Wirbel um Ärztebewertungsportal in Großbritannien
Wie bei Portalen wie Kununu , Spickmich oder MeinProf können Patienten auf iWantGreatCare(öffnet im neuen Fenster) ihre behandelnden Ärzte bewerten. Ziel des Dienstes sei es, "jedem Patienten zu helfen, eine gute Behandlung zu bekommen" , heißt es auf der Website.
Patienten, die einen Arzt bewerten möchten, werden danach gefragt, ob sie das Gefühl hatten, der Mediziner habe zugehört, ob sie ihm vertrauten und ob sie ihn weiterempfehlen können. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent. Außerdem können die Patienten einen Kommentar abgeben.
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Das Angebot hat in Großbritannien großes Aufsehen erregt. Viele Ärzte seien über das Angebot aufgebracht, die British Medical Association befürchte, ihre Mitglieder seien in Zukunft Verleumdungen und Rachefeldzügen von Patienten ausgesetzt, berichtet die Tageszeitung The Guardian(öffnet im neuen Fenster) . Das Angebot biete "Spinnern und unzufriedenen Meckerern" die Möglichkeit, "den Ruf eines jeden Doktors auf immer zu ruinieren" , befürchtet der Blogger " Jobbing Doctor(öffnet im neuen Fenster) ", ein Allgemeinmediziner aus der Peripherie der Hauptstadt London. Auch eine Satireseite mit dem Titel " iWantGreatBacon(öffnet im neuen Fenster) " (Deutsch etwa: Ich will tollen Schinken) ist schon im Netz aufgetaucht.
Dabei ist iWantGreatCare nicht das erste Ärztebewertungsportal in Großbritannien. Dass sein Start solchen Wirbel verursacht hat, hängt offensichtlich damit zusammen, dass es nicht etwa von Patienten eingerichtet worden ist, sondern von einem Arzt, Neil Bacon aus Oxford, der allerdings nicht mehr praktiziert. Bacon hat bereits die Ärztecommunity Doctors.net.uk(öffnet im neuen Fenster) gegründet. "Ärzte waren immer aufgebracht, wenn sie von einem der ihren enttäuscht oder betrogen wurden" , bringt es der Jobbing Doctor auf den Punkt. Das gelte umso mehr, wenn diese Ärzte vorgeben, aus altruistischen Motiven zu handeln. Kein Wunder also, dass Bacon bei seinen Kollegen wenig Freunde hat: "Zu sagen, Neil Bacon sei in dem Berufsstand unbeliebt, ist eine Untertreibung. Er wird als Ausgestoßener betrachtet" , so der Jobbing Doctor. Doch auch seine Patienten scheinen Bacon nicht besonders zu schätzen: Auf dem Portal RateMDs.com(öffnet im neuen Fenster) erhält er auf einer Skala von 1 bis 5 nur die Bewertung 1,8.
Auch in Deutschland gibt es mehrere solcher Bewertungsportale, wie Helpster , das wie Golem.de zu Holtzbrinck gehört. Die Ärztekammern beobachten diese Angebote, stehen ihnen aber kritisch gegenüber, sagte eine Sprecherin der Ärztekammer Hamburg(öffnet im neuen Fenster) Golem.de. Rankings halte sie generell für problematisch, weil die Kriterien, nach denen beurteilt wird, nicht klar seien. Auch die Hamburger befürchten, dass Ärzte aus anderen als medizinischen Gründen schlechte Bewertungen erhalten könnten, etwa aus Rache von geschiedenen Partnern.
Die Kammer sehe jedoch das Bedürfnis nach Beratung, so die Sprecherin weiter. Patienten, die sich unsicher über die Qualität einer medizinischen Behandlung seien, empfiehlt die Ärztekammer die Broschüre "Woran erkennt man eine gute Arztpraxis – Checkliste für Patientinnen und Patienten", die das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin(öffnet im neuen Fenster) kostenlos auf seiner Website bereitstellt(öffnet im neuen Fenster) .