Spieletest: Battlefield Bad Company - Ausschuss an der Front
Neuer Shooter mit umfangreicherem Einzelspieler-Modus. In Multiplayer-Kreisen genießt die Battlefield-Reihe seit Jahren einen guten Ruf. Bei Solo-Kämpfern sieht das anders aus, denn bislang gab es keinen Einzelspieler-Modus oder nur einen rudimentären. Bei Battlefield Bad Company haben die Entwickler in diesem Punkt nachgebessert und nebenbei ein paar weitere Neuerungen eingeführt.
Der typische Shooter-Protagonist ist hart, kompromisslos, integer – wie man sich einen Vorzeigehelden eben vorstellt. Auf das Quartett, das in Battlefield Bad Company ins Gefecht zieht trifft diese Beschreibung allerdings nur am Rande zu: Aufgrund moralisch fragwürdigem Verhaltens oder verpatzter Angriffen wurden alle vier in eine Art Reservekompanie versetzt, die immer dann ausrücken muss, wenn sich jeder besser geeignete Akteur dafür zu schade ist. Anders ausgedrückt: Sie sind Kanonenfutter, das in wirklich brenzligen Situationen ran muss, was sich natürlich auch auf ihre Motivation und Gesetzestreue auswirkt.
Battlefield Bad Company erinnert somit über weite Strecken inhaltlich an George Clooneys Leinwandfilm Three Kings: Die vier im Mittelpunkt stehenden US-Soldaten sind zwar im Regierungsauftrag in Eurasien unterwegs, nehmen es mit der Befehlsausführung aber nicht immer so ganz genau. Als sich ihnen die Chance bietet, vermeintlich einfach an Gold zu gelangen, wollen sie sich diese Gelegenheit nur ungern entgehen lassen. Hinzu kommt eine gute Prise schwarzer Humor. Vor allem die Zwischensequenzen sind gespickt mit witzigen Anspielungen und gelungenen Dialogen, die auch darüber hinweg trösten, dass das Spiel in punkto Intensität nicht ganz mit der Klasse eines Call Of Duty mithalten kann.
Hinsichtlich des Gameplays wird größtenteils gewohnte Shooter-Kost mit ein paar netten Extras geboten: Es gibt zahlreiche Waffen, vom Gewehr bis hin zur Panzer-Faust, von denen allerdings immer nur zwei gleichzeitig mitgeführt werden können; eine Spritze, mit der immer wieder die eigene Energie aufgepäppelt werden darf; abwechslungsreiche Missionen, die von Eskort-Aufträgen bis hin zum Stürmen von Gebäuden reichen; und diverse Fahrzeuge wie Jeeps, Panzer oder gar ein Golf-Caddy, die sich im Gegensatz zu früheren Battlefield-Einsätzen diesmal auch einfacher handhaben lassen.
Allerdings sollte man sich innerhalb der Missionen nie zu sehr auf die eigenen drei Mitstreiter verlassen: Sie schauen über weite Strecken nämlich lieber zu, als wirklich aktiv ins Geschehen einzugreifen, schießen oft daneben, lassen einen praktisch immer vorausgehen und sind selbst in längeren Feuergefechten nur eine begrenzte Hilfe. Wirklich dirigieren lassen sie sich auch nicht. Von Taktik kann hier also nur sehr eingeschränkt gesprochen werden.
Erfreulicher ist da schon die weitgehend zerstörbare Umgebung: Die meisten Gebäude lassen sich mit Ausnahme der Grundmauern in Schutt und Asche legen. Selbst wenn das Ganze offensichtlich an Sollbruchstellen in Trümmer fällt, ist es doch schön anzusehen – und auch spielerisch nutzbar. Verschanzt sich etwa ein feindlicher Trupp direkt hinter einer Wand, ist es eben am einfachsten, das Gemäuer einfach wegzusprengen.
Überhaupt haben die Entwickler von DICE großen Wert auf viel sehenswerte Action gelegt – es gibt Zerstörung, Feuerbälle und krachende Explosionen im Sekundentakt. Die optische Wucht ist dabei sowohl auf Playstation3 als auch für Xbox360 wirklich sehenswert: Wenn Battlefield die Klasse eines Call Of Duty nicht erreicht, dann liegt das an der Inszenierung der Story und nicht an der Technik.
Im Mehrspieler-Teil geht der Kampf ums Gold weiter – auf mehreren Karten, vorübergehend allerdings nur in einem einzigen Modus. Hier wollen die Entwickler allerdings noch nachbessern. Während in der Solo-Kampagne Teamgeist kaum eine Rolle spielt, ist er online dann natürlich wieder essentiell – wie von der Battlefield-Reihe nicht anders gewohnt. Da jedem Akteur auf dem Schlachtfeld eine eigene Rolle zukommt, ist Kooperieren unabdingbar. Erst wenn Aufklärer, Sprengstoffexperte und MG-Schütze Hand in Hand arbeiten, ist ein erfolgreiches Erobern der Goldkisten möglich.
Battlefield Bad Company erscheint exklusiv auf Konsolen, kostet etwa 60 Euro und ist für Xbox360 und Playstation3 bereits im Handel erhältlich.
Fazit: Battlefield Bad Company mag hinsichtlich der Handlungsmöglichkeiten nicht so komplex sein, wie es PC Veteranen gewohnt sind. Auch sonst gibt es das ein oder andere zu kritisieren: die schwache KI etwa oder auch gelegentliche Clipping-Fehler. Trotzdem macht der Titel über weite Strecken viel Spaß – der sehr actionlastigen Inszenierung, der zerstörbaren Umgebung und der humorvollen Story rund um ein nicht grade stereotypes Soldaten-Team sei Dank. Auch Solo-Spieler dürfen dank gelungener und abwechslungsreicher Kampagne somit guten Gewissens zur Battlefield-Reihe greifen.
Video: Battlefield Bad Company – Release Trailer in HD 720p (benötigt Flash 9) (2:16)