Gesichtstauschsoftware schützt Privatsphäre

Angebote wie Google Street View oder EveryScape haben schon mehrfach Bedenken von Datenschützern erregt. Eine Kleinstadt im US-Bundesstaat Minnesota hat es Google sogar verboten , die örtlichen Straßen zu fotografieren.
Lädt der Nutzer nun eine Straßenansicht aus Google Street View, ersetzt die Software die Gesichter auf dem Bild durch Gesichter aus der Datenbank. Dazu sucht sie zunächst die Gesichter auf dem Bild und analysiert ihre Ausrichtung sowie die Bildauflösung. Dann durchsucht sie die Datenbank nach einem passenden Gegenstück. Im zweiten Schritt wird das in der Datenbank gefundene Gesicht angepasst. Das heißt, die Software korrigiert die Haltung, die Hautfarbe und die Belichtung so, dass die beiden Gesichter genau passen. Im letzten Schritt schließlich wird das bearbeitete Gesicht aus der Datenbank in das Bild kopiert. Die Ersetzung des Gesichts dauert nach Angaben der Forscher etwa eine Sekunde.
Betrachtet der Nutzer nun die Straßenszene, sieht er zwar Menschen mit Gesichtern, nicht aber die Personen, die ursprünglich fotografiert worden sind. Dieser Effekt wird noch dadurch verstärkt, dass das System Gesichter nicht nach Geschlechtern trennt und auch schon mal ein bärtiges Gesicht auf einen Frauenhals montiert.
Allerdings könne ihre Software nicht nur dazu verwendet werden, Menschen in Anwendungen wie Google Street View unkenntlich zu machen, schreiben die Wissenschafter um Kumar. Es sei auch möglich, damit perfekte Gruppenbilder zu komponieren. Wer eine größere Gruppe wie eine Hochzeitsgesellschaft fotografiert, macht zwar mehrere Aufnahmen, muss jedoch später meist feststellen, dass auf jedem Bild einige der Abgebildeten die Augen geschlossen haben, nicht lächeln oder nicht in die Kamera schauen. Mit dem System sei es nun möglich, die Bilder so zu kombinieren, dass alle Personen mit offenen Augen und lächelnd in die Kamera schauen. Dazu könne der Nutzer Gesichter manuell auswählen und die Software baue sie dann in das gewünschte Bild ein. Allerdings sei es auch möglich, in das Programm Algorithmen zu integrieren, die Lächeln und geschlossene Augen erkennen. Dann könne das System das gelungene Gruppenbild automatisch erstellen.
Die Forscher wollen ihr System im August 2008 auf der Fachmesse Siggraph in Los Angeles vorstellen. Darüber, wann es als kommerzielles Produkt erhältlich sein wird, machten sie keine Angaben.