Vorabtest: Radeon 4870 X2 schlägt GeForce GTX-280

Selten war der Markt für Spielegrafikkarten so spannend wie in den vergangenen Wochen. AMDs Grafiksparte ATI und Nvidia liefern sich einen erbitterten Schlagabtausch. Als der Grafikprozesser RV770, zuerst eingesetzt auf Radeon 4850 und 4870, auf ganzer Linie überzeugen konnte , musste Nvidia nach nur vier Wochen sogar die Preise für seine GT-200-Grafikkarten um über 20 Prozent senken .
Architektur und Konstruktion
Die Radeon HD 4870 X2 verfügt über zwei RV770-GPUs, die AMD in dieser Ausführung R700 nennt. Folglich tauchen als Grafikkarten auch zwei Einträge "R700" im Gerätemanager auf. Die Karte arbeitet intern mit der GPU-Kopplung CrossFire, die hier aber völlig transparent für den Anwender bleibt. Um die CrossFire-Einstellungen muss man sich nur kümmern, wenn man eine weitere Grafikkarte der 4800-Serie zur X2 steckt.
Der R700 arbeitet mit der Architektur des RV770 , in diesem Fall der Version der 4870, also mit GDDR5-Speicher. Auch die Taktfrequenzen sind gleich: 900 MHz für den Speicher (effektiv 1.800 MHz per DDR) und 750 MHz für den Grafikprozessor. Der Speicher für jede GPU ist 512 MByte groß. Die vielbeworbene "1-GByte-Grafikkarte" ist eine X2 aber dennoch nicht, da jede GPU Textur- und Geometriedaten für sich vorhalten muss, sie liegen also doppelt vor.
Das ist ein erster Hinweis auf eine noch höhere Leistungsaufnahme als bei der 200-Watt-Karte 3870 X2 , einen weiteren liefert die Waage: Mit 1.074 Gramm ist die 4870 X2 50 Gramm schwerer als die 3870 X2. Grund ist der Kühlkörper der näher am Lüfter befindlichen GPU, der nun auch aus Kupfer gefertigt ist. Bei der ersten X2 bestand er aus Aluminium, der zweite Kühlkörper näher am Slotblech ist bei beiden Karten aus Kupfer.
Synthetische Benchmarks
3DMark06 ist inzwischen technisch deutlich überholt - aber immer noch das klassische Testprogramm für Grafikkarten. Der Benchmark basiert nicht auf der Engine eines kommerziellen Spiels, spricht aber auch auf kleine Leistungsunterschiede sehr fein an.
Crysis
Dieser 3D-Shooter aus Deutschland gilt zurecht als Hardwarefresser: Jedes Quäntchen Leistung der Grafikkarte kann Crysis in noch bessere Bilder umsetzen. Zwar ist das Spiel auch auf schwächeren GPUs schon in der Detaileinstellung "Medium" spielbar, sieht dann aber kaum besser aus als drei Jahre alte DirectX-9-Titel. Erst "High" bringt realistischere Beleuchtung und zahlreiche Spezialeffekte, DirectX-10 ist erst mit "Very High" möglich - wenn man nicht die Konsole bemüht oder die Konfigurationsdateien ändert.
Obwohl die aufwendigen Shader-Effekte in Crysis mit kräftiger Mithilfe von Nvidia entwickelt wurden, ist das Spiel inzwischen auch auf einer AMD-Karte sehr gut spielbar. Schon die 4850 liefert bis 1.600 x 1.200 Pixel gut spielbare durchschnittliche Wiederholraten in "High", in diesem Modus hält die 9800 GTX auch mit einer 4870 gut mit. Nvidia empfiehlt für sehr hohe Auflösungen mit allen Details und Filterfunktionen dennoch ein Gespann aus drei Ultrakarten mit Triple-SLI.
Anti-Aliasing ist mit einer Grafikkarte, auch mit einer 4870, für Crysis immer noch nicht zu empfehlen: Schon die Einstellung 2x ist rund 18 Prozent langsamer. Da das Spiel intern schon die gröbsten Kanten filtert, ist der optische Vorteil im Vergleich zu anderen Titeln ohnehin gering und erst ab 4x deutlich sichtbar. Die Messungen erfolgten daher auf allen Karten ohne Anti-Aliasing und anisotropische Filterung.
Call of Juarez/Trackmania United
Die Demoversion des Westernshooters "Call of Juarez" wird von AMD gerne als DirectX-10-Benchmark empfohlen. Seit jeher beteuern die Entwickler von Techland aber, keinerlei AMD-spezifische Optimierungen vorgenommen zu haben und sich nur an Standardfunktionen der Grafikschnittstelle orientiert zu haben. Dass das offenbar zutrifft, zeigen die aktuellen Benchmarks - bisher lag AMD hier uneinholbar vorne . Wir testen mit 1 Kilobyte großen Shadow-Maps ohne Anti-Aliasing und normalen Details für die Schatten.
Wir testen Trackmania United, wie auch andere Redaktionen, ohne den Effekt der Bewegungsunschärfe. Dieses "Motion Blur" macht nicht nur das Spiel schwerer, sondern bremst auch in allen Konfigurationen AMD-Karten um fast die Hälfte aus.
Leistungsaufnahme und Fazit
Gemessen wird hier stets das Gesamtsystem an der Steckdose, einmal nach mehreren Minuten ruhendem Desktop von Windows Vista samt Aero-Oberfläche - allerdings ohne Sidebar - und einmal unter Volllast. Dafür lassen wir den Test "New Calexico" aus 3DMark Vantage in der Einstellung "High" bei 1.680 x 1.050 Pixeln mit jeweils 8x für Anti-Aliasing und Anisotropie laufen und geben über drei Messungen den gemittelten Spitzenwert an. Aufgrund des neuen Tests und eines anderen Netzteils für die Testplattform - der Rest der Hardware blieb identisch - sind diese Messungen nicht mit früheren Tests von Golem.de vergleichbar.
AMD bestätigte die Messungen von Golem.de und gab an, dass die 4870 X2 über eine typische Leistungsaufnahme (TDP) von ganzen 300 Watt verfügt - 100 Watt mehr als die 3870 X2. Dafür sind schon sehr starke Netzteile ab 650 Watt mit hoher Effizienz nötig. Auch die hohe TDP von 236 Watt für die GTX-280 relativiert sich so.
Dennoch zeigt die 4870 X2, dass AMDs Konzept der Multi-GPU-Karten für das High-End funktioniert: Wenn der Treiber mitspielt, kann die Karte gut skalieren. Dafür muss AMD die Treiber aber an jedes einzelne Spiel anpassen. Die Beta-Treiber beherrschen das noch nicht vollständig, zeigten aber schon jetzt weder Bildfehler oder gar Abstürze.
Auch bei den im kurzen Testzeitraum möglichen Tests zeigt sich zudem die Tendenz, dass die neue X2 mit hohen Auflösungen weniger Leistung verliert als selbst die GTX-280. Gegenüber dem Nvidia-Flaggschiff sollte AMD aber die Leistungsaufnahme der X2 im Idle-Modus dringend reduzieren. 128 Watt mehr ohne Last, wann immer der PC läuft, sind nicht nur unzeitgemäß, sondern für den Käufer auf Dauer sehr teuer.



