Sensorfasern erkennen Veränderungen in Textilnetzen
Sie sollen Gebäude vor dem Einsturz sichern und überwachen, dass Bahndämme oder Felshänge nicht ins Rutschen geraten: Netze aus Textilfasern mit einer Länge von bis zu 150 Metern und einer Breite von bis zu 6 Metern. Sie halten zwar ein Gewicht vom mehreren Tonnen, bevor sie reißen. Doch so weit soll es gar nicht erst kommen. Forscher aus Berlin und Chemnitz haben deshalb Sensoren entwickelt, die diese Netze überwachen und melden, wenn sie sich verändern.
Die Entwicklung der Sensoren ist eine Gemeinschaftsarbeit des Sächsischen Texilforschungsinstituts (STFI) der Technischen Universität in Chemnitz und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin. Während in der BAM die Sensortechnik entwickelt wurde, kümmerten sich die Chemnitzer Textilforscher darum, die Sensorfasern in die Textilien zu integrieren, erklärte Frank Weigand vom STFI. Sie mussten dabei Verfahren entwickeln, um die Sensoren so in die Textilien zu integrieren, dass sie nicht beschädigt werden und gleichzeitig optimal arbeiten können. Dabei können die Anforderungen und Verfahren bei jeder Anwendung anders sein: Es gebe Anwendungen, bei denen die Sensoren besser funktionieren, wenn die Ummantelung straff sitzt, während es sich in anderen Fälle gezeigt habe, dass es besser sei, den Sensoren mehr Platz in ihrer Hülle zu lassen, beschrieb Weigand.
Bislang wurden Dehnungssensoren aus Kupfer für solche Zwecke eingesetzt. Die Metalldrähte haben jedoch gegenüber den Polymerfasern einige Nachteile. So können sie beispielsweise überbrückt oder durch Blitzeinschläge zerstört werden. Außerdem könne mit Hilfe der Kupferdrähte ein Schaden nur festgestellt, nicht aber genau geortet werden, sagte Weigand. Neben den Polymerfasern haben die Forscher auch mit Glasfasern experimentiert. Diese hätten sich jedoch als weniger gut geeignet erwiesen, da sie weniger elastisch, nicht so belastbar und schlechter zu verarbeiten seien als Polymerfasern.
Die Chemnitzer Wissenschaftler haben die Fasersensoren an einem speziellen Prüfstand in ihrem Institut, aber auch schon in der freien Natur erfolgreich getestet: Die Sensoren wurden bei der Sanierung der Bahnstrecke zwischen Chemnitz und Dresden verwendet. Seither überwachen sie in einer Kurve den Bahndamm und melden, wenn sich dieser verschieben sollte.



