Test: Open-Source-Handy Openmoko Freerunner


Das fängt schon bei den teils wenig aussagekräftigen Symbolen an. Hinter den Zahnrädern etwa verbirgt sich nicht das Einstellungs-, sondern eine Übersicht der zuletzt geöffneten Programme. Daneben öffnet das Plus das Programmmenü, das Haus ist der Weg zurück zu diesem Startbildschirm. Am oberen Bildschirmrand gibt es dazu vier Schnellstartverknüpfungen. Ein Druck auf den Namen des Netzbetreibers öffnet eine kleine Übersicht über die laufenden Anwendungen.
Der Start der Applikationen ist immer deutlich verzögert. Gerade zum Anrufen ist dies nervig, da auch hier extra die Telefonanwendung gestartet werden muss, bevor gewählt werden kann. Die zeigt dann ein großes Zahlenfeld, über das die Rufnummer eingegeben werden kann. An der Tonqualität der Telefonate gibt es nichts auszusetzen.
Besonders absurd wird es, wenn man das Terminal nutzen möchte: Den unter Linux unentbehrlichen Schrägstrich kennt die Tastatur nämlich auch nicht. Also muss man ihn beispielsweise aus der Pfadangabe des Terminals kopieren und an den nötigen Stellen wieder einfügen. Allerdings kann der Schrägstrich selbst auf eine Taste gelegt werden, wofür aber eine Konfigurationsdatei(öffnet im neuen Fenster) bearbeitet werden muss. Im Terminal etwa können aber auch keine 1 oder 0 eingegeben werden. Außerdem versperrt diese Eingabemethode einen Großteil des Bildschirms. Eine QWERTY-Tastatur(öffnet im neuen Fenster) gibt es jedoch auch - die muss aber manuell eingerichtet werden.
Denn das Terminal auf dem Openmoko-Gerät ist nicht nur zum Spaß installiert. Da es keine grafische Möglichkeit gibt, die Einstellungen zu ändern, ist man auf die Textkonsole angewiesen. Schon um die Uhr zu stellen oder die Lautstärke festzulegen, müssen Befehle eingegeben werden. Soll WLAN aktiviert werden, so müssen die nötigen Einstellungen manuell per "iwconfig" vorgenommen werden. Ist das drahtlose Netzwerk per WPA verschlüsselt, so muss die WPA-Supplicant(öffnet im neuen Fenster) -Konfigurationsdatei editiert werden. GPRS muss ebenfalls manuell konfiguriert werden.
Die Konfiguration einzelner Komponenten ist auf aktuellen Linux-Systemen wesentlich komfortabler gelöst: Und damit wird auch klar, dass die Zielgruppe des Freerunners noch immer Linux-Enthusiasten sind. Durchschnittliche Smartphone-Kunden, eventuell gar ohne Linux-Hintergrund, werden durch die nötige manuelle Konfiguration hingegen klar abgeschreckt. Ein grafisches Konfigurationsprogramm(öffnet im neuen Fenster) ist zwar in der Entwicklung, muss aber erst nachinstalliert werden.
Als Alternative zu der Standardfirmware kann die Oberfläche Qtopia(öffnet im neuen Fenster) auf das Gerät installiert(öffnet im neuen Fenster) werden. Qtopia wurde von Trolltech für Embedded-Geräte entwickelt und nutzt daher natürlich die von Trolltech entwickelte Bibliothek Qt anstatt das Gtk aus der Gnome-Welt für die grafische Bedienoberfläche. Bisher unterstützt das getestete Qtopia 4.3.2 allerdings nur das Neo1973 und noch nicht den Freerunner. So funktioniert beispielsweise der Klingelton auf dem neuen Modell noch nicht.
Dafür wirkt Qtopia wesentlich übersichtlicher als das Gtk-Pendant und auch die Symbole sind aussagekräftiger. Ebenso wie bei der Originalfirmware sind bei Qtopia einige PIM-Anwendungen, Spiele und ein Mediaplayer enthalten. Ein Webbrowser fehlt. Schneller ist Qopia nicht: Auch hier starten die Anwendungen nur verzögert. Dafür gibt es zumindest einige Einstellungswerkzeuge - wenn auch nicht für WLAN - und mehrere Eingabemethoden. Die einfache Tastatur präsentiert nur die Buchstaben. Zusätzlich gibt es eine QWERTY-Tastatur. Die hat zwar einen Schrägstrich, aber auch zwei ALT- und zwei CTRL-Tasten, was dazu führt, dass die einzelnen Tasten sehr klein ausgefallen sind. Eine fehlerfreie Bedienung mit dem Finger ist so nahezu unmöglich.
Diese Tastatur arbeitet mit Vorschlägen, versucht also zu erkennen, welches Wort der Anwender tippen will. Leider können dem englischen Wörterbuch keine Einträge hinzugefügt werden. Was Qtopia nicht kennt, muss also immer komplett eingegeben werden. Zudem kann die Handschriftenerkennung verwendet werden, um direkt auf dem Display zu schreiben. Die ist zwar gewöhnungsbedürftig, führt mit etwas Übung aber zum besten Ergebnis.
Eine gute Anlaufstelle für die Arbeit mit dem Freerunner ist das Openmoko-Wiki(öffnet im neuen Fenster) . Dort finden sich viele Informationen und Anleitungen, die jedoch noch nicht alle auf den Freerunner zugeschnitten sind.
128 MByte SDRAM sowie 265 MByte NAND-Flash stecken in dem Gerät, dessen Design ganz sicher nicht jedermanns Geschmack ist. Der Speicher kann mit einer Micro-SD-Karte erweitert werden. Die Bedienung erfolgt über den farbkräftigen 2,8-Zoll-Touchscreen, der eine VGA-Auflösung von 480 x 640 Pixeln bietet und bis zu 65.536 Farben darstellt. Darüber läuft die gesamte Bedienung, eine Handytastatur gibt es nicht. Der Freerunner unterstützt die GSM-Netze 850, 1.800 sowie 1.900 MHz und beherrscht lediglich GPRS. Auf das schnellere EDGE, UMTS oder gar HSDPA muss man verzichten.
Verpackt ist das alles in dem 120 x 62 x 18 mm großen Plastikgehäuse, das inklusive Akku 145 Gramm wiegt und gut in der Hand liegt. Zu den Akkulaufzeiten macht der Hersteller keine Angaben. Im Test hielt das Gerät bei starker Nutzung zwei Tage durch.
Fazit:
Für das Geld gibt es einen kleinen Linux-Rechner mit GSM-Funktion. Genau das ist der Openmoko Freerunner derzeit. Die Hardware bietet im Zusammenspiel mit Linux viel Potenzial, so dass unzählige Szenarien denkbar sind. Linux-Fans werden daran ihre Freude haben und in kritischen Umgebungen sind dank der offenen Architektur komplett angepasste Lösungen denkbar.
Ein Linux-Smartphone für den Massenmarkt ist der Freerunner hingegen nicht. Wer als normaler Nutzer an einem Mobiltelefon mit Linux-Betriebssystem interessiert ist, sollte daher auf die ersten Android - und LiMo -Geräte warten und hoffen, dass diese benutzerfreundlicher sind. Jetzt bleibt abzuwarten, was die Community aus dem Freerunner macht.
| |
| Video: Openmoko Neo Freerunner in HD (benötigt Flash 9, 2:12) |



