CCC: Meldestellen werden Bürgern Fingerabdrücke abnötigen
Auch für den neuen Chip, auf dem die Daten gespeichert werden, sieht Rosengart Missbrauchspotential. "Der Betrüger GmbH wird es mit der elektronischen ID sehr leicht gelingen, an sensible Daten der Bürger zu kommen, wenn Menschen den E-Ausweis nutzen müssen, um im Internet einzukaufen" , sagte er der Süddeutschen Zeitung(öffnet im neuen Fenster) .
Für den Bürger habe die Verwendung des Fingerabdrucks keinen Vorteil. Es gebe für sie keinen Grund, diesen in Datenbanken des Staates zu speichern. Der Fingerabdruck sei "einzig und allein dazu geeignet, bei einem Grenzübergang, bei einer Kontrolle die Identität der Person mit dem Ausweis zu vergleichen" , sagte er MDR Info(öffnet im neuen Fenster) . Vermeintliche Erleichterungen beim E-Commerce oder Bankgeschäften nannte Rosengart "einen Kartenspielertrick der Regierung." Beim Onlinekauf tue der Fingerabdruck überhaupt nichts zur Sache. Rosengart rechnet damit, dass Kunden nun immer häufiger aufgefordert werden, "jeden Quatsch mit ihrer elektronischen Unterschrift zu bestätigen" . Dies öffne aber Spammern und Adresshändlern Tür und Tor. Mit der E-Signatur könnten sie sicher sein, dass gesammelte und weiterverkaufte Daten echt seien.
"Die Bundesregierung macht einen großen Fehler, wenn sie ihr schlechtes und unsicheres Konzept der elektronischen Reisepässe nun auch beim Personalausweis fortführt" , warnt Jan Korte, Innenexperte der Linken. Er appelliert an alle Bürger, auf die Speicherung der Fingerabdrücke zu verzichten. Korte befürchtet, dass bald eine Debatte darüber beginnt, die gespeicherten Fingerabdrücke für andere Zwecke zu verwenden. Die Voraussetzungen dafür werde die Bundesregierung zum Beispiel mit dem zentralen Melderegister schaffen. Der gläserne Bürger wäre dann perfekt.
Anders sieht das der Branchenverband der ITK-Industrie Bitkom. Er geht davon aus, dass der E-Ausweis die "Sicherheit im Internet erhöhen" und damit das "Vertrauen der Verbraucher" stärken wird. Viele Missbrauchsmöglichkeiten und Sicherheitslücken könnten so geschlossen werden, so Dieter Kempf, Bitkom-Präsidiumsmitglied. Einsatzmöglichkeiten seien Onlinebanking, Einkauf im Internet, elektronische Bürgerdienste der Verwaltungen oder die Altersüberprüfung im Netz.