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Test: Eee-PC 901 - Dauerläufer mit Atom-Prozessor

Das erste Netbook mit über fünf Stunden Laufzeit. Mit dem Eee-PC 701 hat Asus die Kategorie der Netbooks definiert – die ersten Mini-Notebooks mit Intels neuem Atom-Prozessor brachten jedoch andere Hersteller auf den Markt. Erst jetzt zieht Asus mit dem Eee-PC 901 gleich, der von Grund auf neu entworfen wurde. Die längere Entwicklungszeit hat Asus genutzt, um das Netbook mit der bisher längsten Akkulaufzeit zu bauen.
/ Nico Ernst
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Seit knapp einem Jahr werden die kleinen, günstigen und leichten Mini-Notebooks weltweit verkauft, in Deutschland kam der Eee-PC 701 erst Ende Januar 2008 auf den Markt, bald gefolgt vom Eee-PC 900 . Und auch wenn Asus mit den schnellen Modellwechseln manchen Kunden verärgert hat, schlägt sich der Erfolg der Netbooks inzwischen auch in den Zahlen der Marktforscher nieder. So ist Asus nach den aktuellen Analysen von Gartner in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) der fünftgrößte PC-Hersteller.

In der EMEA-Region sind die Netbooks besonders beliebt, sie machen laut Gartner bereits fünf Prozent aller von Asus gelieferten Mobilrechner aus. Mit so viel Vorsprung konnte Asus auch Medion und dessen Originalhersteller MSI mit dem Medion E1210 die Vorstellung des ersten Netbooks mit Atom-CPU überlassen.

Der neue Prozessor war für Asus Anlass, das Design des Eee-PC nach den Modellen 701 und 900 komplett zu überarbeiten. Der Eee-PC 901 weist zwar annähernd denselben Formfaktor wie das Modell 900 auf, bis auf die Tastatur haben sich jedoch nahezu alle Bestandteile geändert. Auch die Ausstattung wurde deutlich aufgewertet, unter anderem ist nun Bluetooth 2.0 serienmäßig vorhanden, was vor allem deutsche Käufer für die Kopplung eines Handys vermisst hatten.

Dabei hat Asus den Listenpreis gegenüber dem Eee-PC 900 auch etwas gesenkt: Kam dieser noch für 399 Euro auf den Markt, so soll die Version 901 zu Beginn nur noch 379 Euro kosten. In Deutschland erscheint das Gerät laut Asus auf den offiziellen Vertriebswegen nur mit vorinstalliertem Windows XP und 12 GByte großen SSDs am 18. August 2008. Wir testen ein Vorserienmodell mit englischer Tastatur, das jedoch 20 GByte SSD-Speicher besitzt.

Konstruktion

Auf den ersten Blick wirkt der Eee-PC 901 durch seine Größe wie ein typisches Netbook, einzig die weiße Farbe und das große "Eee"-Logo" auf dem Displaydeckel deuten jedoch noch auf die Verwandtschaft mit den ersten Eee-PCs hin. Der Name des Herstellers findet sich nur noch auf dem Typenschild auf der Unterseite. Die stark gerundeten Ecken und die glänzende Oberfläche des Deckels – die aber nicht sehr schmutzempfindlich ist – lassen das Mini-Notebook sehr viel bulliger und dicker wirken, als es eigentlich ist.

In der Tat ist der Eee-PC 901 mit 36 Millimetern an der dicksten Stelle gegenüber den 38,7 Millimetern des Eee-PC 900 sogar etwas dünner geworden. Mit 22,5 x 17 cm ist der Eee-PC 901 aber einen halben Zentimeter tiefer als das Modell 900.

Die Ziffer neun in der Modellnummer weist schon darauf hin, dass Asus weiterhin ein 8,9-Zoll-Display mit 1.024 x 600 Pixeln verbaut. Darüber sitzt nun die bekannte Webcam mit 1,3 Megapixeln. Die charakteristischen Scharniere mit Aluverzierungen sind nicht mehr an den äußersten Seiten des Displays angebracht, sondern leicht nach innen versetzt. An der Unterkante sitzen nun auch Stereomikrofone, die aber recht leise aufnehmen, jedoch nur wenig Störgeräusche mitnehmen.

Nicht geändert hat sich die Tastatur: Sie ist in einem Raster von 16 Millimetern ausgeführt, was Zehn-Finger-Schreiben nahezu unmöglich macht. Die Tasten verfügen aber immer noch über einen sehr klaren Anschlag und sind flach gehalten, so dass man sich an das Eingabegerät gewöhnen kann. Das Tastenfeld biegt sich auch bei stärkerem Druck nicht durch, so dass man mit spitzen Fingern und hartem Anschlag eine brauchbare Tipptechnik entwickeln kann. Wie bei anderen Netbooks ist die Tastatur gegen einige Tropfen Flüssigkeit durch eine darunter liegende Wanne geschützt.

Edel eingefasst durch einen Alurahmen, der auch die Maustasten darstellt, ist das neue Touchpad von 67 x 37 mm Größe. Es erreicht damit schon fast das Format von 15-Zoll-Notebooks. Der Mausersatz ist leicht aufgeraut, die Tasten sind nun zweigeteilt und auch über die Gehäusekante geführt. Sie lassen sich damit sehr intuitiv erreichen, gegenüber herkömmlichen Notebooks muss man sich kaum umstellen.

Ebenfalls sehr wertig wirkt die neue silberne Leiste mit den Funktionstasten oberhalb der Tastatur. Neben dem Einschalter gibt es zwei Tasten für die Bildschirmauflösung und den Stand-by-Modus sowie zwei frei belegbare Knöpfe, mit denen sich Anwendungen starten lassen.

Besser beleuchtetes Display

Asus macht keine Angabe zur Helligkeit des neuen Displays. Im direkten Vergleich mit dem Eee-PC 900 wirkt es aber deutlich heller. Zusammen mit der matten Oberfläche ist es an hellen Sonnentagen im Schatten noch brauchbar für den Außeneinsatz. Im direkten Sonnenlicht sind die Bildschirminhalte jedoch nicht mehr lesbar – das schafft bisher unter den Netbooks nur das Gerät von Medion/MSI.

Über die zweite Funktionstaste in der silbernen Leiste kann die Auflösung auch direkt umgeschaltet werden, alternativ kann man ein vorinstalliertes Programm in der Systray von Windows XP neben der Uhrzeit verwenden. Darüber ist dann auch der "Compressed Mode" zu erreichen, bei dem 1.024 x 768 Pixel von der Grafiklogik auf die 600 Zeilen des Displays skaliert werden. Dabei wird der Bildschirmaufbau aber unbrauchbar langsam.

Die Schnittstellen ließ Asus an denselben Orten wie bei den bisherigen Eee-PCs: Links sitzen Sound, ein USB-Port sowie Ethernet. Dazwischen befindet sich ein neuer, deutlich größerer Luftauslass – obwohl der Atom-Prozessor deutlich weniger Leistung aufnimmt als die bisherigen Celerons. Dafür bleibt der Eee-PC 901 bei geringer Last auch unhörbar; hat die CPU viel zu tun, rauscht er jedoch deutlich wahrnehmbar. Dabei sind aber Störgeräusche des Lüfters selbst nicht auszumachen, so dass das Geräusch insgesamt nur wenig stört.

Vorne rechts befindet sich der Slot für SD-Karten, der auch SDHCs aufnimmt, dahinter zwei USB-Ports und der VGA-Ausgang. Neben diesem wiederum befindet sich der Stromanschluss, er ist also nicht mehr an der Rückseite angebracht. Diese wird vollständig vom neuen Akku mit 6.600 Milliamperestunden bzw. 48,8 Wattstunden aufgenommen. Bedingt durch das vergleichsweise hohe Gewicht des 6-Zellen-Stromspenders von 325 Gramm wiegt der Eee-PC 901 betriebsbereit 1.135 Gramm – die Zeiten der Netbooks unter 1 kg sind offenbar vorbei.

An der Unterseite des neuen Eee-PCs hat Asus nun eine große Klappe angebracht, die mit nur zwei Schrauben leicht zu öffnen ist. Darunter sind nun nicht mehr nur die Steckplätze für Mini-PCIe-Karte und Speichermodul zugänglich, auch das WLAN-Modul liegt frei. Wie schon beim Eee-PC 900 ist der PCIe-Slot durch die zweite SSD mit 8 GByte belegt. Wie andere Netbooks besitzt auch der Eee-PC 901 keinen zweiten Slot für SO-DIMMs, so dass man das alte Modul ausbauen muss, wenn die serienmäßigen 1 GByte DDR2-667-Speicher nicht reichen.

Hardwareausstattung und Benchmarks
Wie schon die Netbooks von Medion/MSI, Acer und Gigabyte setzt Asus auf Intels Diamondville-Plattform mit dem Atom N270 (1,6 GHz) und dem Chipsatz 945GME, der auch die integrierte Grafik stellt. Der Prozessor beherrscht HyperThreading, kann sich also wie eine Dual-Core-CPU gegenüber dem Betriebssystem darstellen. Das kann beispielsweise der Benchmark Cinebench R10 nutzen, der 835 Punkte erreicht. Der Single-Treaded-Test SuperPI braucht für eine Million Iterationen auf der Suche nach der Kreiszahl eine Minute und 39 Sekunden.

In puncto Rechenleistung ist der Eee-PC 901 damit im Rahmen der Messgenauigkeit genauso schnell wie andere Netbooks. Gegenüber dem Celeron mit – im Netzbetrieb – 900 MHz des Eee-PC 900 ist der Atom N270 beim Eee-PC 901 auch im mobilen Betrieb rund 10 Prozent schneller. Das reicht für Surfen auch auf mit Flash beladenen Webseiten und Youtube, die HD-Videos von Golem.de laufen auf dem neuen Asus-Mini aber nicht mehr flüssig.

Recht fix für ein Netbook sind die Schnittstellen und Massenspeicher des Eee-PC 901. Die erste SSD (Laufwerk C) von 4 GByte Größe erreicht 30 MByte pro Sekunde beim Lesen, die zweite auf dem PCIe-Modul noch 28 MByte/s. Auf 28 MByte/s kommen auch die USB-Ports, der SD-Slot noch auf 18 MByte/s.

Die für diese Preisklasse schnelle SSD sorgt auch dafür, dass Windows XP nach der Erstinstallation in 22 Sekunden bis zum Desktop bootet. Klappt man das Netbook zu, versetzt es sich in den Stand-by-Modus (ACPI S3, Save-to-RAM), woraus es nach dem Öffnen aber nicht von selbst erwacht. Ein Druck auf eine beliebige Taste, nicht nur den Einschaltknopf, reicht aber, um weiterarbeiten zu können.

Das neue 802.11n-Modul ist auch in einem 802.g-WLAN schneller als die bisher verbauten Funkbausteine: 2,8 MByte pro Sekunde erreicht es beim Kopieren über Windows-Freigaben. Das drahtgebundene Netz kommt in einem Fast-Ethernet auf 8,8 MByte/s und ist damit immer noch etwas langsamer als andere Lösungen. Beide Netzwerkelemente stammen von Atheros. Der neue Akku paßt nicht in bisherige Eee-PCs, deren Stromspender finden auch im Modell 901 keinen Platz.

Akkulaufzeit und Fazit

Mit einem Akku von 48,8 Wattstunden, der so auch mitgeliefert wird, ist der Eee-PC 901 das Netbook mit dem stärksten Stromspeicher auf dem Markt. Das schlägt sich auch in der Laufzeit nieder. Beim Surfen per WLAN und dem Installieren von Anwendungen mit mittlerer Displayhelligkeit hielt der Asus-Zwerg 5 Stunden und 12 Minuten durch. Unter Volllast unter 3DMark 2001 mit maximaler Helligkeit waren es noch 3 Stunden und 16 Minuten. Beides sind neue Rekordwerte für ein Netbook, das keine 400 Euro kostet.

Die langen Laufzeiten kommen nicht nur durch den starken Akku und den sparsamen Atom-Prozessor zustande, auch die gesamte Elektronik ist auf Laufzeit optimiert. So nimmt der Eee-PC 901 an der Steckdose bei ruhendem Desktop mit WLAN nur 14,1 Watt bei mittlerer Helligkeit auf. Dreht man die Beleuchtung ganz auf und lastet CPU und Grafik aus, so sind es 19 Watt.

Nicht nur aufgrund dieser sehr guten Werte ist der Eee-PC 901 bisher eines der überzeugendsten Netbooks. Zwar ist das Display immer noch nicht hell genug und die Tastatur sehr klein – beides sollte man aber auf jeden Fall selbst ausprobieren. In puncto Mobilität ist das Asus-Netbook derzeit kaum zu schlagen, die für Vielschreiber besser geeigneten Geräte von Medion/MSI und Acer haben aber viel kürzere Laufzeiten.

Damit kommt es bei der Entscheidung für ein Netbook mehr denn je auf den geplanten Einsatzbereich an. Als Immer-dabei-Gerät erscheint der Eee-PC 901 jedoch sehr verlockend.

Nachtrag vom 4. August 2008, um 13:00 Uhr:
Anders als hier ursprünglich berichtet, kommt der Eee-PC 901 in Deutschland nur mit zwei SSDs von 4 und 8 GByte Größe und damit insgesamt 12 GByte auf den Markt, wie Asus inzwischen mitteilte.


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