volllast werden diese allerdings kaum erreicht. Die Leistungsaufnahme liegt ohne Akku bei höchstens 20 Watt unter Last. Wird gleichzeitig der Akku geladen, kommt das Netbook mit 32 Watt schon etwas näher an die Netzteilobergrenze.
Wird das Gerät im heruntergefahrenen Zustand nur geladen, zieht das Netzteil gerade mal 15 Watt aus der Steckdose, die Ladeelektronik macht von dem starken Netzteil also keinen Gebrauch, wenn keine weitere Last anliegt. Dementsprechend dauert der Ladevorgang des Akkus mehr als zwei Stunden. Im Leerlauf (WLAN und Bluetooth aus, Display auf minimaler Helligkeit) begnügt sich das Netbook mit 12 Watt.
Benchmarks
Unterschiede zwischen Akkubetrieb und Netzteilbetrieb waren bei den Rechentests nicht auszumachen. Das Netbook drosselt also nicht übertrieben, wenn es unterwegs eingesetzt wird.
Die 2,5-Zoll-Festplatte gehört zu den schnelleren Laufwerken der Einstiegsklasse. Immerhin 47 MByte pro Sekunde werden auf der Festplatte erreicht. Im Durchschnitt sind es 37 MByte pro Sekunde. Die Netzwerkschnittstellen von Realtek gehören dafür nicht zu den schnellsten Vertretern. Das WLAN erreichte rund 2 MByte/s beim Empfang und 1,5 MByte/s beim Senden. Mit Fast Ethernet ließ sich die Gegenstelle auch nicht ausreizen, hier kam das Netbook auf 6,6 MByte pro Sekunde beim Empfang und 4,5 MByte/s sendend.
Der Kartenleser des MSI Wind ist dafür ordentlich. Der SDHC-Card-Slot erreicht rund 20 MByte pro Sekunde – deutlich schnellere SD-Karten gibt es noch nicht. Am USB-Port wurden 32 MByte pro Sekunde als Spitze gemessen. Eine externe Festplatte hatte keine Probleme, Daten mit im Schnitt 29 MByte pro Sekunde auf das Netbook zu spielen. Der USB-Port liefert zudem genug Strom, um die meisten externen Festplatten zu betreiben.
Einsatz unterwegs
Bei den 720p-Videos kommt Intels Atom nicht mehr mit, weder mit dem Videolan-Client noch bei Flash-Videos in 720p. Viel mehr als ein Bild pro Sekunde bei Flash-Videos kann der Rechner nicht bereitstellen, die Wiedergabe mit dem Videolan-Client stockt sehr häufig.
Der Lüfter sprang an warmen Sommertagen übrigens immer an, bleibt aber bei normaler Umgebungslautstärke kaum zu hören. In besonders ruhigen Umgebungen fällt der Lüfter genauso wie die Festplatte auf. Andere Notebooks sind deutlich leiser als MSIs Wind U100. Dafür bleibt das Netbook von MSI auch unter Last angenehm ruhig und wird kaum warm.
Zum Spielen unterwegs eignet sich das MSI Wind wie alle Netbooks nur bedingt. Für eine Runde Warcraft 3 ist Intels Chipsatzgrafik im kurzen Test trotzdem schnell genug gewesen. Bei Mehrspielergefechten dürfte das kleine Netbook allerdings nicht mehr so gut dastehen. Bei Unreal Tournament 2003 wird es knapp. In kleinen Leveln lässt sich noch spielen, in großen bricht die Bildrate in den Standardeinstellungen deutlich ein. Für den ein oder anderen Spieleklassiker reicht die Leistung also, allerdings kann die damals nicht genutzte Displayauflösung von 1.024 x 600 Pixeln zu Problemen führen.
Fazit
MSIs Wind U100 ist bereits erhältlich und kostet offiziell 399 Euro. Einzelne Händler sind jedoch schon dazu übergegangen, höhere Preise zu verlangen, und haben das Gerät nicht mehr auf Lager.