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Angetestet: Samsung SGH-i900 Omnia mit 5-Megapixel-Kamera

Windows-Mobile-Smartphone mit GPS-Empfänger, 8 GByte Speicher und WLAN. Samsung bringt mit dem SGH-i900 Omnia ein neues Windows-Mobile-Smartphone auf den deutschen Markt. Es bietet neben einer 5-Megapixel-Kamera mit Autofokus und vielen Motivprogrammen einen erweiterbaren Speicher von 8 GByte, WLAN, HSDPA und ein GPS-Modul. Der Startbildschirm lässt sich mit Widgets dekorieren. Golem.de hat sich den Neuling näher angesehen.
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Wer als Hersteller einem Gerät den Namen Omnia verpasst, muss einiges bieten. Denn Omnia stammt aus dem Lateinischen und bedeutet alles. Und in der Tat hat sich Samsung nicht lumpen lassen und eine ansehnliche Ausstattungsliste für das 112 x 58 x 13,6 mm große und 125 Gramm schwere und gut verarbeitete Windows-Mobile-Smartphone entworfen. So verfügt das Omnia über 8 GByte internen Speicher, der per Mico-SD-Karte um weitere 16 GByte aufgestockt werden kann.

Flotte Kamera
Das Smartphone verfügt über eine 5-Megapixel-Kamera mit Autofokus, LED-Blitz und elektronischem Bildstabilisator. Per GPS ist Geotagging möglich, d.h. die Kamera merkt sich die Geodaten, an denen die Aufnahme entstand. Da die Funktion relativ viel Energie braucht, lässt sie sich nach Bedarf ein- oder ausschalten.

Bei den zahlreichen Motivprogrammen stehen Sport, Kerzenlicht oder Feuerwerk zur Wahl. Zudem gibt es einen Lächelmodus, in dem die Kamera automatisch auslöst, sobald ein Gesicht im Bildausschnitt lächelt. Der Weißabgleich lässt sich aus verschiedenen Voreinstellungen auswählen, außerdem gibt es die Möglichkeit, ein Makro oder ein Panoramafoto zu schießen. Die Einstellung ist denkbar einfach: Links und rechts neben dem Motiv befinden sich verschiedene Menüoptionen, die durch einfaches Drücken aktiviert werden. Umständlicher gestaltet sich das Aktivieren der Geotagging-Funktion, die in den tieferen Ebenen unter Einstellungen zu finden ist.

Die Kamera löst binnen einer Sekunde aus, was für eine solche Kamera als zügig gilt. Dabei sorgt ein Autofokus für scharfe Bilder. Gelungen ist die Panoramafunktion: Der Nutzer fokussiert, drückt einmal ab und zieht anschließend das Smartphone als Panoramaansicht weiter – für die folgenden Bilder löst die Kamera automatisch aus, wenn die Nahtstelle zwischen den Bildern erreicht ist. Damit entfällt das fummelige Aneinanderpuzzeln der Einzelbilder. Die Farben werden naturgetreu wiedergegeben. Sämtliche Fotos lasen sich – anders als beispielsweise bei Sony Ericsson oder Nokia – nicht direkt in ein Fotoblog stellen. Der Versand ist nur via MMS, E-Mail oder Bluetooth möglich.

Selbst Visitenkarten lassen sich scharf fotografieren. Wer die Daten auch gleich automatisch für das Adressbuch aufbereiten will, sollte nicht über die Kamera gehen, sondern das Programm Smart Reader aufrufen. Das liest eine Visitenkarte und versucht, die Adressfelder richtig zuzuordnen – mit mittelmäßigem Erfolg. Bei fast allen Feldern muss der Anwender manuell korrigieren.

Als weitere Multimediafunktion steht der Windows Media Player zur Verfügung, der neben MP3-, WMA- und WAV- und AAC-Dateien auch die kopiergeschützten Dateiformate OMA DRM und Windows Media DRM abspielt. Ein Radio ist ebenfalls integriert. Die Musik gelangt drahtlos per Stereo-Audio-Streaming (A2DP) über Bluetooth auf entsprechende Geräte.

Widgets
Eine Neuerung nennt sich Widgets und ist auch auf dem SGH-F480 zu finden. Mit dieser Funktion können ganz bestimmte Funktionen schnell aufgerufen werden. Dazu hat Samsung am linken Displayrand eine Liste mit 15 Icons hinterlegt, die der Nutzer auf den Startbildschirm ziehen kann. Drückt er noch einmal auf das Widget, öffnet sich das dahinterliegende Programm, beispielsweise das Spielemenü oder die Möglichkeit, einen neuen Kontakt einzutragen. Auch WLAN 802.11 b und g lässt sich darüber aktivieren und deaktivieren. Außerdem lässt sich eine Uhr auf den Desktop des Smartphones schieben – in analoger oder digitaler Form. Ein Wetter-Widget gibt es allerdings nicht, wie es beispielsweise auf dem iPhone oder bei den HTC-Geräten wie dem Touch oder dem Touch Diamond Standard ist.

Der Nutzer kann sich beliebig viele Icons auf das Display ziehen und an jeder Stelle ablegen. Sogar mehrere Icons übereinander lassen sich stapeln. Doch optisch sieht das nach Kraut und Rüben aus. Die bessere Lösung besteht darin, sich nur bis zu drei Widgets auf den Bildschirm zu ziehen und die restlichen Funktionen erst dann aufzurufen, wenn diese benötigt werden. Schön wäre es, wenn der Nutzer mehrere Bildschirmseiten zur Wahl hätte, um darauf mehr Widgets zu platzieren. Doch Samsung bietet nur eine Bildschirmseite, auf der alle Informationen Platz finden müssen.

Samsung will dem Anwender in Zukunft auch die Möglichkeit bieten, eigene Widgets zusammenzustellen. Das kann jedoch noch ein halbes Jahr bis ein Jahr dauern, erklärte ein Produktmananger von Samsung auf Nachfrage.

Sensibler Touchscreen

Das Display des Omnia bietet eine Auflösung von 240 x 400 Pixeln bei 65.536 Farben und ist mit 43 x 70 mm sehr groß, aber immer noch kleiner als das des iPhones. Auch die Darstellungsqualität steht weit hinter der des iPhones zurück: Zwar passt sich die Helligkeit automatisch dem Umgebungslicht an – das hilft, den Akku zu schonen. Aber bei praller Sonne ist der Kontrast zu schwach und die Lichtstärke reicht nur schwer aus, um auch noch Details auf dem Bildschirm gut zu erkennen. Als Sucher für die Kamera eignet sich das Display dann nur noch bedingt. Immerhin reagiert der Bewegungssensor in allen Programmen und nicht wie im iPhone nur in einer kleinen Auswahl. So lassen sich beispielsweise Webseiten, E-Mails oder das Navigationsprogramm Route 66 hochkant oder quer betrachten – je nachdem, wie der Nutzer das Smartphone hält.

Der Touchscreen reagiert recht zügig – vorausgesetzt, man tippt nicht zu fest. Problematisch wird es an den Rändern: Dort verweigert der Touchscreen häufiger den Dienst. Abhilfe schafft hier die Fingermaus, die der Nutzer im Menü aktivieren kann. Sie wird über das kleine schwarze Touchpad unter dem Display bedient und lässt sich präziser steuern, als man es mit dem Finger zuwege bringt. Damit macht die Bedienung Spaß.

Für die Eingabe von Texten gibt es keine Tastatur, dies geschieht über den Touchscreen. Dazu liefert Samsung einen Stylus mit, der sich allerdings nicht in einem speziellen Schacht im Gerät ablegen lässt, wie es normalerweise üblich ist. Samsung bietet die Möglichkeit, den Stylus mit einem Bändchen an eine am Gerät befindliche Öse zu befestigen – dann baumelt der Stylus freischwebend, aber immerhin griffbereit am Gerät. Ob der Nutzer das elegant findet, ist Geschmackssache. Auf jeden Fall besteht die Gefahr, dass das Bändchen reißt und der Stift verloren geht.

Verbesserungswürdig – GPS

Der integrierte GPS-Empfänger löst keine Begeisterung aus – aus zwei Gründen: Erstens dauert es nach dem Start des Navigationssystems jedes Mal erst einmal gut 5 Minuten, bis das Gerät die Position geortet hat. Und zweitens wird mit Route 66 Mobile Navigator 8 nicht gerade eine sehr bedienerfreundliche Navigationssoftware mitgeliefert. Um zu den Funktionen wie Route planen oder Einstellungen zu gelangen, muss der Nutzer unten links auf ein wenig aussagekräftiges Icon klicken – dort findet er alle Funktionen. Will er zu einer Adresse gelangen, gibt er in das Suchfeld direkt Stadt und Straße ein. Eigene Felder für Stadt und Straße, wie sie bei TomTom- oder Navigon-Geräten Standard sind, findet der Nutzer bei Route 66 nicht. Damit erscheint das Lotsensystem auf den ersten Blick nicht intuitiv. Nach ein bisschen Einarbeitungszeit lässt sich Route 66 jedoch gut nutzen.

Die Standardfunktionen Navigieren, Route planen sowie Suchen nach Favoriten, Sehenswürdigkeiten oder Längen- und Breitengrad sind vorhanden. Der Nutzer kann auch nach Einträgen aus dem Mobiltelefonadressbuch suchen. Ebenfalls praktisch ist, dass der Nutzer den Kartenausschnitt, seine GPS-Position oder eine Routenbeschreibung direkt aus der Software heraus per E-Mail oder Bluetooth verschicken kann. Verkehrsinfos, Reiseführer, Farbschemata, Karten oder Stimmen kann sich der Nutzer via Mobiltelefon direkt aus dem Route-66-Shop aufs Gerät laden – diese Services sind jedoch alle kostenpflichtig. Gratisverkehrswarnungen via TMC bekommt der Nutzer damit nicht. Eine Routenberechnung dauert gute 10 Sekunden, das Rerouting, wenn der Nutzer sich verfahren hat, nur zwei bis drei Sekunden.

Neu bei Windows Mobile 6.1

Im SGH-i900 Omnia kommt Windows Mobile in der Version 6.1 in der Professionalausführung zum Einsatz. Damit werden Kurzmitteilungen nun in einer Chatansicht dargestellt, wie es etwa die Treo-Smartphones oder das iPhone vormachen. Dadurch können SMS-Unterhaltungen mit einer Person leichter nachvollzogen werden.

Eine minimale Verbesserung hat auch der Internet Explorer Mobile erfahren: So zeigt er nun eine Webseite auch im Miniaturformat an. Ein schwarzer Rahmen zeigt, auf welchem Seitenabschnitt sich der Nutzer gerade aufhält. Der Rahmen lässt sich verschieben, so dass der Anwender auf diese Art und Weise schnell an die richtige Stelle der Seite springen kann. Diese Funktion kennt man unter anderem von Nokias Webbrowser oder von Opera Mobile.

Letzteren hat Samsung dem Smartphone spendiert, so dass der Anwender damit wesentlich komfortabler unterwegs das Web nutzen kann. Außerdem zeigt Opera Mobile Webseiten zügiger an als der Microsoft-Browser. In einem Kurztest wurde die Golem.de-Homepage über eine HSDPA-Verbindung mit Opera Mobile in 12 Sekunden dargestellt. Der Internet Explorer Mobile brauchte dafür 17 Sekunden und damit 5 Sekunden länger.

Als weitere Neuerung bietet Windows Mobile 6.1 nun die Möglichkeit der Gerätefernwartung. Mit dem System Center Mobile Device Manager (SCMDM) lassen sich die Geräte durch firmeneigene IT-Administratoren verwalten. Mit dem SCMDM sowie dem Exchange Server 2007 SP1 können IT-Administratoren beispielsweise Richtlinien für die einzelnen Geräte der Mitarbeiter festlegen, Zugriffsrechte regeln oder bestimmte Webseiten sperren.

Natürlich lassen sich mit dem SGH-i900 Omnia auch Telefonate führen. Das erledigt wie üblich bei Smartphones die Telefonapplikation. Darin findet er eine Handytastatur zum Wählen und den Zugriff auf das Telefonbuch, die Bedienung geht einfach von der Hand. Zudem hat sich Samsung große Mühe gegeben und alles grafisch aufbereitet. Zu jedem Anruf lassen sich pfiffigerweise Notizen speichern – das ist eine gute Idee, die jedoch nicht zu Ende gedacht ist: Schön wäre es nämlich, wenn die Notizen erscheinen würden, sobald der entsprechende Kontakt anruft. Das passiert aber nicht.

Das HSDPA-Smartphone funkt außer im UMTS-Netz auf den vier GSM-Netzen 850, 900, 1.800 sowie 1.900 MHz und unterstützt neben EDGE auch GPRS der Klasse 12.

Der Hersteller gibt die Gesprächszeit des Akkus mit bis zu 10 Stunden im GSM-Netz und bis zu 6,5 Stunden im UMTS-Netz an. Im Stand-by-Betrieb hält der Akku knapp 18 Tage im GSM-Netz und rund 19 Tage im UMTS-Netz, bevor der Akku wieder geladen werden muss.

Seit dem 6. August 2008 soll das Samsung SGH-i900 Omnia mit 8 GByte Speicher für 649 Euro ohne Mobilfunkvertrag bei allen Netzbetreibern zu haben sein. Eine 16-GByte-Variante soll es exklusiv bei T-Mobile geben. Einen Preis nannte Samsung noch nicht.

Fazit:
Samsung hat ein gut ausgestattetes Smartphone entwickelt. Auf der Habenseite findet sich die 5-Megapixel-Kamera, die schnell gute Fotos produziert. Wer Wert auf Bedienkomfort legt, wird sich mit den Widgets anfreunden und die Fingermaus lieben. Verbindungen per WLAN, HSDPA oder Bluetooth erleichtern den Büroalltag, die Telefonfunktionen, insbesondere die Notizfunktion, sind ebenfalls alltagstauglich.

Auf der Negativseite stehen der nicht immer reaktionsfreundliche Touchscreen, die verwirrenden Menütiefen von Windows Mobile 6.1 und die optische Aufmachung der eigentlich sehr nützlichen Widgets.


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