• IT-Karriere:
  • Services:

Interview: Assistenzsystem für Blinde wandert ins Internet

Golem.de im Gespräch mit dem Entwickler des Online-Screen-Readers WebAnywhere

WebAnywhere ist ein webbasierter Screen Reader, der Blinden und Sehbehinderten den Internetzugang von jedem beliebigen Rechner ermöglichen soll. Golem.de traf den Entwickler des Systems, Jeff Bigham.

Artikel veröffentlicht am ,

Blinde oder Sehbehinderte brauchen eine spezielle Software, um einen Computer nutzen zu können: Screen Reader wandeln Texte in Sprache und lesen sie vor. Bislang müssen die Programme auf einem Computer installiert sein.

Damit sind Blinde oder Sehbehinderten jedoch von dem Trend ausgeschlossen, dass immer mehr Anwendungen vom Desktop-Computer ins Internet wandern, so dass Nutzer von einem beliebigen Computer mit Internetanschluss aus ihre Mails abrufen oder ihre Texte bearbeiten können. Jeff Bigham von der Universität von Washington in Seattle hat deshalb mit WebAnywhere den ersten Online-Screen-Reader entwickelt. Im Gespräch mit Golem.de erklärt Bigham, wie WebAnywhere funktioniert, welche Sprache das System spricht und wo seine Grenzen liegen.

Golem.de: Herr Bigham, Sie haben WebAnywhere entwickelt. Wie würden Sie das System beschreiben?

Jeff Bigham: WebAnywhere ist eine freie Open-Source-Webanwendung, die Blinde von einem beliebigen Computer aus nutzen können. Der Vorteil ist, dass sie keine Software installieren müssen, was auf öffentlichen Computern aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt ist.

Jeff Bigham, der Entwickler von WebAnywhere
Jeff Bigham, der Entwickler von WebAnywhere
Stellenmarkt
  1. HanseVision GmbH, Hamburg, Bielefeld, Karlsruhe, Neckarsulm
  2. Basler AG, Ahrensburg


Golem.de: Wie wird WebAnywhere genutzt?

Bigham: Als Erstes muss der Nutzer unsere Website aufrufen. Von dort aus kann er mit unserem System eigenständig durch das Netz surfen. Über eine Tastenkombination gelangt man in ein Eingabefeld, in das die Adresse einer gewünschten Website eingegeben wird. Die Seite wird geladen und das System liest sie vor. Außerdem bietet es eine Reihe von Tastenkombinationen, mit denen der Nutzer über die Seite navigieren kann.

Golem.de: Wie funktioniert das System technisch?

Bigham: Das System im Client schickt Text an den Server. Dort wird der Text in Sprache gewandelt und im MP3-Format zurückgeschickt. Auf dem Clientrechner stellt Javascript das Tastaturinterface bereit. Eine weitere wichtige Funktion ist, dass das System die Buchstaben, die ein Nutzer in ein Eingabefeld eintippt, wiederholt, so dass er sicher sein kann, dass er sich nicht vertippt hat.

Golem.de: Wenn die Sprache vom Server ausgeliefert wird: Wie performant ist das System?

Bigham: Das hängt von der Internetverbindung ab. Bei einem Breitbandzugang dauert es normalerweise weniger als eine halbe Sekunde, bei einer langsameren Verbindung kann es auch mehrere Sekunden dauern. Das wirkt sich natürlich auf die Nutzerfreundlichkeit aus. Wenn man eine Taste drückt und dann drei Sekunden warten muss, bis etwas passiert, ist das unbefriedigend und nicht besonders nutzerfreundlich. Wir haben deshalb mehrere Prefetching- und Cachesysteme eingebaut, die sicherstellen, dass die Töne, die der Nutzer hören will, rechtzeitig auf dem Rechner sind. Wir speichern die auch zwischen, so dass sie beim nächsten Mal schneller abgerufen werden können.

Golem.de: In welcher Reihenfolge liest das System denn eine Seite?

Bigham: Standardmäßig liest WebAnywhere von oben nach unten und von links nach rechts. Man kann sich aber mit Hilfe der Tastenkombinationen in dem Dokument bewegen. Abhängig davon, welche HTML-Tags das System gerade liest, gibt es verschiedene Regeln, was es liest. Bei einem Bild schaut es, ob es einen "Alt"-Tag mit einer Bildbeschreibung gibt. Es gibt eine ganze Reihe von Regeln dieser Art. Wenn eine Seite geladen ist, wird dem Nutzer angesagt, wie viele Überschriften und Links sie enthält. Er weiß dann, ob es Überschriften gibt, die er ansteuern kann. Es gibt auch einen Befehl, um zur ersten Überschrift zu springen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Interview: Assistenzsystem für Blinde wandert ins Internet 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. gratis
  2. 59,90€ (Bestpreis)
  3. (u. a. MSI GeForce RTX 3060 GAMING X 12G für 709€)

1234 11. Jul 2008

...warum nehmen die dafür immer noch so grässliche Stimmen? Die Vorlesfunktion von Heise...


Folgen Sie uns
       


Surface Duo - Fazit

Das Surface Duo ist Microsofts erstes Smartphone seit Jahren - und ein ungewöhnliches dazu. Allerdings ist das Gerät in Deutschland viel zu teuer.

Surface Duo - Fazit Video aufrufen
Vor 25 Jahren: Space 2063: Military-Sci-Fi auf höchstem Niveau
Vor 25 Jahren: Space 2063
Military-Sci-Fi auf höchstem Niveau

Vor 25 Jahren startete die Military-Science-Fiction-Serie Space 2063 in Deutschland. Es wurde nur eine Staffel produziert. Sie ist auch ihres bitteren Endes wegen unvergessen.
Von Peter Osteried

  1. Warp-Antriebe und Aliens Das Wörterbuch für Science-Fiction
  2. Science Fiction Babylon 5 kommt als neue Remaster-Version
  3. Unweihnachtliche Filmtipps Zombie-Apokalypse statt Kevin allein zu Haus

Börse: Was zur Hölle ist ein SPAC?
Börse
Was zur Hölle ist ein SPAC?

SPACs sind die neue Modewelle an der Börse: Firmen, die es eigentlich nicht könnten, gehen unter dem Mantel einer anderen Firma an die Börse. Golem.de hat unter den Mantel geschaut.
Eine Analyse von Achim Sawall

  1. Wallstreetbets Trade Republic entschuldigt sich für Probleme mit Gamestop
  2. Tokyo Stock Exchange Hardware-Ausfall legte Tokioter Börse lahm

No-Regret-Infrastruktur: Wasserstoffnetze für Stahl und Chemie
No-Regret-Infrastruktur
Wasserstoffnetze für Stahl und Chemie

Die Organisation Agora Energiewende schlägt vor, sich beim Bau von Wasserstoffleitungen und Speichern zunächst auf wenige Regionen zu konzentrieren.
Von Hanno Böck

  1. Brennstoffzellenfahrzeug Fraunhofer IFAM entwickelt wasserstoffspeichernde Paste
  2. Wasserstoff Lavo entwickelt Wasserstoffspeicher fürs Eigenheim
  3. Energiewende EWE baut einen Wasserstoffspeicher bei Berlin

    •  /