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OSM - von der Karte für Techniker zur Karte für alle

Vier Jahre OpenStreetMap. Vor zwei Jahren war das Projekt OpenStreetMap im deutschsprachigen Raum noch fast unbekannt. Heute gibt es für einige Teile der Welt schon äußerst detaillierte Karten, erstellt von Freiwilligen. Ausgerüstet mit GPS-Geräten oder einfach nur mit Ortskenntnis können Mapper helfen, die Lücken im Rest der Welt zu füllen.
/ Andreas Sebayang
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Aus Frust hat Steve Coast im Jahr 2004 das OpenStreetMap-Projekt gegründet. Er ärgerte sich über die hohen Preise von offiziellem Kartenmaterial. Vier Jahre später ist aus der kleinen Idee dank der Hilfe von tausenden von Freiwilligen eine große Karte geworden. Jeder kann sie frei nutzen, ob auf der eigenen Webseite, in kommerziellen Projekten oder aus privater Neugierde. Nur zwei Bedingungen(öffnet im neuen Fenster) müssen erfüllt sein: Das veränderte Kartenmaterial muss ebenfalls frei sein und der Urheber OpenStreetMap.org muss genannt werden.

Heute feiert(öffnet im neuen Fenster) das OpenStreetMap-Projekt (OSM) seinen vierten Geburtstag. Etwas spät, denn OSM ist bereits im Juli 2004 entstanden, aber auch die Feier des letzten Jahres(öffnet im neuen Fenster) wurde in den August gelegt. Wird die Registrierung der Domain als Anhaltspunkt des Projektstarts genommen, ist es sogar etwas zu früh. Die Domain OpenStreetMap.org existiert erst seit dem 9. August 2004(öffnet im neuen Fenster) .

Ein Blick in die Statistiken(öffnet im neuen Fenster) verrät, das mittlerweile mehr als 50.000 Nutzer dabei helfen, die freie Karte zu verbessern. 5.000 davon sind jeden Monat aktiv. Täglich kommen von den Mappern 25.000 km an Wegen hinzu. "We're on a road to everywhere" betitelt der Geschäftsführer der OSM-Foundation(öffnet im neuen Fenster) Andy Robinson alias Blackadder seine Übersicht(öffnet im neuen Fenster) zu OpenStreetMap. Frei übersetzt heißt das, dass das Projekt überall hin aufbricht und nicht zu stoppen ist.

Alle fünf Monate hat sich in der Vergangenheit die Nutzerbasis verdoppelt, so Robinson. Ende 2009 rechnet er mit zehnmal so vielen aktiven Nutzern. Die dürften es dann auf 200.000 km pro Tag bringen. Ein nicht unerheblicher Teil davon stammt bisher aus dem deutschsprachigen Raum (siehe Interview mit Frederik Ramm ).

OpenStreetMap ist allerdings deutlich mehr als nur eine Straßenkarte. Es werden nicht nur täglich 25.000 km Wege erfasst, sondern auch etliche Besonderheiten in der Umgebung. Fragen wie "Wo ist der nächste Briefkasten?" , "Wo die nächste Toilette?" oder "Wo finde ich den nächsten freien WLAN Access Point?" könnte OpenStreetMaps mit einer speziellen Auswertung durchaus beantworten. Damit OpenStreetMap dies anzeigen kann, müssen die Nutzer diese besonderen Orte (POIs, Points of Interest) nur erfassen. Ob das ein historisches Gebäude ist oder ein Glascontainer, entscheidet einzig derjenige, der die Daten erfasst.

Wie das aussehen kann, zeigt POI Control(öffnet im neuen Fenster) . Die Webseite nutzt OpenStreetMap und wertet die hinterlegten besonderen Orte aus. Es ist möglich, den nächsten Biergarten oder Nachtclub zu finden, Spielplätze zu suchen und die Haltestellen einer Straßenbahn zu orten – Daten, die die normale OpenStreetMap-Karte nicht anzeigt.

Manche Orte auf der Karte sind bereits sehr detailliert erfasst, beispielsweise inklusive Hausnummern(öffnet im neuen Fenster) . Andere Landstriche sind noch leer. Wenn Einwohner noch nichts von OpenStreetMap wissen, macht sich das auch auf der Karte bemerkbar.

So sind zum Beispiel große Teile Spaniens noch nicht erfasst. Allerdings ist gut zu sehen, dass es in dem Land langsam voran geht. Noch vor einem dreiviertel Jahr war außer in Madrid nicht viel zu sehen . Das gilt für viele Länder Europas. Die USA setzen noch auf die frei verfügbaren TIGER-Daten(öffnet im neuen Fenster) , die allerdings noch manuell nachbearbeitet werden müssen. Der Import der TIGER-Daten wurde erst im Januar 2008 abgeschlossen. Vorher waren auch die USA eine größtenteils leere Fläche.

Auch in den Medien findet OpenStreetMap zunehmend Erwähnung. Eine Presse-Übersicht im OSM-Wiki(öffnet im neuen Fenster) zeigt, dass sich mittlerweile auch Mainstream-Medien für das Projekt interessieren.

Es gibt aber Länder, in denen es das Kartographierungsprojekt und seine Mapper auch in Zukunft schwer haben werden. Entwicklungsländer und Schwellenländer sind ein Beispiel. Die Infrastruktur ist dort nicht ausreichend, Computer sind Luxusgüter. Allerdings könnte sich das durch Initiativen wie One Laptop per Child ändern. Doch es fehlt auch an GPS-Geräten. Zwar gibt es für Mapper in Entwicklungsländern einen GPS-Verleihservice , angesichts der zu erfassenden Fläche reicht das aber nicht aus. Beim Erfassen mancher Gegenden könnten Touristen helfen – der Urlaub wird nebenher zur Kartographierung genutzt. In einigen Touristenhochburgen ist das bereits sichtbar.

Wo Infrastruktur und Nutzer fehlen, braucht das Projekt Spenden. Damit ist nicht Geld gemeint, obwohl es durch die zunehmende Nutzung auch im Bereich der Hardware Bedarf gibt(öffnet im neuen Fenster) . Es geht vielmehr um Datenspenden. Ein großer Datenspender ist die Firma Yahoo, die es OpenStreetMap-Nutzern eingeschränkt erlaubt(öffnet im neuen Fenster) , Yahoos Daten zu nutzen. Auch die niederländische Firma AND Automotive Navigation Data(öffnet im neuen Fenster) hat Daten gespendet: ihr komplettes digital erfasstes Straßennetz der Niederlande. Dazu kamen noch Daten aus Indien und China, von denen bislang nur die indischen Daten in OpenStreetMap integriert wurden.

Unabhängig davon, ob es sich um Datenspenden oder Inhalte von Mappern handelt, ist die Qualität der Daten in OpenStreetMap – je nach Anwendungsfall – Google Maps deutlich überlegen oder deutlich unterlegen. Einen Vergleich mit dem Platzhirsch erlaubt die Seite geo.topf.org(öffnet im neuen Fenster) . In ländlichen Gebieten liegt Google Maps häufig vorn, allerdings sind die Daten meist recht alt. Selbst in Großstädten wie Berlin finden sich in Google Maps veraltete Kartenteile. OpenStreetMaps hingegen, das von aktiven Einwohnern einer Region abhängig ist, kann bei hoher Einwohnerdichte seine Stärken ausspielen.

An diesem Vergleich erfreuen sich vor allem diejenigen, die an OpenStreetMap mitarbeiten. Eine der wichtigsten Anwendungen für den Endnutzer ist dagegen das Finden von Wegen. OpenRouteService.org(öffnet im neuen Fenster) bietet eine Wegfindung nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Radfahrer und Fußgänger. Und obwohl der OpenRouteService noch am Anfang steht, leistet er bereits gute Arbeit. Manche Routen sind noch nicht ideal. Mit zunehmender Kartenqualität, weiterer Erfassung von Fußgängerwegen und Radwegen sowie der Aufnahme von Verkehrsschildern sollte der Dienst aber bald sehr zuverlässig sein.

Dass das Projekt noch sehr jung ist, zeigt sich an OpenStreetBugs. Aus einer kleinen Idee wurde schnell eine nützliche Anwendung, die die Qualität der Karte erhöhen kann und sowohl Mapper als auch Kartennutzer anspricht. Nach einem kurzen Artikel bei Golem.de wurden innerhalb von 24 Stunden fast 1000 Fehler(öffnet im neuen Fenster) im deutschsprachigen Raum gemeldet. Sie können nun von interessierten Mappern mit entsprechenden Fähigkeiten korrigiert werden.

Ein paar Tage später regnete es französische Bugs(öffnet im neuen Fenster) – die französische Webseite PCinpact hatte OpenStreetBugs entdeckt(öffnet im neuen Fenster) .

Es gibt aber Projekte, die nicht so recht vorankommen. Das OpenAerialMap-Projekt soll eigentlich Luftbilder bieten, doch viel tut sich auf den Seiten des Projekts nicht. Hier sind die Möglichkeiten der Mapper beschränkt: Ohne ein richtiges Flugzeug oder zumindest einen mit Kamera ausgestatteten Modellflieger ist nicht viel möglich.

Vier Jahre gibt es OpenStreetMap jetzt. So richtig losgegangen ist es außerhalb von Großbritanniens erst vor etwas mehr als einem Jahr. Davor waren Deutschland und große Teile von Europa nur eine Fläche mit vielen großen Flecken auf dem OpenStreetMap-Globus – wie der Rest der Welt auch. Deutliche Fortschritte in Europa und den USA zeigen, dass das Projekt lebt. "OpenStreetMap ist überallhin auf dem Weg. Wenn alle helfen, wird eine Karte entstehen, die besser ist, als alles, was es heute gibt. Und das sehr viel schneller als man glaubt" , sagt Robinson über das Projekt. Wächst die Karte weiter in so atemberaubenden Tempo, dürften beim fünften Geburtstag auch Bedenkenträger aufhören zu zweifeln.


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